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Sind Bücher wirklich noch cool? Laut BRAVO-Trendmonitor 2014 nur für Mädchen

Wer Jugendlichen etwas verkaufen will, muss vor allem eins wissen: Wie ticken sie, die deutschen Teens zwischen Aachen und Zittau, zwischen 12 und 19? Der regelmäßig veröffentlichte Bravo-TrendMonitor verrät es – zumindest cum grano salis. Im Auftrag der Bauer Mediengroup wurden aktuell etwas weniger als 1.000 Jugendliche online befragt, es handelte sich allerdings zu 84 Prozent um Mädchen, und ausschließlich um BesucherInnen von Websites rund um Bravo-Produkte. Trotzdem enthalten die Ergebnisse gerade für die Content-Industrie inklusive Buchbranche interessante Hinweise auf mögliche mediale Vorlieben dieser Zielgruppe. Speziell auch auf die Frage: Lesen die Kids eigentlich noch, und wenn ja, was!?

„Bücher haben nicht an Faszination verloren“, wird gleich zu Beginn der Ausgabe vom Februar 2014 behauptet – und tatsächlich interessieren sich fast alle Mädchen (94%) und sehr viele Jungen (79%) für Bücher. Im Durchschnitt hat jeder von ihnen im letzten halben Jahr 5-6 Bücher gelesen. Bei den jugendlichen Leserinnen stehen die Genres Liebesroman und Fantasy ganz oben, bei den Lesern sind es Fantasy und Thriller. Allerdings sagt jeder fünfte männliche Leser zwischen 12 und 19 Jahren auch: „Ich interessiere mich nicht für Bücher“. Bei den Leserinnen würden das nur 6 Prozent unterschreiben. Überhaupt gibt es einen sehr interessante Auseinanderentwicklung der Geschlechter: während die Vorliebe für Literatur bei Jungen nicht nur niedrig ist, sondern auch mit fortschreitendem Alter immer weiter nachlässt, steigt sie bei Mädchen leicht an.

Man darf dieses Schlaglicht jedoch ohnehin nicht überbewerten – denn der letzte Trendmonitor von 2013 wartete mit sehr ernüchternden Zahlen zur Mediennutzung von Jugendlichen insgesamt auf. Die Lektüre von Romanen schaffte es bei bei Mädchen immerhin noch auf Platz Fünf der Beliebtheitsskala, nach Musik, Internet, zu Hause chillen (wobei ich mich hier gefragt habe: was macht man beim Chillen? Nutzt man nicht auch Medien?) und Fernsehen bzw. DVD. Bei den Jungen suchte man in den Top 10 allerdings Bücher vergeblich. Zum Glück für Zeitschriften wie Bravo tauchte das Lesen von Zeitschriften wie Bravo bei beiden Geschlechtern noch auf Platz zehn auf (was aber natürlich auch daran liegen könnte, dass nur zehn Kategorien abgefragt wurden…)

Denn schließlich ist die gedruckte Bravo ein wichtiges Werbemedium, um die jugendliche Zielgruppe zu erreichen – und das Trendbarometer eine Einladung an die einzelnen Branche(n), diese Gelegenheit nicht zu verpassen. Was man auch an einer wichtigen Rubrik des Monitors sieht: welche Marken finden Jugendliche „cool“? Gefragt wird hier regelmäßig nach allem möglichen, von MP3-Playern und Smartphone-Marken bis zu Joghurts und Cerealien (nach Verlagen oder Autorenmarken allerdings nicht). Und es geht um eine Menge Geld: die durchschnittlichen Einnahmen von 12- bis 19-jährigen SchülerInnen betragen zwischen 1000 und 1.200 Euro pro Jahr, also etwas unter 100 Euro pro Monat. Mädchen geben laut Trendmonitor 2013 ihr Geld nicht selten auch für Bücher, Zeitschriften und Comics aus (Platz Sechs), manche Jungs tun es ihnen gleich (Platz zehn). Wichtiger sind ihnen aber Spielekonsolen, Smartphones, Fernseher und sonstige Elektronik.

Etwas unklar bleibt bei der Lektüre des Trendbarometers, ob die Kids nicht Literatur auch elektronisch lesen – doch es lassen sich indirekte Schlüsse ziehen, die in diese Richtung deuten könnten. So besitzen nicht nur mehr als drei Viertel aller Jugendlichen ein Smartphone, jede(r) zweite verfügt auch mindestens über ein weiteres „appfähiges“ Gerät, besonders häufig handelt es sich dabei um ein Tablet oder einen iPod Touch. Andererseits: Zu den beliebtesten Apps, die im TrendMonitor auftauchen, gehören insbesondere Spiele, Musik, Social Networks und Nachrichten, Lese-Apps für Bücher werden gar nicht genannt. Was aber auch nicht heißt, das gar nichts gelesen wird: jeder zweite Teenager schmökert Blogeinträge und tummelt sich in Foren, außerdem wird wild getextet, mittlerweile vor allem via Whatsapp, während Facebook langsam an Attraktivität verliert.

Abb.: Flickr/hansco (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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