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Dankeschön-Ökonomie trifft Flatrate: Ein Spotify für Indies?

25 Okt 2013

Alternative Plattform-Modelle sind im Bereich E-Publishing mittlerweile Legion – von Verleih-Modellen à la Skoobe über Krautpublishing-Ansätze à la Unbound oder Krautreporter bis hin zu ambitionierten Projekten wie Log.Os, das sich als alternatives, offenes Betriebssystem für Literatur(vermarktung) versteht. Eins gibt’s bisher aber nicht: eine unabhängige Plattform speziell für Indie-Autoren, die zugleich auf das Prinzip Dankeschön-Ökonomie & Flatrate setzt. Vielleicht nicht ganz zufällig stammt die folgende Ideenskizze für eine Art „Spotify für E-Books“ vom ehemaligen Buchpiraten Spiegelbest. Das von ihm mitgegründete TorBoox experimentiert mittlerweile nicht nur mit einem kostenpflichtigen Flatrate-Modell, sondern auch mit Flattr-Buttons, um Autoren zu unterstützen. [Crossposting via spiegelbest.me]

Autoren entdecken zum Flatrate-Tarif

Ich stelle hiermit meine neue Idee zur Diskussion: Ich stelle mir die Gründung eines gemeinnützigen Vereins vor. [Ausdrücklich sei gesagt: Nicht Buchpiraten würden diesen Verein gründen und betreiben, sondern unbescholtene Bürger.] Die Aufgabe dieses Vereins wäre es, die Ausschüttung von Spenden an beteiligte Autoren zu organisieren. Die Verteilung der Spenden ist dabei an ein Bewertungssystem gebunden. Ausgeschüttet wird entsprechend dem Lesevergnügen – dokumentiert in Form von Sternen, welche die Autoren von den einzelnen Nutzern erhalten haben.

Jeder Nutzer zahlt eine monatliche Mindestspende ein – sagen wir mal € 5,00. Bei den Downloads gibt es kein Limit. Der Nutzer kann – wenn er möchte – seine Lektüre bewerten. Seine persönliche Spende wird am Monatsende auf die von ihm gelesenen Autoren verteilt. Hat er 50 Sterne verteilt, dann bekommt ein Autor, der 5 Sterne erhalten hat, € 0,50 von ihm. Hat er keine Sterne verteilt, wird die Spende an alle Autoren entsprechend der ihnen zugeteilten Sterne ausgeschüttet.

„Nur eine große Community kann das Material filtern“

Die Nutzer ‘entdecken’ also Autoren, denn die Vergabe der Sterne durch alle Nutzer ist ein System, die Qualität der Autoren – subjektiv, aber communityweit – zu beurteilen. Stellt euch eine Plattform von 5.000 Autoren vor – 50.000 Nutzern – dann seht ihr, dass ein einzelner Agent das Material niemals allein sichten könnte. Nur eine große Community kann das Material filtern. Die Leistung der Autoren wird also nicht nur individuell entlohnt, sondern auch in Beziehung gesetzt. Zwei Dinge also: Spende vom einzelnen Nutzer und Bewertung durch die Community.

[Selbstverständlich kann ein Nutzer € 5,00 für einen Monat einzahlen, alle Dateien herunterladen und verschwinden. Es sei ihm gegönnt. Dateien sind, wo immer sie sich befinden, schutzlos. Lasst uns das endlich akzeptieren und weiterdenken! Dieser Verein ist ein Spendenverein, der die Autoren entsprechend ihrer Leistung – dem Lesevergnügen der Leser – unterstützen will. Die Nutzer sind mithin Entdecker und Förderer von Autoren, keine Gratissauger mehr.]

Der Autor & sein Werk als „Unterforum“

Die Autoren laden nicht nur ihre Dateien hoch und geben sie zum Kommentar frei, sondern treten auf einer anderen Ebene mit den Nutzern in Kontakt. Stellt euch den einzelnen Autoren als ein Unterforum vor, mit Lebenslauf und Infos – oben angeheftet – darunter die verschiedenen, für alle sichtbaren Themen, die er und die Nutzer eröffnet haben. Der Autor kann sich – wenn er möchte – bekannt machen und Leser an sich binden. Zwei Dinge also: Der Autor stellt nicht nur seine Titel vor, sondern auch sich selbst.

Weiter sollen die erhobenen Daten interessierten Verlagen kostenfrei und umfassend zum Verfügung gestellt werden. Die Autoren stellen sich also nicht nur den Nutzern vor, sondern auch den Verlagen.

Zusätzliche Einnahmen können durch Werbung akquiriert werden: Die verschiedensten Dienstleister können Angebote machen, aber auch Anbieter von Lesegeräten, Agenten und Verlage. Alle Einnahmen sind am Monatsende an die Autoren entsprechend der ihnen zugeteilten Sterne auszuschütten.

Genreübergreifend, oder dezentrale Communities?

Vorstellbar ist ein solcher Verein genreübergreifend auf zentraler Ebene, aber auch dezentral und genrespezifisch. Eine große Community hat Vorteile, eine überschaubare, persönlich vernetzte Gruppe von Nutzern aber auch. Grundsätzlich sollte kein Verein die Dateien exklusiv bekommen. Je größer die Zahl der Spendenvereine, desto besser für die Autoren. Je vielfältiger ihr Auftritt, desto attraktiver sind sie für die Nutzer.

Schlussbemerkung: Dies ist ein Spotify für Indies, weil ich nur bei ihnen (preisungebunden, vertrags- und verlagsfrei) in der augenblicklich völlig festgefahrenen Situation eine Chance sehe, neue Ideen zu verwirklichen.

Als Idee aber ist es ein Spotify für Ebooks – zugänglich allen Autoren.


Abb.:
„Dinosaurier haben nie Trinkgelder gegeben – und schaut, was mit ihnen passiert ist“ Flickr/vasta (cc)