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„Selfpublisher sind Allrounder“ – Ingrid Süßmann (neobooks) im Interview

19 Mrz 2015

SPDay2015-Ingrid-Suessmann-von-neobooks-im-interviewQuo vadis, Self-Publishing – welche Fähigkeiten muss man mittlerweile als erfolgreicher Autor mitbringen? Wie wichtig ist Marketing? Welche Dienstleistungen überlässt man besser Profis? Diese und weitere Fragen stellen wir im Vorfeld des Self-Publishing Days 2015 den dort präsenten Ausstellern. Heute im Interview: Ingrid Süßmann, Author Relations Managerin bei neobooks. Die von Droemer Knaur gestartete Self-Publishing-Plattform mit eigener Community und mehr als 25.000 registrierten Nutzern ermöglicht nicht nur die Distribution und Vermarktung von Indie-Titeln – zugleich dient sie auch zum Talent-Scouting für den Verlag. Zahlreiche Titel sind auf diese Weise via neobooks ins reguläre E-Book- wie auch Print-Programm von Droemer Knaur aufgenommen worden.

E-Book-News: Self-Publisher müssen viele Dinge beherrschen, die über das bloße Schreiben hinausgehen. Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die man im Jahr 2015 mitbringen sollte?

Ingrid Süßmann: Für einen Selfpublisher ist es wichtig, das große Ganze zu sehen. Klar, Content is king, der Inhalt ist zweifelsohne die wichtigste Voraussetzung für ein gutes Buch. Denn wir alle lieben gute Geschichten! Aber es gehört eben auch ein großes Gesamtpaket dazu: suchmaschinenoptimierte Texte und ausführliche Metadaten müssen sein, um in den Shops gut auffindbar zu sein. Marketing und PR ist unverzichtbar, um Leser zu erreichen. Und diese Leser wollen dann auch bei der Stange gehalten werden: durch Lesungen, durch Einblicke in den Autorenalltag über Social Media und, und, und… Das Bild vom Autor, der in seinem Denkerstübchen hockt und auf Inspiration wartet, ist heute definitiv überholt. Aktuell ist der Allrounder, der erfolgreich sein eigenes Autorenbusiness managt.

Self-Publisher machen nicht alles selbst, sie brauchen bei manchen Dingen externen Sachverstand. In welchen Bereichen sind solche Dienstleistungen besonders wichtig?

Ein Autor muss grundsätzlich schreiben können. Ist er gleichzeitig noch ein Covertalent, ist das toll – aber nicht zwingend notwendig. Denn die Selfpublishing-Branche professionalisiert sich zunehmend: es gibt zahlreihe Anbieter, die sich auf Angebote rund um Lektorat, Korrektorat, Cover und Marketingunterstützung spezialisiert haben. Sich Know-How einzukaufen, ist immer dann sinnvoll, wenn die Zeit, die man für diese Tätigkeit aufwenden muss, anders besser genutzt wäre. Will heißen: ist man ein Grafikfuchs, dann kann man das Cover natürlich ganz leicht selbst erstellen. Ist das nicht der Fall, sollte man lieber einen Profi hinzuziehen – denn statt sich ewig für ein nur mittelprächtiges Ergebnis abzumühen, ist diese Zeit besser für eine andere Aktivität genutzt. Um alles, was den Vertrieb betrifft, kümmern wir von Neobooks uns für den Autor: Qualitätscheck, Vergabe der ISBN, Vertrieb an über 300 Shops europaweit, Listung bei der DNB und dem VLB – und das alles natürlich kostenlos.

Mit der Produktion eines Buches ist es nicht getan, es muss sich ja auch verkaufen. Welche Rolle spielt das Marketing im Self-Publishing-Sektor?

Als Selfpublisher hat man viele Rechte – aber eben auch einige Pflichten. Dazu gehört das Marketing, das immens wichtig ist für den Erfolg eines Buches und schlussendlich für die Bekanntheit des Autors. Hier ist es sinnvoll, sich die Zeit zu nehmen, um eine Marketingstrategie auszuarbeiten: Wer ist meine Zielgruppe? Wie erreiche ich sie optimal? Welche Marketingaktivitäten kann ich selbst abdecken, wo benötige ich Hilfe? Gibt es Ressourcen, die ich nutzen kann? Unverzichtbar ist auch das regelmäßige Monitoring: zeigen meine Marketingaktivitäten den gewünschten Erfolg? Oder muss ich gegebenenfalls noch etwas nachjustieren? Das mag zwar am Anfang nach Arbeit aussehen, zahlt sich aber aus!

Der klassische Buchhandel ist für viele Self-Publisher noch ein unentdecktes Land. Wie lässt sich das zukünftig ändern?

Hier sehe ich eigentlich kein Problem. Wir von neobooks beispielsweise beliefern auch die Onlineshops des stationären Handels und erfahren hier häufig positives Feedback. Die Rückmeldung unserer Autoren zeigt, dass der Schlüssel zum Erfolg in einer vertrauensvollen Kommunikation liegt: wenn sich beide Seiten aufgeschlossen und auf Augenhöhe begegnen, sind hier schon zahlreiche tolle und langfristige Kooperationen zwischen Autoren und Buchhändlern entstanden.

Momentan geht der Trend in Richtung Flatrate-Lektüre und E-Book-Abo. Welche Herausforderungen bringt das für die Autoren, aber auch für die Selfpublishing-Dienstleister?

Unserer Erfahrung nach bieten Flatrates und Abo-Modelle eine tolle Chance für Indie-Autoren. Wir von neobooks kooperieren mit Skoobe und haben hier gute Erfahrungen gemacht. Die Angst, dass man sich mit einem Flatrate-Modell die eigenen Sales kannibalisiert, ist unbegründet. Eher ist das Gegenteil der Fall: Ausleiher und Käufer sind zwei unterschiedliche Zielgruppen, die sich gegenseitig ergänzen. Und wandert doch mal einer vom einen ins andere Lager, dann wird eher der Ausleiher zum Käufer als umgekehrt. Deshalb ist unsere Devise: offen sein und ausprobieren!

Welche Themen werden Sie den Teilnehmern des SPDay15 in Münster näherbringen?

Grundsätzlich stehen wir den Autoren natürlich für alle Fragen rund um das Thema Selfpublishing zur Verfügung, klären Auslieferungsdetails und geben Marketingtipps. Besonders konzentrieren wir uns dieses Jahr auf die Themen SEO (Suchmaschinenoptimierung) und Metadaten: diese Punkte sind entscheidend für das Ranking in den Onlineshops und Suchmaschinen. Wie man hier seine eigenen Werke optimieren kann, erfahren die Indie-Autoren in unserem Workshop. Dabei stehen Best Practice-Beispiele und praktische Übungen im Vordergrund. Wir freuen uns auf zahlreiche Teilnehmer!