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Lucy Luders Erbinnen: Smartphone laut BITKOM beliebtestes Lesegerät – vor allem bei Frauen

20 Mrz 2014

„E-Book-Nutzer setzen auf Smartphones“, titelte BITKOM im Vorfeld der Leipziger Buchmesse. Tatsächlich soll bereits jeder siebte Leser in Deutschland täglich auf dem Smartphone schmökern, bei den 14- bis 29jährigen ist es bereits jeder fünfte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung, die der Hightech-Branchenverband zusammen mit dem AKEP (Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein) durchführen ließ. Nimmt man nur die E-Book-Leser, sind Smartphones ganz vorn: 60 Prozent lesen auf dem Mini-Display, das Laptop dagegen nutzen 57 Prozent, Desktops nur jeder Dritte. Tablets und E-Reader scheinen mit 29 bzw. 25 Prozent weit abgehängt. Von „überraschenden Ergebnissen“ schreibt AKEP-Sprecher Steffen Meier im Buchreport-Blog, denn dass sich Smartphones zum „Lesegerät der Zukunft“ mausern, hätten die meisten Verlage nicht im Fokus.

Letzteres kann kaum überraschen, doch kommen die Zahlen selbst wirklich aus heiterem Himmel? Ich denke nicht, denn wer regelmäßig die BITKOM-Daten studiert, wusste eigentlich schon längst: Smartphones sind die am weitesten verbreitete mobile Plattform – alleine im Jahr 2013 wurden hierzulande 26 Millionen iPhones, Androiden und sonstige Geräte verkauft. Nimmt man noch die 22 Millionen abgesetzten Smartphones aus 2012 hinzu, ist rein rechnerisch schon die gesamte Kernbevölkerung mit solchen Ad-hoc-Lesegeräten ausgestattet. Dagegen gingen im letzten Jahr „nur“ 8 Millionen Tablets und nicht einmal eine Million klassischer E-Ink-Reader über den Ladentisch.

Überhaupt hat ja das Mobiltelefon die ersten echten E-Book-Hypes ausgelöst, siehe den Erfolg der „Keitei“-Literatur in Japan zu Beginn der Nuller Jahre bzw. den kurz darauf einsetzenden Boom der Handy-Romane in Deutschland. Heldinnen wie Oliver Bendels studentische Detektivin „Lucy Luder“ kamen schon um das Jahr 2007 auf die Displays der Tastentelefone. Vergessen darf man auch nicht: der Über-Reader namens Kindle war ursprünglich eine hybride Mischung aus PDA und Blackberry, denn Amazon-Chef Jeff Bezos verpasste dem Gerät gleich in der ersten Generation eine Mobilfunkkarte. E-Literatur bekam schon damals den „Alway-Online“-Status. Was natürlich auch den Einkauf von neuem Lesestoff besonders komfortabel machte – und Vorbild war für das Tablet als Allround-Shopping-Plattform.

Vorangetrieben wurde schon der Handyroman-Boom durch Leserinnen. Auch bei der mobilen Lektüre auf dem Touchscreen sind sie nun ganz vorne: Frauen lesen E-Books auf dem Smartphone laut BITKOM fast doppelt so häufig wie Männer (16 Prozent statt 9 Prozent). Bei der Beliebtheit der Genres steht Belletristik ganz oben, vielleicht nicht ganz zufällig gefolgt von speziell für das Mini-Display aufbereiteten Reiseführern – die man ja auch noch on the Go schnell auf das Smartphone laden kann, wenn man schon im Zug oder Flughafen-Lounge sitzt. Für Steffen Meier ein klarer Hinweis auf den wachsenden Stellenwert der Plattform Mobiltelefon für die Verlagswelt: „Wenn E-Books die Vorteile der Lesegeräte nutzen und keine reinen Print-Digitalisate sind, findet sich auch ein Markt. Zudem können hier auch kürzere Reportagen, Fan-Fiction etc. ohne großes finanzielles Risiko ihr Publikum finden.“

Abb.: Flickr/Ayanami_No03 (cc)