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Sir Galahad und seine außerirdischen Hohlköpfe: Hologrammatica, ein Sci-Fi-Thrill aus dem Jahr 2080

17 Mai 2018

hologrammatica-coverTom Hillenbrand schreibt Gastro-Krimis, schmeckt aber auch gerne in Zukunfts-Tatorte hinein. Nach dem nahen „Drohnenland“ der 2040er Jahre visiert „Hologrammatica“ nun die fernen 2080er Jahre an: der Londoner Quästor Galahad Singh ermittelt im Fall einer verschwundenen Expertin in Sachen Gehirn-Upload.

Doch die Wahrheit ans Licht zu bringen, das ist nicht so einfach in einer Welt geprägt von 3D-Totalsimulationen, AI-Intrigen und den Machenschaften von ebenso superreichen wie unerreichbaren Asteroiden-Fürsten im Hintergrund.

Den Leser erwartet hier ein cleveres Potpourri aus Arjounis Sci-Fi-Krimifarce „Chez Max“, Halluzinations-Strategien wie in Lems „Futorologischem Kongress“ und einer Prise interplanetarischer Visionen à la Kim Stanley Robinsons „2312“.

Sehr schön auch die sprachlichen Annäherungen an die zivilisatorisch weit fortgeschrittene Zukunft: da wird der digitale Assistent zum „Amanuensis“, Privatdetektive, siehe oben, nennen sich nun ebenfalls neulateinisch „Quästoren“, enhancede Quantenchip-Cyborgs und organische Old-School-Menschen beschimpfen sich derweil gegenseitig als „Schwammköpfe“ bzw. „Hohlköpfe“, und die zwecks temporärem Identitätstausch geklonten Gast-Körper mutieren zu „Gefäßen“.

Und dann ist da auch noch ein merkwürdiges Leuchtphänomen im Mittelmeer, das niemand erklären kann — sind am Ende auch Außerirdische ein Teil des Verschwörungszusammenhangs? Wurden die technisch hochgerüsteten Menschen des späten 21. Jahrhunderts am Ende gar von ihnen gehackt? Für mich ist Hologrammatica auf jeden Fall der Sci-Fi-Thriller des Jahres 2018…