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Sie essen nicht, sie trinken nicht, sie schreiben honorarfrei: Sind Algorithmen auf Nischenmärkten die besseren Autoren?

6 Nov 2018

icon-group-webseiteEs ist November, und damit mal wieder „National Novel Generating Month“. Wie üblich darf man sich auch dieses Jahr fragen: wird jemand die computergenerierten 50.000-Zeichen-Texte wirklich lesen? Und wird irgendwann mal einer dieser Retorten-Romane aus dem neuronalen Netzwerk ein Bestseller? Keine völlig müßige Frage, denn funktionierende Geschäftsmodelle mit automatisch generierten Buch-Inhalten gibt es schon. Ganz vorne dran ist der Digital-Entrepreneur Philip M. Parker, der uns via TED-Talk verspricht: „Your phones should be writing books for you soon“. Seine bereits 2007 patentierte Software für „Automated Authoring and Marketing“ hat bereits mehr als eine Million (Sach- bzw. Fach-)Buchtitel erstellt, die via Print-On-Demand unter dem Verlagslaben „ICON Group International“ verkauft werden. Und das auch noch ziemlich hochpreisig, so à la 1.000 Dollar pro Titel.

Im Long-Tail funktioniert das Geschäftsmodell gut

Das scheint sich zu lohnen: „Algorithmen sind im Long Tail-Business bereits definitiv die besseren Autoren“, wird Parker auf heise.de zitiert. Also wohl dem, der sich eine seeeehr lange Backlist mit abseitigen Themen zusammenprogrammiert: „Biete Produkte zu möglichst vielen Nischenthemen an, und das Geschäftsmodell geht auch dann auf, wenn Du nur einen Bruchteil davon verkaufst“, erklärt der in Singapur lehrende Wirtschaftswissenschaftler. In der Regel stammen die Inhalte aus Datenbanken und Online-Archiven — von Wetterdaten bis zu kompletten Marktstudien — und werden dann automatisch aufbereitet bzw. zusammengestellt und für den Druck formatiert.

Kommt bald die Dissertation — oder der Roman — auf Knopfdruck?

Interessanterweise kann Parkers Technologie auch Texte in diverse Sprachen übersetzen, was die Zahl der potentiellen Kunden wiederum vervielfacht. Außerdem wird offenbar schon daran gefeilt, eine clevere Kombination aus „Natural Language Generation“ und Data-Mining auf akademische Texte und sogar literarische Genres loszulassen. Mal ganz zu schweigen davon, dass Parkers App angeblich schon jetzt Wikipedia-Artikel übersetzen oder from scratch schreiben kann — und auch unter dem Label „Totopoetry“ schon fleißig Sonette verfasst. Nicht nur die Organisatoren des NaNoGen-Month dürften sich also bald über neuen Retorten-Content freuen…