Home » E-Book-Reader, Testberichte

Sonys WiFi-Reader im Test: Plaste & Elaste, fast ohne jede Taste

23 Nov 2011

Sony hat der Reader Touch-Edition den direkten Draht ins Internet verpasst – der neue Sony PRS-T1 ist jetzt WiFi-fähig. Schade nur, dass der Sony Reader Store in Deutschland noch nicht seine Pforten geöffnet hat, das komfortable E-Book-Shoppen im integrierten E-Store muss somit leider vorerst entfallen. Ansonsten erwartet den Nutzer bewährte Sony-Qualität, vom kontraststarken Pearl-E-Ink-Display bis zum flinken Touch-Screen. Erfreulich klingt auch der Preis,mit 139 Euro ist das Gerät deutlich günstiger geworden. Gespart hat Sony allerdings beim Gehäuse – statt wertigem Aluminium hat man nun Hochglanz-Plastik in der Hand. Lieferbar ist das PRS-T1 in den Farben Schwarz, Weiß und Rot.

Leichter als das neue Kindle 4

Sonys Reader waren bisher zwar etwas überteuert, dafür aber technisch auf dem neuesten Stand. Kontraststarkes Pearl-E-Ink plus Infrarot-Touch-Screen, das konnte im Herbst 2010 die Konkurrenz noch nicht bieten. Fehlte eigentlich nur noch eine WLAN-Schnittstelle – der neue PRS-T1 alias Sony Reader WiFi hat sie nun. Ansonsten gibt’s gegenüber dem Vorgängermodell PRS-650 kaum Veränderungen. Mit einem Gewicht von 168 Gramm liegt der neue Sony Reader leicht über der vorherigen Version, aber immer noch haarscharf unter dem neuen Kindle 4. Unter dem Display findet man wie bisher neben Umblättertasten und Home-Button auch Menü- und Back-Button. An der Unterkante sind Resetknopf, Mikro-USB-Port, Kopfhörerbuchse und Einschaltknopf angeordnet. Auf der leicht gummierten Gehäuserückseite gibt es zudem einen kleinen gedeckelten Einschub für Mikro-SD-Karten. Geliefert wird der Sony PRS-T1 mit USB-Ladekabel sowie einem Eingabestift aus Plastik.

Miniatur-Cover auf dem Homescreen

Nach dem Einschalten gelangt man auf das Home-Screen, das sowohl Minatur-Cover des zuletzt gelesenen E-Books enthält sowie eine Auswahl von Titeln, die der Bibliothek neu hinzugefügt wurden. Weitere Buttons führen zur kompletten E-Bibliothek, zu Zeitungen & Zeitschriften, zum Reader-Store sowie zu thematischen Content-Listen („Sammlungen“). Ein eher unscheinbarer Pfeil am rechten unteren Rand führt zur zweiten Seite des Homescreens. Hier sind neben Browser, Wörterbuch oder Audiodateien auch die System-Einstellungen versteckt. Wird der Reader beim Lesen eines E-Books in den Schlafmodus versetzt, zeigt das Display als Screensaver nun übrigens statt zufällig ausgewählter Motive das aktuelle E-Book-Cover an. Beim Aufwecken des Lesegeräts gelangt man direkt auf die zuletzt aufgeschlagene Seite zurück.

Bedienung per Fingerwisch & Fingertipp

E-Books im epub wie auch PDF lassen sich mit dem PRS-T1 problemlos öffnen. Durch die Reflow-Funktion werden auch PDFs so umgebrochen, dass man sie bequem auf dem Display lesen kann. Zwei aktuelle Krimi-Titel sind auf dem Reader bereits vorinstalliert: Jo Nesbøs „Rotkehlchen“ sowie „Ballaststoff“ von Ella Danz. Umgeblättert wird bequem per Fingerwisch, alternativ kann man aber auch die Umblättertasten unterhalt des Displays nutzen. Statt vorher sechs stehen stehen nun ingesamt acht Schriftgrößen zur Auswahl, dazu gibt’s eine stufenlose Zoomfunktion im iPad-ähnlichen Zweifinger-Modus. Wählen kann man neuerdings auch zwischen verschiedenen Schriftfonts mit oder ohne Serifen. Auf einen G-Sensor hat Sony wieder einmal verzichtet, die Ausrichtung ändert man über die Menü-Taste unter dem Display. Besonders komfortabel ist die Wörterbuchfunktion – sobald man den Finger für ein paar Sekunden auf eine Textstelle legt, öffnet sich im unteren Bereich des Displays ein Fenster mit der passenden Worterklärung. Per Fingertipp lässt sich der komplette Wörterbucheintrag auf einer Extraseite aufrufen.

