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Mehr als eine Handvoll Dollar: So viel kostet die Produktion eines Amazon Kindle

27 Apr 2009

Karten auf den Tisch: Amazon verdient mit dem E-BookReader Kindle pro Gerät etwa 170 Dollar. Die Rechnung ist einfach. Der Herstellungspreis des Kindle liegt bei ca. 185 Dollar, der Verkaufspreis des E-Book-Readers bei 360 Dollar. Publik gemacht hat die Kalkulation iSuppli, ein Dienstleister, der sich auf „Teardown Reports“ spezialisiert hat. Teure Gadgets werden auseinandergeschraubt, die Einzelteile inspiziert und deren Preis berechnet. So soll Transparenz für Mitbewerber hergestellt werden. Teuerstes Einzelteil des Kindle ist das E-Ink-Display. Es schlägt mit 60 Dollar zu Buche. Gleich nach dem Display des Kindle kommt die W-LAN-Karte: auch das Bauteil für die drahtlose Verbindung mit dem Amazon-Shop ist vergleichsweise teuer, knapp 40 Dollar werden dafür berappt. Amazon beeilte sich übrigens, die Zahlen von iSuppli zu dementieren: der Herstellungspreis sei weitaus höher. Tatsächlich sind Arbeitslohn, Marketing- und Vertriebskosten bei der Schätzung von iSuppli nicht mit eingerechnet, insgesamt dürfte der Gesamtpreis also zumindest etwas über 185 Dollar liegen, allerdings nur ein paar Prozent. Insgesamt hat Amazon vom neuen Kindle nach eigenen Angaben bereits 300.000 Stück verkauft, das wären dann grob gerechnet mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz.

Die große Handelsspanne beim Kindle könnte Amazon erhebliche Preisnachlässe ermöglichen

Beim Silicon Alley Insider erwartet man angesichts der großen Differenz zwischen Herstellungs- und Verkaufspreis beim Kindle deutliche Preissenkungen noch in diesem Jahr. Möglich mache dies eine spezielle Kalkulationsbasis: „While Apple runs its app store near break-even to sell more iPhones and iPod touches, Amazon’s long-term profits are going to come from e-book sales.“ Die reinen Herstellungskosten der Geräte unterscheiden sich dagegen kaum: Steve Jobs muss an seine Lieferanten nämlich für das iPhone 3G pro Gerät 173 Dollar zahlen, nur eine Handvoll Dollar weniger als die Konkurrenz für das Kindle.

Der Spielraum für die Preisgestaltung beim Sony Reader PRS 505 dürfte kleiner sein als bei Amazons Kindle

Eine vergleichbare Kalkulation wie für das Kindle dürfte übrigens auch für den E-Book-Reader von Sony gelten. Der Sony PRS-505 wird schließlich mit einem identischen E-Ink-Display ausgeliefert. Ob Sony aber ähnlich weit mit dem Preis (derzeit: 299 Euro) heruntergehen könnte wie Amazon, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Das Business-Modell funktioniert anders: der PRS 505-Reader lässt sich nicht nur über den Sony E-Book Store mit Content bestücken, sondern auch von anderen Portalen, in Deutschland gibt es etwa eine Kooperation mit Thalia. Zugleich ist der Reader anders als der Kindle geeignet für E-Books im freien epub-Format. Dank einer Kooperation mit Google Books können die PRS 505-Benutzer in diesem Format auch rund 600.000 Bücher lizenzfreie Bücher lesen. Diesen „Mehrwert“ werden Sony-Kunden wohl auch weiterhin über hohe Gerätepreise finanzieren müssen. Schade, dass nicht endlich mal andere Geschäftsmodelle ausprobiert werden, wie sie etwa bei Handys längst üblich sind. Wahrscheinlich muss man den E-Book-Readern wohl erst eine Telefonier-Funktion spendieren…