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Smartphone über alles: bald größerer C02-Fußabdruck als Desktops, Laptops und Displays zusammen

3 Apr 2018

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausSo, so, du hast ein E-Book auf dein nagelneues iPhone mit 5,8 Zoll-Display geladen, und meinst, das sei umweltfreundlich, weil keine Bäume dafür sterben mussten? Und hast zum Beleg dafür auf diversen Servern kreuz und quer über alle Welt verteilt ein paar Infos zu diesem Thema zusammengegoogelt? Hmmmm… Leider gibt es da ein paar schlechte Nachrichten. Denn wie zuletzt eine Studie der kanadischen McMaster-Universität zeigte („Assessing ICT global emissions footprint: Trends to 2040 & recommendations“), sind gerade Smartphones und mobile Apps dafür verantwortlich, dass der CO2-Fussabdruck der IT-Industrie sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht hat. Bis 2040 wird er sich nochmal vervierfachen. In konkreten Zahlen: 2007 lag der Anteil der „Informations- und Kommunikations-Industrie“ noch bei ein Prozent am globalen CO2-Ausstoß, derzeit liegt er bei knapp drei Prozent, in den nächsten zwei Jahrzehnten droht der Anteil auf 14 Prozent zu steigen.

Herstellung für CO2-Bilanz entscheidend

Mit dem Energieverbrauch der Smartphones selbst bei laufendem Betrieb hat das allerdings wenig zu tun, das Problem sind die hohen Aufwendungen zur Herstellung — etwa das Schürfen und Verhütten der seltenen Erden für die Elektronik — wie auch die im Hintergrund ständig ratternden Serverparks, um all die datenhungrigen Apps ständig up to date zu halten und User-Anfragen zu bearbeiten. Von E-Book-Bibliotheken in der Cloud mal ganz abgesehen. Bis zu 45 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks der IT-Branche werden bis 2020 alleine durch den Betrieb von Datenleitungen und Serverparks entstehen, schätzen die Autoren der McMaster-Studie.

Recycling-Quote „unter 1 Prozent“

Wird dann durchschnittlich alle zwei Jahre auch gleich noch das „alte“ Smartphone durch ein neues (ggf. noch mit größerem Display und noch mehr Elektronik) ersetzt, beginnt der Teufelskreis von neuem, außerdem entstehen natürlich noch weitere Probleme durch das Recycling bzw. Nicht-Recycling der gebrauchten Geräte — die Wiederverwertungsqote liegt nach Schätzungen der McMaster-Studie bei weniger als ein Prozent (!).

Letzlich sind die Zahlen insgesamt auch ein Beleg für den raschen Wandel der Informationsgesellschaft: in nur zehn Jahren hat das Smartphone den klassischen Büromaschinen-„Fuhrpark“kräftig durcheinandergewirbelt — dementsprechend wird der CO2-Fußabdruck des Smartphone in Kürze größer sein als der von Desktops, Laptops und Displays zusammen.

(via FastCoDesign.com)

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)