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Skulptur on Demand: Kostengünstiger 3D-Druck auf Papierbasis erobert Europa

5 Dez 2012

Das Personen-Faxgerät dauert noch eine Weile, doch wer ein dreidimensionales Modell von sich selbst braucht (oder von einem entfernten Verwandten), wird ab 2013 gut bedient: die Bürobedarfs-Kette Staples startet mit „Staples Easy 3D“ in ihren belgischen und niederländischen Filialen Print-On-Demand auf der X, Y und Z-Achse. Mit den experimentellen 3D-Duckern der Do-It-Yourself-Bewegung hat Staples Service nichts zu tun – denn das Unternehmen kooperiert mit Mcor, einem Hersteller professioneller 3D-Printer, dessen Maschinen hohe Auflösung und brilliante Farben garantieren. Das in den Filialen genutzte Modell Mcor Iris kann mehr als 1 Million Farbtöne drucken, die einzelnen Schichten eines Gegenstandes sind nur 0,1 Millimeter dünn. Wie das Verfahren funktioniert, zeigt ein Werbevideo: eine per Smartphone abfotografierte Schachfigur wird auf den Staples-Server hochgeladen und in eine dreidimensionale Design-Datei transformiert, dann folgt der Druckauftrag. Das Ergebnis kann dann vor Ort abgeholt werden oder kommt per Paketbote ins Haus.

Gedruckt wird mit Büropapier im DIN A 4-Format

„Wir sind Marktführer im Bereich der kommerziellen Drucke, warum sollten wir uns nur auf zwei Dimensionen beschränken?“, so Wouter Van Dijk, Präsident des Geschäftsbereichs Staples Printing Systems in Europa. „Die Kunden wollen nach ihren Angaben angefertigte Teile, Prototypen, Kunstgegenstände, architektonische oder medizinische Modelle und 3D-Kartenmaterial kostengünstig und reibungslos beziehen können.“ Die Grundfläche der Modelle ist dabei nicht zufällig identisch mit DIN A 4 – denn MCor nutzt als Druckmaterial einen Block aus herkömmlichem Büropapier, dessen Struktur mit wasserlöslichem Klebstoff verdichtet und eingefärbt wird. Das Ergebnis soll ähnlich stabil wie ein Plastikmodell sein, lässt sich aber ähnlich leicht entsorgen wie Papier. Kostengünstig ist der 3D-Druck auf Zellstoffbasis obendrein – die Druckkosten liegen nur bei wenigen Cent pro Kubikzentimeter.

Hochleistungs-3D-Druck bald auch in Deutschland

Nicht nur aufgrund des Druckmaterials scheint es sich bei der Staples-Initiative um eine Fortsetzung der Gutenberg-Galaxis mit anderen Mitteln zu handeln. Ohnehin spielte beim Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion Print-On-Demand auch bisher schon eine große Rolle – macht es doch Leser und Autoren unabhängig von Verlagen. In Kooperation mit der Espresso Bookmachine soll Kodaks „Picture Kiosk“ in den USA nun sogar den Schnelldruck von Bestsellern, Backlist-Titeln oder Indie-Literatur an jeder Straßenecke ermöglichen. Nun sieht es ganz so aus, als könnte sich fast genauso schnell eine Infrastruktur für 3D-On-Demand etablieren. Die High-End-Drucker von Mcor Technologies dürften bald auch in Deutschland auftauchen – denn zeitgleich mit dem Staples-Service in Benelux kündigte Mcor eine Vertriebspartnerschaft mit RGF („Ring Grafischer Fachhändler GmbH“) an. Das Jahr 2013 wird also extrem spannend werden: „Die Grenzen liegen in der Phantasie“, so RGF-Repräsentant Thomas Meurers. Man kann z.B. auch täuschend echte Buchattrappen drucken…

Abb.: 3D-Modell, Mcor Technologies