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Späte Schlauchgelüste: jugendgefährdende E-Books dürfen nur nach 22 Uhr verkauft werden

18 Jun 2015 3 Kommentare

schlauchgelueste-ebookEs gibt sie noch, die gute alte „Bückware“ – also gedruckte Bücher, die nur unter dem Ladentisch verkauft werden. Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ darf nämlich beispielsweise gewaltverherrlichende oder pornografische Bücher auf den Index setzen. Eine komplette Zensur findet nicht statt, doch der Verkauf an Minderjährige wird auf diese Weise unterbunden. Doch was ist mit E-Books? Die gelten in punkto Jugendschutz als „Telemedien“, ihr Vertrieb wird durch die Jugendmedienschutz-Staatsverträge der Bundesländer geregelt. Konkret heißt das: solche E-Books dürfen zwar überall online verkauft werden, aber nur zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens.

E-Books werden wie Kinofilme behandelt

„Die Vorschrift wurde eigentlich für Kinofilme gemacht, weil nur Erwachsene in dieser Zeit in die Kinos gehen“, zitiert das Börsenblatt den Börsenvereinsjustitiar Christian Sprang. Sie werde nun aber auch auf indizierte E-Books angewandt. Praktisch ändert sich bisher jedoch kaum etwas – denn die Online-Buchhändler wissen in der Regl überhaupt nicht, welche Titel in ihrem Katalog jugendgefährdend sein könnten oder sogar von den deutschen Jugendschützern indiziert wurden.

„Gespickt mit drastischen Beschreibungen“

Das kann aber in Deutschland schnell zu juristischen Problemen führen, wie aktuell im Fall von Jacob Winters Romans „Schlauchgelüste – Liebesbrief an eine verlorene Männlichkeit“. Der freie Verkauf dieser autobiografisch geprägten Trans-Gender-Geschichte (laut Klappentext „gespickt mit drastischen Beschreibungen, aber immer in einer gepflegt-ironischen Sprache“) war für die Bonner Jugendschützer offenbar zu viel des Guten – sie wurden in diesem Fall gegen einen Online-Buchhändler tätig, der den Titel feilbot.

Buchfilterung für die Generation Youporn

Um die effektive Zensur im Geiste des Jugendschutzes zukünftig reibungsloser zu gestalten, soll das Online-Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) zukünftig ein „Pflichtfeld“ enthalten, über das Verlage beim Eingeben der Metadaten jugendgefährdende E-Books kennzeichen können. Außerdem gibt es offenbar Überlegungen, indizierte E-Books auf den Websiten von Online-Buchhändlern unsichtbar zu machen – zumindest für Browser, die mit einer Jugenschutzsoftware erweitert wurden.

Abb.: Screenshot E-Book-Angebot „Schlauchgelüste“

3 Kommentare »

  • mygadgetblog.de schrieb:

    Wie süß, die Kids, die jeden x-beliebigen Porno aus dem Netz zu ziehen wissen sollen von „Schund- und Schmutzliteratur“ ferngehalten werden. Ja klar, weil auch nur einer von denen sich denkt „heute lese ich mal ein geiles Buch beim W*chsen“.

    Allein schon „heute lese ich“ ist abwegig genug… Genau so gut könnten wir Verbote für schlechtes Wetter aussprechen. Und die paar die tatsachlich lesen, tummeln sich vermutlich auf wattpad und ähnlichem herum und schreiben selbst die schlimmsten Schmutzromane.

    Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lachen. Alte Männer mit Kugelschreibern.

  • Jac. Kamermans schrieb:

    Ja. das ist ein Trauerspiel erster Sorte. Ich habe 2012 diesen Tatsachenroman SCHLAUCHGELÜSTE unter dem Pseudonym Jacob Winter geschrieben. Das eBook ist im Herbst 2013 dann wieder vom Markt genommen um es zu überarbeiten. Das Buch trägt jetzt den Titel ERREGUNGEN Champagner für die Transfrau und ist seit Juni 2014 auf dem Markt.

    Die Münchener BLM-Instanz will die Beschwerde über das eBook SCHLAUCHGELÜSTE nachgegangen sein im Herbst 2014 als es schon seit einem Jahr nicht mehr erhältlich war. Und somit auch nicht mehr elektronisch gekauft werden konnte. Wie kann dann die BLM erklären dass sie veranlasst hat, dass SCHLAUCHGELÜST beim Händler im Herbst 2014 entfernt wurde und wieso kommt sie erst jetzt Mitte Juni 2015 damit

    Da stimmt doch etwas nicht. Aber ich freue mich natürlich dass mein ehemaliges SCHLAUCHGELÜSTE jetzt urplötzlich so viel medialen Aufhebens erzeugt Und auf ERREGUNGEN überschlägt.

  • Johanna Kamermans schrieb:

    Hallo,

    es sei hier mochmals vermerkt, dass die Münchener BLM sich offensichtlich so aufgeregt hat wegen der angeblichen „drastischen Darstellungen“ (Klappentext)in SCHLAUCHGELÜSTE .Gut, die gibt es, aber sie handeln von solchen Analverkehr-Beschreibungen wie die damals in den „wilden“ 60er und 70er Jahre im Nachtleben absolut neu waren (und nicht nur von mir als Transgender-Tänzerin sondern auch von vielen (biologischen) Kolleginnen „bedient“ wurden). Vielleicht ist auch mein selbsterdachter Buchtitel SCHLAUCHGELÜSTE „Stein des Anstosses“ gewesen: Denn dieser ist ja nun ein klarer (euphemistischer) Hinweis auf Analverkehr….!

    Dass die BLM jetzt im „aufgeklärten“ Jahre 2015 einen solchen Aufstand veranstaltet mit Buch-Indexierung usw.. wirft ein bezeichnendes Licht auf die (ablehnende) Einstellung etlicher Bayerischer Behörden (hier also die BLM-Instanz in München)bezüglich der Homo-Ehe. Denn da gehören solche anale Sexualpraktiken ja nun wohl dazu.

    Hoffentlich geht die BLM jetzt nicht auch noch vor gegen mein nhaltlich nahezu identisches eBook ERREGUNGEN Champagner für die Transfrau , das seit Mitte 2014 im Handel ist

    Womit die BLM wohl nich gerechnet hatte, war das weltweite Echo auf ihr Vorgehen: Fast 2000 (meist hämische9 SCHLAUCHGELÜSTE-Suchresultate in Google in etwas mehr als 2 Wochen. Sogar in der BBC und in China wurde berichtet

    24.06.2015 – 这一法规的改变是针对德国电子书Schlauchgelüste(连裤袜的渴望)相关法律申诉的一部分行动。据这个博客透露,由于这本变性 .

    23.06.2015 – … 应用于电子书。这种对书商突如其来的打击其原因是一个变性人的回忆录,名为Schlauchgelüste(丝袜的渴望),这在书商的数据库中很容易获得。