„Slice and Remix“: E-Books werden jetzt zerteilt und neu gemischt

Geschnitten oder am Stück? Diese Frage macht manchmal auch bei E-Books Sinn. Denn immer mehr Verlage und auch Online-Portale entdecken das Potential des kapitelweisen Verkaufs. Noch mehr Möglichkeiten bietet nun das Slicebooks-Konzept von eBookPie. Über ein spezielles Web-Interface sollen Verlage ihren Content nicht nur in einzelne Abschnitte zerteilen, sondern auch Elemente unterschiedlicher Titel neu zusammenstellen können. Der scheibchenweise bzw. gebündelte Verkauf kann dann entweder im E-Store von eBookPie stattfinden oder auf den üblichen Online-Vertriebswegen. Vorgestellt wurde das Konzept letzte Woche auch auf der Frankfurter Buchmesse, momentan sucht eBookPie nach Beta-Testern.

Vorteile für Leser, Autoren und Verlage

„Wie bei Musikalben haben Leser oft auch bei Büchern lediglich Bedarf nach Teilen des Inhalts und bemühen dafür etliche Suchmaschinen“, so eBookPie-Chefin Jill Tomich. Im Blick hat sie dabei etwa Lehrer, die das Unterrichtsmaterial passend zum Lehrplan zusammenstellen wollen, Globetrotter, die auf die Reiseroute angepasste Travel-Guides brauchen, oder etwa Programmierer, die nur einen ganz bestimmten Ausschnitt eines Handbuchs brauchen. Mit dem „Slice and Remix“-Konzept will das Unternehmen aber letztlich allen Beteiligten entgegenkommen: „Die Konsumenten haben etwas davon, weil sie genau den Content bekommen, den sie haben möchten, und zwar in gewohnter editorischer Qualität. Autoren haben etwas davon, weil natürlich auch bei jedem Verkauf einzelner Kapitel Tantiemen anfallen. Und zuletzt haben auch Verlage etwas davon, weil sie den Kunden ohne großen Aufwand ihre Inhalte in der Form anbieten können, die in zunehmendem Maße verlangt werden.“

Print-On-Demand-Variante geplant

Wie es sich gehört, gibt es auch eine schöne Legende dazu, wie die Idee zustandegekommen ist. Die eBookPie-Mitgründerin Jill Tomich hatte bereits einige Jahre für E-Publishing-Pioniere wie etwa O’Reilly gearbeitet, als sich folgende Szene ereignete: „Eines Tages beobachteten wir meine Schwiegermutter dabei, während sie in großer Eile für einen Trip nach Norditalien ihre Sachen packte. Es hat doch etwas wehgetan, ihr dabei zuzusehen, wie sie kurzerhand wichtige Kapitel aus einem Stapel von Reiseführern herausriss, aber als sie die Seiten in den Koffer stopfte, sagten wir ‚Hmmmm’“. In Zukunft soll es nun solche „Ausriss“-Sammlungen nicht nur in elektronischer Form geben, sondern auch per Print-On-Demand. Was für bibliophile Mitmenschen wohl auch den Vorteil hätte, dass sie ihre Schwiegermutter auch mal unbeaufsichtigt ans Bücherregal lassen können, ohne das die Fetzen fliegen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „„Slice and Remix“: E-Books werden jetzt zerteilt und neu gemischt“

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  2. Im Prinzip ist die Idee super und keineswegs neu. Früher fand man oft genug Fortsetzungsromane auch sehr erfolgreicher Schriftsteller in Zeitschriften abgedruckt wieder. Also warum nicht mit ebooks.

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