Segeln zwischen Shit- & Candy-Storm: Social Media pusht mobile News-Angebote

social-media-treibt-news-portaleWer nach all dem Print-Geschwächel endlich mal wieder Media-Rankings mit überwiegend positiven Zahlen sehen möchte, muss wie Kafkas Maus lediglich die Perspektive wechseln: in den IVW- Zahlen für digitale „Nachrichtenangebote“ gibt’s regelmäßig eine Menge Dynamik nach oben zu entdecken, zumindest im Mobile-Bereich. Nicht nur bei reinen Netzaufsteigern wie der Huffington Post, sondern genauso an der traditionell besetzten Spitze, zu der inbesondere SPOL, Focus, WELT, Zeit online und faz.net gehören.

Bild, SPOL und Focus an der Spitze

Kein Wunder, denn auch hier gilt in punkto elektronisches (Zeitungs-)Lesen immer öfter: Smartphone über alles. Um in die mobile Top 20 zu kommen, reichten auf dem deutschen Markt im Oktober 3 Millionen Visits pro Monat aus, wer ganz vorne in den Top 3 stehen möchte, braucht aber mehr als 70 Millionen Visits, das schaffen nur Bild, SPOL und Focus Online. Wobei die Details Überraschungen bergen: Bild steht zwar mit 129 Mio. Visits derzeit noch an Platz eins, stagniert aber (plus 0,2 Prozent), bei Online & Mobile kombiniert gibt’s sogar ein Minus von fast einem Prozent. Zu den großen Gewinnern gehört dagegen die Welt auf Platz Fünf mit plus 19 Prozent.

Tendenz-Medien sammeln Social Media Likes

Die Verluste bei Bild wiederum hängen wohl nicht nur mit rigiden Anti-Adblocker-Aktionen zusammen, bei den Social-Media-Likes hat Springers Flaggschiff dem 10000 flies-Ranking zufolge nämlich zweistellige Verluste einfahren müssen und erreicht nur noch Platz Zwei, während die Welt zweistellige Zuwächse verzeichnet. Ohnehin müssen sich die klassischen Nachrichtenmedien dieses thematisch offene Ranking aber schon im Top 20-Bereich mit gänzlich anders gelagerten Seiten teilen, von heftig.co bis zum Postillon und leider ernst gemeinten Tendenz-Medien wie Epoch Times oder Kronen Zeitung, denen die Flüchtlings-Krise genauso wie Welt, Focus & Co. kräftig Aufwind beschert.

… und was macht eigentlich die taz?

Aus nicht ganz uneigennützigem Interesse schaue ich auch immer ganz genau hin, wo sich die taz befindet. Nun denn, im Oktober bei 10000 flies immerhin auf dem sportlichen Platz 34, direkt vor dem Berliner Boulevardblatt B.Z. und direkt nach ran, mit knapp über 300.000 Likes (plus 36 Prozent im Vergleich zum Vormonat) erreicht die alternative Tageszeitung zehn Prozent vom derzeitigen Herrn der Fliegen, nämlich Focus Online. Wird hier die klare Refugees-Welcome-Positionierung sichtbar? Gute Frage. Im kombinierten Online- und Mobile-Ranking von IVW reicht’s bei der taz nur für Nullwachstum auf Platz 32.

(via meedia & 10000flies)

Abb.: mkhmarketing (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".