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ShoutSync statt WhisperSync: Gehacktes Kindle mailt User-Daten direkt an Jeff Bezos

8 Feb 2013 0 Kommentare

Jeff Bezos schaut seinen Kunden gerne über die Schulter: Heimlich, still und leise schickt jeder Kindle-Reader drahtlose Botschaften an Amazons Server, darunter Lesezeichen, Markierungen und die zuletzt gelesene Seite. Der „Whispersync“ genannte Service ermöglicht es, die E-Bibliothek auf verschiedenen Geräten zu synchronisieren – zugleich liefert er Amazon aber auch wertvolle Informationen über das Leseverhalten seiner Kunden. Doch wenn schon Privacy-Streaptease, dann aber richtig, dachte sich Johannes P. Osterhoff – und spendierte dem Amazon-Chef zu dessen Geburtstag am 12. Januar einen ganz persönlichen Kindle-Hack…

Auf bezos.cc kann man die „Korrespondenz“ verfolgen

Mit einem neue Feature sorgt der Berliner Medienkünstler für den direkten Draht zum CEO: Das Lesegerät veröffentlicht nach Jailbreak und speziellem Software-Update nun jedes Lesezeichen auf der Website bezos.cc, und schickt parallel eine E-Mail an Jeff Bezos persönlich. “Noch vor kurzer Zeit war es ziemlich einfach, ein Buch ganz privat zu lesen. Mit dem Kindle und Whispersync ist das unmöglich. Ich werde gezwungen, meine Privatsphäre während der Lektüre aufzugeben“, kommentiert Osterhoff die Kunstaktion. „Den Amazon-Chef persönlich via E-Mail über meine Leseaktivitäten zu informieren, war insofern nur der nächste logische Schritt.“

„Dear Jeff Bezos, I just read Daemon by Daniel Suarez“

Durch die Spiegelung auf bezos.cc kann die Netz-Öffentlichkeit die „Korrespondenz“ zwischen dem „Interface-Artist“ Osterhoff und dem Amazon-Chef mitverfolgen. Als letzte Aktualisierung vom 7. Februar liest man dort zur Zeit etwa: „Dear Jeff Bezos, I just read ‚Daemon‘ by Daniel Suarez, until position 1249, sincerely, Johannes P Osterhoff“. Bei ähnlichen Aktionen hat Osterhoff in der Vergangenheit bereits seine Google-Search und iPhone-Daten ins Netz gestellt. Für den Aktionskünstler ist der Kindle-Hack mehr als eine digitale Retourkutsche: „Firmen wie Amazon beanspruchen solche Daten exklusiv für sich, denn Exklusivität bedeutet Mehrwert. Als Nutzer verlierte ich nicht nur die Kontrolle, sondern auch die Autorschaft der beim Lesen generierten Daten. Mache ich die Daten jedoch öffentlich, verlieren sie ihren Wert“, so Osterhoff gegenüber Rhizome.

Für Kindle-Nutzer, die ihre Nutzerdaten ebenfalls zur Chefsache machen wollen, will Osterhoff in Kürze eine Anleitung auf bezos.cc posten. Auf eins darf dabei man wohl nicht hoffen: jemals eine Antwort von Jeff Bezos zu bekommen. Osterhoffs Posteingangskorb jedenfalls blieb bisher leer.

(via geekwire & rhizome)

Abb: flickr/matteopenzo (cc)

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