Pulp Fiction als Real-Satire: Stephen Kings „Joyland“ erscheint exklusiv auf Papier – & die Branche revoltiert

Na sowas aber auch: Stephen Kings neuer Roman „Joyland“ wird vorerst nur in gedruckter Form erscheinen – und zwar bei dem auf Pulp-Romane spezialisierten Verlag Hardcase Crime, und mit dem entsprechenden Cover im Groschenheft-Stil. Neben einer Paperback-Version soll es drei verschiedene Hardcover in limitierter Auflage geben. „Und was ist mit E-Books!?“, fragte stellvertretend das Wall Street Journal, und der Meister des Schreckens antwortete: „Vielleicht irgendwann mal, aber bis dahin sollen die Leute sich mal in Bewegung setzen und in eine reale Buchhandlung gehen, und nicht zu einem Online-Portal“. Der sich anschließende Skandal spricht Bände über den Strukturwandel der Buchbranche: 500 Jahre lang hat sich niemand darüber aufgeregt, wenn ein Autor ein Buch „nur“ auf Papier herausbrachte. Jetzt muss man mit Retourkutschen wie der von Alexandra Pringle rechnen, Editorial Director beim renommierten Verlag Bloomsbury: „Finden Sie sich ab mit E-Books, Stephen King. Ein Autor sollte seinen Lesern nicht vorschreiben, wie sie zu lesen haben“

Die Kritik trifft einen Early Adopter in Sachen E-Lesen

Abgesehen vom Schlaglicht auf den Kultur- und Medienwandel war diese Intervention via Tageszeitungs-Schlagzeile kein Geistesblitz: denn Stephen King ist alles andere als ein E-Book-Verächter, er gehört (anders als die meisten Verleger) zu den Early Adoptern des elektronischen Lesens. Bereits im Jahr 2000 wurde seine Geschichte „Riding the Bullet“ (dtsch.: „Achterbahn“) in Kooperation mit Simon&Schuster online publiziert- wobei die Initiative nicht vom Verlag ausging. Kurz darauf mutierte der Bestseller-Autor sogar zum temporären Self-Publisher: die Romanserie „The Plant“ vermarktete er digital als Subskriptions-Modell auf freiwilliger Basis. Und als Jeff Bezos 2009 das Kindle 2 präsentierte, stand neben ihm nicht ganz zufällig Stephen King auf der Bühne. Für den neuen Reader hatte der populäre Schriftsteller eigens eine exklusive Kurzgeschichte namens „UR“ beigesteuert, die sich um ein mysteriöses pinkes Kindle aus einem Paralleluniversum dreht.

Joyland als nostalgische Hommage an Pulp Fiction

Auch damals hagelte es Kritik – denn schließlich konnte man die Story eben nur auf dem Kindle lesen, genauso wie man 2009 die meisten Bücher nur auf Papier lesen konnte (worüber sich naturgemäß noch niemand aufregte). Doch durch die Gutenberg-Galaxis wehte schon der Wind of Change, und Stephen King stand dabei an vorderster Front: noch im selben Jahr kam sein neuester Roman „Under the Dome“ (dtsch.: „Die Arena“) parallel als E-Book und im Print heraus, zu diesem Zeitpunkt noch ein absolutes Novum. Denn viele Verlage hatten Angst, die gewohnten Umsätze mit den Hardcover-Ausgaben zu gefährden – und schrieben stattdessen lieber den Lesern vor, wie sie zu lesen hatten. So ändern sich die Zeiten: Im Jahr 2013 ist es nun plötzlich ein Aufreger für Verleger, wenn ein Autor ausnahmsweise eine Print-Only-Strategie fährt. Dabei gibt’s diesmal aber auch einen guten Grund – es handelt sich bei „Joyland“ um eine nostalgische Hommage an klassische „Pulp Fiction“: “Als Kind liebte ich solche Taschenbücher, und aus diesem Grund warten wir bei diesem Buch noch mit dem E-Publishing“, so Stephen King.

Abb.: Hardcase Crime

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Pulp Fiction als Real-Satire: Stephen Kings „Joyland“ erscheint exklusiv auf Papier – & die Branche revoltiert“

  1. Tja, so ist das, wenn man Leute ohne kulturelles Gedächtnis, aber web 2.0 sozialisiert, in Positionen läßt, wo sie anscheinend nichts oder nur wenig zu suchen haben.

    Wer nur Facebook oder „ebook“ kennt, kann halt mit „buch“ nichts anfangen

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