Sonys WiFi-Reader im Test: Plaste & Elaste, fast ohne jede Taste

Sony hat der Reader Touch-Edition den direkten Draht ins Internet verpasst – der neue Sony PRS-T1 ist jetzt WiFi-fähig. Schade nur, dass der Sony Reader Store in Deutschland noch nicht seine Pforten geöffnet hat, das komfortable E-Book-Shoppen im integrierten E-Store muss somit leider vorerst entfallen. Ansonsten erwartet den Nutzer bewährte Sony-Qualität, vom kontraststarken Pearl-E-Ink-Display bis zum flinken Touch-Screen. Erfreulich klingt auch der Preis,mit 139 Euro ist das Gerät deutlich günstiger geworden. Gespart hat Sony allerdings beim Gehäuse – statt wertigem Aluminium hat man nun Hochglanz-Plastik in der Hand. Lieferbar ist das PRS-T1 in den Farben Schwarz, Weiß und Rot.

Leichter als das neue Kindle 4

Sonys Reader waren bisher zwar etwas überteuert, dafür aber technisch auf dem neuesten Stand. Kontraststarkes Pearl-E-Ink plus Infrarot-Touch-Screen, das konnte im Herbst 2010 die Konkurrenz noch nicht bieten. Fehlte eigentlich nur noch eine WLAN-Schnittstelle – der neue PRS-T1 alias Sony Reader WiFi hat sie nun. Ansonsten gibt’s gegenüber dem Vorgängermodell PRS-650 kaum Veränderungen. Mit einem Gewicht von 168 Gramm liegt der neue Sony Reader leicht über der vorherigen Version, aber immer noch haarscharf unter dem neuen Kindle 4. Unter dem Display findet man wie bisher neben Umblättertasten und Home-Button auch Menü- und Back-Button. An der Unterkante sind Resetknopf, Mikro-USB-Port, Kopfhörerbuchse und Einschaltknopf angeordnet. Auf der leicht gummierten Gehäuserückseite gibt es zudem einen kleinen gedeckelten Einschub für Mikro-SD-Karten. Geliefert wird der Sony PRS-T1 mit USB-Ladekabel sowie einem Eingabestift aus Plastik.

Miniatur-Cover auf dem Homescreen

Nach dem Einschalten gelangt man auf das Home-Screen, das sowohl Minatur-Cover des zuletzt gelesenen E-Books enthält sowie eine Auswahl von Titeln, die der Bibliothek neu hinzugefügt wurden. Weitere Buttons führen zur kompletten E-Bibliothek, zu Zeitungen & Zeitschriften, zum Reader-Store sowie zu thematischen Content-Listen („Sammlungen“). Ein eher unscheinbarer Pfeil am rechten unteren Rand führt zur zweiten Seite des Homescreens. Hier sind neben Browser, Wörterbuch oder Audiodateien auch die System-Einstellungen versteckt. Wird der Reader beim Lesen eines E-Books in den Schlafmodus versetzt, zeigt das Display als Screensaver nun übrigens statt zufällig ausgewählter Motive das aktuelle E-Book-Cover an. Beim Aufwecken des Lesegeräts gelangt man direkt auf die zuletzt aufgeschlagene Seite zurück.

Bedienung per Fingerwisch & Fingertipp

E-Books im epub wie auch PDF lassen sich mit dem PRS-T1 problemlos öffnen. Durch die Reflow-Funktion werden auch PDFs so umgebrochen, dass man sie bequem auf dem Display lesen kann. Zwei aktuelle Krimi-Titel sind auf dem Reader bereits vorinstalliert: Jo Nesbøs „Rotkehlchen“ sowie „Ballaststoff“ von Ella Danz. Umgeblättert wird bequem per Fingerwisch, alternativ kann man aber auch die Umblättertasten unterhalt des Displays nutzen. Statt vorher sechs stehen stehen nun ingesamt acht Schriftgrößen zur Auswahl, dazu gibt’s eine stufenlose Zoomfunktion im iPad-ähnlichen Zweifinger-Modus. Wählen kann man neuerdings auch zwischen verschiedenen Schriftfonts mit oder ohne Serifen. Auf einen G-Sensor hat Sony wieder einmal verzichtet, die Ausrichtung ändert man über die Menü-Taste unter dem Display. Besonders komfortabel ist die Wörterbuchfunktion – sobald man den Finger für ein paar Sekunden auf eine Textstelle legt, öffnet sich im unteren Bereich des Displays ein Fenster mit der passenden Worterklärung. Per Fingertipp lässt sich der komplette Wörterbucheintrag auf einer Extraseite aufrufen.