Komfortable Text-Funktionen

Auch das neue Sony-Modell ermöglicht die ausgiebige Textarbeit – so lassen sich nicht nur Notizen über die virtuelle Tastatur eingeben, sondern mit dem Eingabestift handschriftliche Anmerkungen oder Unterstreichungen direkt auf die Seite kritzeln. Mit an Bord ist zudem eine externe Handschrift-App, mit dem via Stylus Notizen oder Skizzen auf dem Touch-Screen gelingen. Wer Musikdateien oder Hörbücher abspielen möchte, wird ebenfalls bedient, sollte aber bedenken, dass der Audioplayer die Akkuleistung schmälert. Die reine Lesedauer bei ausgeschaltetem WLAN soll nach Angaben von Sony mehr als 100 Stunden betragen, was normalerweise für zwei bis vier Wochen Lektüre reichen dürfte. Überraschend gut funktioniert der integrierte Web-Browser – denn Webseiten können stufenlos mit der von Tablets gewohnten Zweifinger-Geste gezoomt werden. Störend macht sich jedoch bei jeder Änderung des Bildschirminhalts der flackernde Screen-Refresh bemerkbar.

“Zukünftig drahtlos und unkompliziert“

DRM-freie E-Books lassen sich via Web-Browser direkt bei Portalen wie Feedbooks oder Project Gutenberg herunterladen, die Dateien landen binnen weniger Sekunden in der E-Bibliothek des Readers. Da von Deutschland aus weder der Sony Reader Store noch Google Books zugänglich sind, muss man aktuelle Titel aber auch weiterhin auf dem Desktop-PC shoppen und dann via USB auf das Lesegerät übertragen. Zuvor ist außerdem die spezielle Sony Reader App zu installieren, denn der PRS-T1 ist nicht mit Adobe Digital Editions kompatibel. Sony selbst fasst die augenblickliche Situation in einer offiziellen Download-Anleitung so zusammen: „Zukünftig wird es möglich sein, E-Books drahtlos und unkompliziert aus einem E-Book Shop direkt auf den Reader zu übertragen“.

Sonys Vorsprung bei E-Readern ist Vergangenheit

Insgesamt kann Sonys neuer Reader (noch) nicht ganz so überzeugen wie das Vorgängermodell. Denn ohne funktionsfähigen E-Store sind 139 Euro doch recht viel Geld, bedenkt man dass es etwa das Kindle oder den Oyo bereits für 99 bzw. 119 Euro gibt. Nicht ganz nachvollziehen kann man auch den Verzicht auf das Aluminiumgehäuse. Die spiegelnde Plastikhülle macht keinen besonders wertigen Eindruck, außerdem verschmutzt sie viel zu schnell. Ähnliches gilt für den mitgelieferten Plastik-Stylus. Bisher wurde der Eingabestift für Sony-Reader aus Metall gefertigt und ließ sich in die Gehäusekante stecken – jetzt soll man ihn sich mit dem Plastik-Clip am Stifteende offenbar in die Hemdtasche stecken. Der äußere Eindruck von Plaste und Elaste ist umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass im Inneren dieselbe Sony-Qualität steckt wie bisher. Als Gesamtkunstwerk, so drängt es sich auf, ist der PRS-T1 nicht mehr ganz so gelungen wie seine Vorgänger. Bei E-Readern zielt der japanische Unterhaltungsriese nun offenbar stärker auf den Massenmarkt, und geht darum Kompromisse ein. Zum Glück aber nur beim Äußeren – die grafische Benutzeroberfläche kann mit der von anderen Touch-Screen-Readern Oyo oder Kobo-Reader locker mithalten.

Sony Reader WiFi (PRS-T1) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen, 600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

168 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Interner Speicher

2 Gigabyte, benutzbar: 1,4 Gigabyte

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Preis

139 Euro