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Selfpublisher sucht E-Book-Shop – Welche Distribution ist die richtige?

10 Apr 2013

Wohl jeder Selfpublisher stellt sich irgendwann die Frage: „Wie kommen meine E-Books zu möglichst vielen Lesern?“ Anfangs war die Antwort einfach, denn es gab nur eine: Im Kindle-Format über Amazon („Kindle Direkt Publishing“). Heute ist die Antwort nicht mehr so leicht, vor allem, wenn man das Selfpublishing intensiver oder sogar professionell betreiben möchte. Die E-Book-Welt ändert sich rasant. Amazon ist zwar immer noch Marktführer, steht aber längst nicht mehr allein. Das ePUB-Format und die entsprechenden Reader sind eine Größe, die man als Autor ungern links liegen lässt. Wer auch diese Leser erobern möchte, muss allerdings einige Herausforderungen meistern. Die Shop-Landschaft ist zersplittert, die Anforderungen an die Datenlieferungen sind unterschiedlich und viele Shops akzeptieren keine Einzelautoren als Lieferanten. Unüberwindbare Hindernisse? Nicht mehr.

Welche Möglichkeiten gibt es?

  • Die kleine Lösung: Beam, Kobo & Co.
    Man sucht ein paar Shops, die Einzelautoren akzeptieren, erstellt eigene ePUBs und liefert sie. Das geht z. B. bei Kobo und Beam-E-Books. Beam ist am deutschen Markt schon länger präsent und etabliert, Kobo scheint nicht so bekannt zu sein. Nach meiner Erfahrung sind die Verkäufe dort noch nicht stark. Das Self-Publishing-Programm „Kobo Writing Life“ ist trotzdem interessant, besonders, wenn man als Autor internationale Ambitionen hat. Kobo kann man unkompliziert und rein über das Internet abwickeln, bei Beam braucht man vorher einen Vertrag, was aber nur ein mäßiger Aufwand ist.
Es gibt weitere Plattformen, zu denen ich aber nichts aus eigener Erfahrung sagen kann. Hier kann gerne in Kommentaren ergänzt werden. Ein wichtiges Kriterium scheint mir zu sein, dass auch Verlage über die jeweilige Plattform anbieten. Ich habe negative Erfahrungen mit einer Plattform, wo das nicht der Fall war. Es gab schlichtweg keine Verkäufe, während das gleiche Buch zum gleichen Preis bei Amazon schnell dreistellige Verkaufszahlen erzielte. Am Buch hat es also nicht gelegen. Das Umfeld, in dem man sein Buch präsentiert, ist ein wichtiger Faktor, ob es von den Lesern als seriöses, echtes Buch wahrgenommen und dann auch gekauft wird.
  • Die einfache Lösung: Neobooks und andere Fullservice-Anbieter
    Man wendet sich an einen Anbieter wie z. B. Neobooks. Dort liefert man seine Datei ab und alles andere wird von denen erledigt: Formatierung in die häufigsten Formate, Berücksichtigung der unterschiedlichen Shopanforderungen, Belieferungen zahlreicher Shops, Abrechnung. Dieses Rundum-Sorglos-Paket kostet natürlich etwas, sie behalten einen Teil der Marge. Das ist okay, denn man bekommt ja auch was dafür. Ob das die Sache wert ist, muss jeder selbst ausrechnen. Ein weiterer Haken hat mich persönlich gestört. Man kann sich die zu beliefernden Shops nicht aussuchen. Es werden immer alle beliefert, also z. B. auch Amazon, was man leicht selbst könnte oder sogar schon macht und dann eben damit aufhören muss. Da tut der Verlust der Marge schon ein bisschen weh. Als kleine Motivation bietet Neobooks allerdings die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit von Droemer/Knaur zu wecken, also ein Fünkchen Hoffnung, ein Verlagsautor zu werden – wenn man das denn überhaupt will. Hierzu ist dann einiges an weiterer Anstrengung nötig, was aber ein anderes Thema ist.
Wie bei der kleinen Lösung gibt es bei der einfachen Lösung ebenfalls noch mehr Anbieter. Manche würden vielleicht die zahlreichen E-Book-Verlage dazurechnen, die in der letzten Zeit aus dem Boden geschossen sind, was ich aber nicht tue. Der Grund ist, dass man dann kein Selfpublisher mehr ist, sondern ein Verlagsautor, eben bei einem E-Book-Verlag. Ob der doch gewaltige Margenverzicht durch den Mehrwert ausgeglichen wird, ist wieder eine persönliche Entscheidung.
  • Die große Lösung: individuelle, flexible Distribution  

    Wer die volle Kontrolle behalten will und bereit ist, etwas mehr Arbeit zu investieren, dem bieten sich weitere Möglichkeiten.
Ein Weg: Man kann ISBNs für seine E-Books kaufen (im Paket gar nicht so teuer), die E-Books im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) listen lassen (kostet auch was) und dann über MVB ausliefern. Das ist ein Weg, den viele Verlage beschreiten, der aber auch für einzelne Autoren offen ist. 
Ein anderer Weg: Es gibt Distributoren wie z. B. Ciando, die es einem etwas einfacher machen und sich zunehmend Einzelautoren öffnen. Hier (ich kenne mich mit Ciando aus, weshalb sie mir für die folgenden Infos als Basis dienen.) liefert man seine Datei in ePUB und/oder PDF, eine ISBN bekommt man gestellt, die weitere Umwandlung und Belieferung von Shops wird übernommen. Diese Dienstleistung kostet natürlich wieder Geld, also einen Teil der Marge und evtl. eine Bearbeitungsgebühr. Da ich aber hier die Freiheit hatte, die Shops einzugrenzen, konnte ich selbst entscheiden, wo ich es weiterhin alleine machen möchte und wo mir die Belieferung den Preis wert ist – eben weil ich sonst in die jeweiligen Shops anders nicht reinkomme. Dazu gehört neben vielen anderen Thalia und Weltbild, und die wollte ich nicht auslassen.
Zugegebenermaßen ist hier vieles noch nicht so durchorganisiert und –automatisiert wie bei Amazon und Kobo. Der Nachholbedarf ist deutlich spürbar und die eine oder andere Kröte muss man schlucken, aber sie arbeiten dran, wurde mir versichert.