Komfortable Text-Funktionen

Auch das neue Sony-Modell ermöglicht die ausgiebige Textarbeit – so lassen sich nicht nur Notizen über die virtuelle Tastatur eingeben, sondern mit dem Eingabestift handschriftliche Anmerkungen oder Unterstreichungen direkt auf die Seite kritzeln. Mit an Bord ist zudem eine externe Handschrift-App, mit dem via Stylus Notizen oder Skizzen auf dem Touch-Screen gelingen. Wer Musikdateien oder Hörbücher abspielen möchte, wird ebenfalls bedient, sollte aber bedenken, dass der Audioplayer die Akkuleistung schmälert. Die reine Lesedauer bei ausgeschaltetem WLAN soll nach Angaben von Sony mehr als 100 Stunden betragen, was normalerweise für zwei bis vier Wochen Lektüre reichen dürfte. Überraschend gut funktioniert der integrierte Web-Browser – denn Webseiten können stufenlos mit der von Tablets gewohnten Zweifinger-Geste gezoomt werden. Störend macht sich jedoch bei jeder Änderung des Bildschirminhalts der flackernde Screen-Refresh bemerkbar.

“Zukünftig drahtlos und unkompliziert“

DRM-freie E-Books lassen sich via Web-Browser direkt bei Portalen wie Feedbooks oder Project Gutenberg herunterladen, die Dateien landen binnen weniger Sekunden in der E-Bibliothek des Readers. Da von Deutschland aus weder der Sony Reader Store noch Google Books zugänglich sind, muss man aktuelle Titel aber auch weiterhin auf dem Desktop-PC shoppen und dann via USB auf das Lesegerät übertragen. Zuvor ist außerdem die spezielle Sony Reader App zu installieren, denn der PRS-T1 ist nicht mit Adobe Digital Editions kompatibel. Sony selbst fasst die augenblickliche Situation in einer offiziellen Download-Anleitung so zusammen: „Zukünftig wird es möglich sein, E-Books drahtlos und unkompliziert aus einem E-Book Shop direkt auf den Reader zu übertragen“.

Sonys Vorsprung bei E-Readern ist Vergangenheit

Insgesamt kann Sonys neuer Reader (noch) nicht ganz so überzeugen wie das Vorgängermodell. Denn ohne funktionsfähigen E-Store sind 139 Euro doch recht viel Geld, bedenkt man dass es etwa das Kindle oder den Oyo bereits für 99 bzw. 119 Euro gibt. Nicht ganz nachvollziehen kann man auch den Verzicht auf das Aluminiumgehäuse. Die spiegelnde Plastikhülle macht keinen besonders wertigen Eindruck, außerdem verschmutzt sie viel zu schnell. Ähnliches gilt für den mitgelieferten Plastik-Stylus. Bisher wurde der Eingabestift für Sony-Reader aus Metall gefertigt und ließ sich in die Gehäusekante stecken – jetzt soll man ihn sich mit dem Plastik-Clip am Stifteende offenbar in die Hemdtasche stecken. Der äußere Eindruck von Plaste und Elaste ist umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass im Inneren dieselbe Sony-Qualität steckt wie bisher. Als Gesamtkunstwerk, so drängt es sich auf, ist der PRS-T1 nicht mehr ganz so gelungen wie seine Vorgänger. Bei E-Readern zielt der japanische Unterhaltungsriese nun offenbar stärker auf den Massenmarkt, und geht darum Kompromisse ein. Zum Glück aber nur beim Äußeren – die grafische Benutzeroberfläche kann mit der von anderen Touch-Screen-Readern Oyo oder Kobo-Reader locker mithalten.

Sony Reader WiFi (PRS-T1) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen, 600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

168 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Interner Speicher

2 Gigabyte, benutzbar: 1,4 Gigabyte

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Preis

139 Euro


Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

5 Gedanken zu „Sonys WiFi-Reader im Test: Plaste & Elaste, fast ohne jede Taste“

  1. Ich hatte das von David Gitarre beschriebene Problem ebenfalls. Mittlerweile hat sich das scheinbar erledigt (nach Firmware-updates).

    Der USB-Anschluss ist nicht irgendeiner, sondern ebenfalls ein Standard (Micro B), findet sich z.B. bei zahlreichen Mobiltelefonen.

    Das Die SD Card Strom zieht, habe ich gelesen, dies aber noch nicht beim praktischen Betrieb bemerkt. Vielleicht reicht ja bei mir das wöchentliche Herunterladen von Zeitungen aus, nebenbei den Akku zu füllen, vielleicht habe ich auch nir eine „sparsame“ SD Card erwischt. Ich empfehle übrigens Class 10 Karten, das Laden (und spätere Indizieren) geht da sehr flott.

    Was komisch ist, ich habe bei 2 Büchern eine Diskrepanz zwischen Buch und cover (betrifft nur Bücher auf der SD Card). Habe allerdings noch nicht herausgefunden, woran das liegt, am Reader oder an Calibre.

