[e-book-review] Von Männern, die Frauen hassen & umgekehrt (Stieg Larsson, Verblendung)

millenium-trilogie-stieg-larsson-verblendung-e-book-bestseller-lisbeth-salander-bild_flickr_benoitpWie populär der „Schwedenkrimi“ momentan in Deutschland ist, zeigt ein Blick auf Spiegel Bestseller-Listen Taschenbuch: auf den erste Plätzen stehen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ – also die komplette „Millenium“-Trilogie von Stieg Larsson. Auch bei den E-Book-Charts von libri rangieren die Krimis des bereits 2004 verstorbenen Schriftstellers ganz oben. Ursprünglich plante Larsson sogar eine zehn Bände umfassende Serie – wie würden die Bestseller-Listen dann wohl aussehen?

„Ich schreibe ein paar Bücher und werde Millionär“

„Ich schreibe ein paar Bücher und werde Millionär“, sagte Stieg Larsson einmal über seine Zukunft. Fast hätte das auch geklappt. Als der gelernte Journalist zum Krimi-Fach wechselte, plante er einen richtigen „Dekalog“ – über zehn Bände hinweg könnte man dann heute das unkonventionelle Ermittler-Duos aus Hackerin Lisbeth Salander und Reporter Michael Blomkvist verfolgen. Doch bevor die Arbeit am vierten Band so richtig begonnen hatte, starb Workoholic Larsson stilecht wie eine seiner Romanfiguren. Mitten bei der Arbeit bekam er einen Herzinfarkt, und das im Alter von gerade mal 50 Jahren. Vielleicht eine déformation professionelle? Wie seine Figur Blomkvist hatte Larsson lange Zeit einen stressigen Beruf – er arbeitete nämlich ursprünglich für die Presse. Im wirklichen Leben war er allerdings nicht korrupten Industriellen auf der Spur, sondern galt als Experte zum Thema Rechtsextremismus.

„Verblendung“, oder: „Männer, die Frauen hassen“

Als Skandinavien Mitte der neunziger Jahre von einer Welle rechter Gewalt erschüttert wurde, gründete Larsson das antifaschistische Magazin Expo. Mittlerweile ist bekannt, dass jedoch noch eine ganz andere Gewalterfahrung das Leben des posthum zum Bestseller-Autor avancierten Schweden prägte. Wie der Journalist Kurdo Baksi vor kurzem offenbarte, wurde Larsson als Student stummer Zeuge einer Vergewaltigung – und machte sich sein Leben lang Vorwürfe, nicht eingegriffen zu haben. „Män som hatar kvinner“, also „Männer, die Frauen hassen“ ist wohl nicht ganz zufällig der Originaltitel von „Verblendung“. Die Psychologie von Lisbeth Salander hat damit viel zu tun – ein jugendliches Opfer männlicher Gewalt, das als Erwachsene selbst kräftig austeilt. Doch das ist natürlich nur ein Element. Wie üblich im Schwedenkrimi bekommen in den drei Bänden der Millenium-Trilogie auch staatliche Institutionen ihr Fett weg – von der Sozialfürsorge über die Polizei bis zum Geheimdienst.

Dem schwedischen Serienmörder auf der Spur

Das Grundgerüst für den ersten Band liefert ein waschechter Krimiplot: Zusammen mit Salander macht sich Blomkvist auf die Suche nach Harriet Vanger, die seit den fünfziger Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. Dafür bekommt Harriets Onkel, der Industrielle Henrik Vanger, jedes Jahr an seinen Geburtstag von einem (oder einer?) Unbekannten gepresste Blumen hinter Glas geschickt – so wie es vor ihrem Verschwinden auch Harriet zu tun pflegte. Getarnt als Henrik Vangers Biograf durchforstet Blomkvist die Familiengeschichte – und stößt auf Ungeheuerliches: offenbar treibt seit den Fünfziger Jahren unerkannt ein Serienmörder sein Unwesen in Schweden. Doch was hat der Serienmörder mit der Familie Vanger zu tun? War Harriet Vanger ihm etwa auf die Spur gekommen?

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Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".