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Sony kapituliert: Deutscher Reader Store schliesst, Kobo übernimmt

8 Mai 2014 0 Kommentare

Spät gestartet, früh gescheitert: Nach nicht einmal zwei Jahren schließt Sonys deutscher Reader-Store die Pforten – und setzt die Leser mitsamt ihren Büchern vor die Tür. Ähnlich wie beim jähen Ende des Telekom-Stores „PagePlace“ (nach nur 12 Monaten) bietet man den Kunden aber auch in diesem Fall ein komfortables Exil an: ab Mitte Juni werden die Kundenaccounts inklusive der in der Cloud gespeicherten E-Books nämlich an Sonys Kooperationspartner Kobo übertragen. Man kann zwar auch widersprechen, dann jedoch sind die WiFi-Reader PRS-T1 bis PRS-T3 ab Juni nur noch reine Offline-Geräte. Denn via automatischem Update erhalten wechselwillige Kunden im Sommer eine neue Firmware aufgespielt – inklusive Kobo-Store. Grundsätzlich empfiehlt Sony aber allen Nutzern, ihre E-Books bis zum Stichtag 16. Juni erstmal alle E-Books auf den Reader bzw. Desktop (Reader-App für PC/MAC) zu übertragen (siehe auch die offiziellen „Reader Store schliesst – FAQ“).

Reader Store in USA schon seit März dicht

Völlig überraschend kommt das Aus für den Reader Store nicht – denn die nordamerikanische Filiale hatte bereits im Februar das Handtuch geworfen, seit März sind die dortigen Sony-Kunden dort bereits zu Kobo-Kunden mutiert. In Deutschland dürfte Sonys Rückzug aber deutlich mehr Fragen aufwerfen als in den USA und Kanada, denn hierzulande kooperiert Sony über den Barsortimenter Libri mit zahlreichen Buchhändlern. Bisher bietet die Benutzeroberfläche der dort verkauften Lesegeräte gleichzeitig den Zugang zum Reader Store und zu den E-Stores lokaler Händler (ebook.de & Partnershops). Wie die Buchhändler reagieren werden, wenn nach dem Firmware-Update im Juni nun auf dem Homescreen der Kobo-Store erscheint, ist noch unklar.

E-Reader-Business auch vor dem Aus?

Viele dürften zukünftig auf unabhängige Drittanbieter wie Pocketbook setzen, die Buchhändlern eine exklusive E-Store-Integration ermöglichen. Welche Ziele Sony überhaupt im E-Reading-Geschäft verfolgt, weiß ohnehin niemand so genau. Auch bei den Readern fährt das Unternehmen ja einen sehr eigenwilligen Kurs und setzt vor allem auf gute Verarbeitung und edles Design, weniger auf aktuelle Features. So hat es einige Zeit gedauert, bis Sony WLAN-fähige Reader anbot, auf den Einstieg in die Glimmerlicht-Liga hat man bisher komplett verzichtet und bietet stattdessen als Workaround eine ins Reader-Cover integrierte externe Leselampe an. Ob es überhaupt noch ein Nachfolgegerät des PRS-T3 geben wird? Gut möglich, dass zehn Jahre nach dem weltweit ersten E-Ink-Reader made by Sony für das Unternehmen nun das E-Reading-Zeitalter insgesamt zu Ende geht.

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