Wiedersehen mit Kurt Wallander: Henning Mankells Krimi-Serie erscheint komplett als E-Book

mariagatan-mankell-wallander bestseller e-book.gifGute Nachricht für Krimi-Freunde: Kommissar Kurt Wallander kommt auf den E-Reader. Mit „Mörder ohne Gesicht“, „Die Hunde von Riga“ und sieben weiteren Folgen bringt dtv die gesamte Serie des schwedischen Bestseller-Autors Henning Mankell als E-Book im epub-Format heraus. Mit 8,99 Euro pro Band sind die Krimis immerhin fast einen Euro günstiger als die Taschenbuch-Version. Falls zwischendurch die Augen ermüden sollten: Bis auf „Mittsommermord“ gibt es alle Mankells mittlerweile auch als Hörbuch-Download.

Kurt Wallander ist ein Kommissar in der Midlife-Crisis

Hört man den Namen Kurt Wallander, hat man schnell ein Bild vor Augen – doch ist es Kenneth Branagh, Rolf Lassgård oder Krister Henriksson? Viele Teile der von Henning Mankell in den 90er Jahren gestartete Roman-Serie sind nämlich bereits drei mal verfilmt worden, vom ZDF, von der BBC und als Koproduktion der ARD & des schwedischen Fernsehens. Die Mariagatan in Ystad ist für Wallander-Fans schon so etwas geworden wie die Londoner Baker-Street für die Anhänger von Sherlock Holmes. Doch nicht nur in Ystad selbst, in der gesamten Region Schonen machen sich mittlerweile viele Touristen auf die Spuren des fiktiven Krimi-Heldens. Das eigensinnige Original lernt man jedoch immer noch am besten in den Romanen selbst kennen. Bereits in „Mörder ohne Gesicht“ begegnet man einem grüblerischen, introvertierten Kriminalkommissar, der geradewegs in die Midlife-Crisis steuert. Komplettiert wird das Bild von der abwesenden Ex-Frau, einer pubertierenden Tochter und dem kauzigen Vater Wallanders, der als Hobbymaler immer wieder den selben Sonnenuntergang auf die Leinwand bannt.

Mankell bringt das internationale Verbrechen in die schwedische Provinz

Ganz in der Tradition der Sozio-Krimis von Maj Sjöwall und Per Wahlöö wählt Mankell ein realistisches Setting. Der Ermittler und sein Team sind am ganz normalen Polizeialltag angelehnt. Wallander ist kein Philip Marlowe – als alleinerziehender Vater in der Midlifecrisis ist er weit entfernt vom klassischen Typus des Hardboiled Hero. Die brutalen Gewaltverbrechen, mit denen die Ystader Polizei konfrontiert wird, haben jedoch eindeutig Thriller-Qualität. Es geht gleich zu Anfang um die Themen Migration, Menschenhandel und Mafia. Gesellschaftsdarstellung und Gesellschaftskritik gehen dabei Hand in Hand. Das ist gerade aus heutiger Sicht besonders spannend. Denn Mankell beginnt die Wallander-Serie in der unmittelbaren Nachwendezeit. Die bringt auch für Skandinavien viel Veränderung. Die Öffnung der Grenzen und das Wohlstandsgefälle zu Osteuropa stellt die schwedische Provinz vor ganz neue Probleme. Eins davon ist die wachsende Kriminalität. In „Die Hunde von Riga“ ermittelt Wallander under cover im Baltikum, nachdem in Schweden ein mysteriöses Rettungsboot mit zwei toten Letten angetrieben wurde. In Riga wird der schwedische Kommissar in einen Machtkampf zwischen Anhängern der alten und der neuen Ordnung verwickelt. Noch internationaler und zugleich noch politischer wird es dann in „Die weiße Löwin“ – denn es geht um die Vorbereitung eines Attentats auf Nelson Mandela. Der Attentäter wird in Schweden von einem ehemaligen KGB-Agenten für seine Aufgabe trainiert, doch Wallander kommt der Sache auf die Spur. Ein paralleler Handlungsstrang erzählt von den Ermittlungen eines südafrikanischen Staatsanwalts, der ebenfalls versucht, die Verschwörung aufzudecken.

Serienmörder und Cyberterroristen – auch der späte Wallander hat es in sich

Wallander meistert zwar jedes dieser Abenteuer, besser gesagt, er überlebt sie, psychisch und gesundheitlich geht es mit ihm jedoch bergab. Geplagt von Depressionen und Alkoholexzessen quittiert er in der Folge „Der Mann der lächelte“ sogar kurzzeitig den Dienst. Der Tod eines befreundeten Anwalts bringt ihn dann jedoch auf die Spur eines Falles, in dem es um Wirtschaftskriminalität geht. Seit Ende der Neunziger Jahre kommt ein neues Element in den Mankellschen Krimi-Kosmos – sowohl bei „Die falsche Fährte“ wie auch „Die fünfte Frau“ geht es um Mordserien und die dazugehörigen Serienmörder. Der sozialkritische Touch jedoch bleibt erhalten – beide Fälle kreisen um das Thema der Mißhandlung von Frauen und Zwangsprostitution. In beiden Fällen werden die Morde interessanterweise von Täterinnen begangen, die sich für die Mißhandlungen rächen wollen. Ein männlicher Serienmörder in Frauenkleidern steht dagegen dann im Mittelpunkt von „Mittsommermord“, dem siebten Teil der Wallander-Serie. Mit „Die Brandmauer“ kommt Mankells Serie dann auch technisch in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts an – mit dem Titel ist nämlich eine „Firewall“ gemeint. Wallander und seine Kollegen ermitteln gegen eine Gruppe von Cyber-Terroristen, die mit gezielten Attacken auf Internet-Server das weltweite Finanzsystem lahmlegen wollen. Die „Brandmauer“ erschien 2001 und blieb Wallandes letzter Fall – bis auf weiteres hat Mankell den inzwischen auch noch an Diabets erkrankten Helden in Pension geschickt. Dafür kam jedoch ein Jahr später „Wallanders erster Fall“ heraus. Der Band enthält fünf Kurzgeschichten, in denen man den späteren Kommissar u.a. als einfachem Streifenpolizist im Malmö des Jahres 1969 kennenlernen kann, der auf eigene Faust beginnt, einen Mordfall aufzuklären.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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