    Wesentlich weiter ist in dieser Beziehung Smashwords, ein bedeutender Player im internationalen speziell im US-Markt. Hier spürt man an unzähligen Details, dass diese Plattform von Autoren gemacht wurde und deren Bedürfnisse bestens kennt. Das ist richtig gut. So gibt es ausgezeichnete Leitfäden zu Formatierung, Marketing und vieles andere mehr, manches sogar schon als deutsche Übersetzung. Großer Wermutstropfen: Sie beliefern die großen US- und internationalen Shops – und keine typisch deutschen, abgesehen von den Global Playern wie Amazon, Apple und Kobo, die auch in Deutschland aktiv sind.

Viele Wege führen zum Ziel

Es gibt also jetzt schon einen ganzen Berg an Möglichkeiten, wobei ich lange nicht alle Anbieter und Unternehmen benannt habe, sondern nur die, zu denen ich Sinnvolles sagen kann. Ergänzungen durch Kommentare sind willkommen. Außerdem ist der Markt so unglaublich beweglich, dass sich die Angebote der Anbieter und die jeweiligen Bedingungen schnell ändern können. Deshalb nenne ich auch keine Preise. Die hängen zudem oft noch von diversen Auswahlmöglichkeiten ab, z. B. wie viele Bücher man liefert, ob man DRM will, Wasserzeichen und vieles mehr. Da muss man selbst auf der Homepage des Anbieters nachsehen oder mal eine Mail schreiben. Wichtig ist: Es gibt nicht einen einzigen, richtigen Weg, sondern viele und es werden ständig mehr.

Was kann ich selbst? Was will ich selbst?

Man muss sich vor allem über die eigenen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Wünsche klar werden. Was kann ich selbst? Was will ich selbst? Wo brauche ich Unterstützung? Was ist mir die Unterstützung wert? Wer hobbymäßig oder nur ganz selten veröffentlichen will, für den reicht Amazon und ein ePUB-Anbieter, wie z. B. beam oder Kobo, möglicherweise aus. Das kann man ziemlich einfach selbst abdecken. Wer Selfpublishing intensiver oder professionell betreiben will, braucht mehr. Entweder man opfert viel Zeit, um weitere Plattformen zu pflegen, oder man nimmt einen Dienstleister für die Distribution. Wenn man auch in solche Shops wie z. B. Weltbild oder Thalia kommen will, kommt man um einen Dienstleister nicht drumherum, denn direkt geht es nicht.

Fallstudie: Wie habe ich es gemacht?

Zuerst habe ich geklärt: Was will und was kann ich? Ich selbst möchte Selfpublishing professionell betreiben, weshalb ich mich für eine große Lösung entschieden habe. Ich möchte eine möglichst weite Verbreitung meiner Bücher, auch wenn mich das etwas kostet. Ich bin bereit, ein gewisses Maß an eigener Arbeit zu investieren, habe da aber auch klare Grenzen. Bei allem ist mir die Freiheit sehr wichtig ist, weil ich gerne selbst „vorne dran bei den Lesern“ sein möchte und andererseits durch eine geschickte Auswahl an Vertriebswegen die Verluste durch die niedrigeren Margen bei Distributoren ausgleichen kann.

Das ist meine Ausgangsposition. Ich habe mich dann für einen Mix entschieden aus Plattformen, die ich selbst beliefere (Amazon, Kobo, Beam) und kompetenten Distributoren, die mir meine Freiheit lassen. Deshalb fiel Neobooks aus, obwohl ich von befreundeten Autoren einiges Positive darüber gehört habe. Meine Distributoren sind Ciando, schwerpunktmäßig für den deutschen Markt, und Smashwords für meine internationalen Aktivitäten, die bald beginnen. Ergebnis dieses Mix‘ ist eine Palette von fast 80 Shops, in denen meine E-Books angeboten werden. Damit sind alle Formate und alle wesentlichen nationalen und internationalen Shops abgedeckt. (Falls es jemanden interessiert, habe ich sie auf meiner Homepage kseibel.de mal aufgelistet) Dazu kommt noch ein ganzer Haufen angeschlossener Bibliotheken. Es kann also jeder meine E-Books lesen. Ob er es auch will, ist eine andere Frage :-)

Ergebnis:
 Jeder Selfpublisher kann mit seinen E-Books eine Reichweite erzielen, die der eines großen Verlags in nichts nachsteht. Wie beim Selfpublishing üblich, ist dazu einiges an Arbeit zu leisten, aber manches, wie z. B. die Auswahl der Distributoren, macht man nur einmal und dann ist es abgehakt. Auf jeden Fall sind die Möglichkeiten da – und sie sind ziemlich groß.

Autor&Copyright: Klaus Seibel
Abb.: flickr/boltron- (cc)