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Springer setzt auf langen Marsch von Print zu Online – und auf Paid Content für iPhone & Co.

7 Aug 2009

Bezahlen fängt mit B an – genauso wie BILD. Wie passend: Der Axel Springer-Verlag will in Zukunft verstärkt auf Paid Content im Web setzen – allerdings nur dort, wo mobil gesurft wird. Springer-Vorstandschef Döpfner hofft, dass iPhone-Nutzer anders sozialisiert sind Desktop-User: „Mobile Endgeräte bieten völlig neue Chancen. Hier sind die Nutzer gewohnt, zu bezahlen“, argumentierte Döpfner diese Woche bei der Präsentation des Halbjahresberichts. Vor allem Micro-Payment und Abomodelle böten „eine große Chance die Kostenlos-Kultur des Internets zurückzufahren“. Unterstützung gab’s gleich darauf von finanziell angeschlagenen WAZ-Konzern: dort hielt man Döpfners Plädoyer für Bezahlinhalte gar für die „wichtigste medienpolitische Initiative seit Jahrzehnten“.

Am östlichen Ende der Berliner Rudi-Dutschke-Strasse hat man sich auf den langen Marsch von Print zu Online begeben

Kein Wunder, dass man im Springer-Haus so große Stücke auf Big Money im Netz der Netze setzt: schließlich hat man sich an der Rudi-Dutschke-Straße auf den langen Marsch von Print zu Online begeben. Erst im Juni hatte Döpfner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswire angekündigt, man wolle binnen zehn Jahren den Anteil des Onlinesegments am Gesamtumsatz auf 50 Prozent steigern. Derzeit wird er auf etwa 17 Prozent geschätzt. Und es tut sich tatsächlich was: Im Bereich Digitale Medien steigerte Springer trotz Krise im ersten Quartal 2009 den Umsatz um 28,5 Prozent auf 104,7 Millionen Euro. Doch das liegt nicht an Paid Content, sondern viel eher an höheren Werbeeinnahmen: hier haben Zuwächse im Online-Bereich nämlich Verluste im Print-Bereich (bei Zeitungen in Deutschland minus zehn Prozent, bei Zeitschriften minus zwanzig Prozent) ausgleichen können.

Wie das Verhältnis zwischen Free und Paid Content aussehen kann, zeigt der Hamburger IT-Dienstleister Heubach Media

Doch Döpfner plädierte ohnehin nicht für ein generelles Aus für kostenlose Inhalte. Sondern sprach von bestimmten Nischen, d.h. „spezialisierten sowie exklusiven Inhalten“. Schon jetzt hat man etwa auf BILDmobil Erfahrungen mit solchen Angeboten gesammelt. Konkrete Gewinnerwartungen gibt es aber auch noch nicht. In der Umsatzplanung für die nächsten Jahre sind keine Paid-Content-Erlöse enthalten. Wie ein reales Verhältnis von Free zu Paid Content auf dem iPhone im deutschen Marktumfeld aussehen kann, zeigt der Hamburger IT-Dienstleister Heubach Media. Dort setzt man nicht auf News, sondern auf E-Books. Im ersten Halbjahr 2009 verzeichnete man mehr als 100.000 Downloads über den App Store. Etwa 25.000 E-Book-Apps wurden zu Preisen zwischen 0,79 Euro und 24,99 Euro verkauft, die übrigen 75.000 E-Book-Apps waren kostenlose Marketing-Apps bzw. Leseproben der kostenpflichtigen Apps. Es geht vielleicht sogar mit noch mehr Free und noch weniger Paid: Chris Anderson schätzt in seinem aktuellen Bestseller „Free – The Future of a radical price“, dass bei einer genügend großen Zahl von Downloads lediglich 5 Prozent der User zahlende Kunden sein müssen, um ein funktionierendes Business-Modell zu erreichen.