  2. Was mich persönlich am neuen Sony stört und was mich auch dazu bringen wird den aktuellen Kindle mal zu testen ist die in meinen Augen sehr unzuverlässige Software. Sowohl auf meinem Reader (öfters – aber auch häufiger genutzt) als auch auf dem Reader meiner Freundin (seltener) treten regelmäßig zwei Arten von Fehlern auf. Beim ersten Fehler passiert nicht viel, es erscheint eine Fehlermeldung und das Buch wird geschlossen. Wenn man es danach wieder öffnet befindet ,an sich an einer anderen Stelle und muss erst wieder suchen. Dauert normalerweise keine 30 Sekunden und ist eigentlich zu verschmerzen.
    Richtig nervig und mit 3-5 Minuten Aufwand auch zeitlich sehr störend ist der schon angesprochene „Touchscreen-Hänger“ der sich bei uns noch anders äußert nämlich das der Reader sich an einem Befehl (bei mir bisher immer der Wisch zum Seite wechseln) verschluckt und diesen immer wieder nacheinander ausführt bis man eine Taste drückt. Danach läuft dann der Touchscreen nicht mehr und der Reader lässt sich somit auch nicht mehr ausschalten und macht einen kompletten Reset. Zum wieder hochfahren braucht er dann so zwischen 2-4 Minuten wohl abhängig von der Anzahl der Bücher (ich habe ca. 80 – brauche sicher 3 Minuten, meine Freundin hat ca. 10-15 und da geht es in 1-2 Minuten vorbei). Der erste Fehler tritt bei mir ca. alle 200 Seiten auf, der zweite etwas seltener. Dadurch wird das für mich positive Allgemeinbild stark geschmälert.
    Was mich noch ein bisschen ärgert ist das Sony statt wie beim 505, Standard USB Mini-B 5-polig – Anschlüsse, beim t1 wieder irgendeinen speziellen Anschluss verwendet hat was mich in meinem Kabelsalat doch ein bisschen stört.
    Nachteilig ist auch der Stromverbrauch mit SD Karte. Hatte ohne sie zu nutzen eine drinnen und der Akku ging gefühlt deutlich schneller leer. Hab sie dann raus genommen und es nicht genauer beobachtet. Genauso schnell wird der Akku leer wenn man W-Lan laufen lässt, aber das sollte ja klar sein.

  3. Der Sony beherrscht auch PDF wirklich – mit echtem Reflow – da hinkt Kindle bös nach!

  4. „Da von Deutschland aus weder der Sony Reader Store noch Google Books zugänglich sind, muss man aktuelle Titel aber auch weiterhin auf dem Desktop-PC shoppen und dann via USB auf das Lesegerät übertragen.“

    Diese Aussage ist nicht richtig – über den integrierten Browser kann man Bücher (auch mit DRM-Schutz) direkt auf den Reader laden, z.B. auch kostenlos aus Online-Bibliotheken.

    Komischerweise funktioniert das tw. sogar besser als über den Desktop-PC, da die DRM-Probleme, die Sony mit manchen Anbietern (z.B. CIANDO) hat, entfallen, wenn man die eBooks direkt über WLAN auf den Reader lädt.

    Zum selber Ausprobieren einfach eine Online-Bibliothek (Österreich z.B.: AK-Bibliothek digital http://ak.ciando.com) besuchen.

  5. ich kann nicht verstehen, wie man einen Kindle als Vergleich mit einbeziehen kann. Der Kindle weigert sind standhaft, das Quasi-Standard-Format ePub zu akzeptieren was an und für sich schon ein Ausscheidungskriterium ist, noch dazu muss man alle Dokumente an Amazon schicken um sie ins Kindle-Format konvertieren zu lassen.
    Wie abhängig will man sich noch von einem Großkonzern machen?
    Außerdem bieten beinahe alle Büchereien (Stichwort onleihe) Ihre ebooks im ePub Format an – also scheitert der Kindle auch beim Ausleihen von Büchern.

    Natürlich waren außerdem die alten Sony wertiger (ich bin Besitzer eines Sony PRS-505, eines Pocketbook 360° und eines Sony-PRS-T1), aber für Vielleser ist der Weg weg von Wertigkeit, hin in Richtung Gewicht auf jeden Fall ein begrüßenswerter!
    Außerdem ist der neue Sony wirklich nicht schlecht verarbeitet – im Gegenteil!

    Einzig und alle die Softwareprobleme, der Stylus und die Preise der Covers geben Grund zu klagen.

    Ich bin ebook-Leser und Macher seit mehr als 10 Jahren und zum Sony PRS-T1 gibt’s derzeit leider keine wirkliche Alternative!

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