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Self-Publishing mit Kobo Writing Life – ein Quick-Guide

20 Jul 2012 Ansgar Warner 8 Kommentare

Independent-Autoren haben seit Mitte Juli eine Option mehr: Kobo bietet mit „Writing Life“ auch in Deutschland eine eigene Self-Publishing-Plattform an. Zu den besonderen Vorzügen der ersten großen Alternative zu Amazons Kindle Direkt-Publishing gehört eine siebzig Prozent-Tantieme ab einem Verkaufspreis von 1,99 Dollar (bei Amazon: ab 2,99 Dollar), bei niedrigeren E-Book-Preisen erhalten Autoren 45 Prozent (bei Amazon: 35 Prozent). Außerdem gestattet Kobo jederzeit Gratis-Aktionen, ohne von den Urhebern im Gegenzug die exklusive Vermarktung über den eigenen Store zu fordern. Da Kobo auf den Branchenstandard epub setzt, sind die via Kobo-Store verkauften E-Books auf zahlreichen E-Readern, Tablets und Smartphones lesbar. Wie „Writing Life“ funktioniert, zeigt unser Quick Guide.

In vier Schritten zum verkaufsfertigen E-Book

Um Kobo Writing Life zu nutzen, ist ein persönliches Account notwendig. Kobo-Kunden können sich mit den gewohnten Daten einloggen (wahlweise via Facebook) und geben nur noch ein paar zusätzliche Autoren-Infos ein, so etwa das Bankkonto, um Tantiemen einstreichen zu können. Außerdem bestätigt man die Nutzungsvereinbarung, mit der man Kobo das nicht-exklusive Recht zur Verbreitung der eigenen Werke einräumt. Dann kann’s schon losgehen. Wie gewohnt bei Kobo, ist auch die Self-Publishing-Plattform optisch ebenso elegant wie übersichtlich gestaltet – die Hauptbestandteile sind das Dashboard mit Verkaufsstatistiken, die eigentliche E-Book-Werkstatt sowie ein „Learning Centre“ mit How-to-Video, FAQ sowie herunterladbaren User Guide. Im Bereich „E-Book“ bekommt man die bereits im Kobo-Store angebotenen Titel angezeigt sowie E-Books, die noch in Bearbeitung sind.

Buchbeschreibung: Worum geht’s eigentlich?

Um einen neuen Titel anzulegen, klickt man auf die grün unterlegte Schaltfläche „Create New Book“. In vier Schritten gelangt man von da ab zum fertigen E-Book: Buchbeschreibung, Hochladen der Vorlage, Rechtemanagement sowie Festlegen des Verkaufspreises. Bereits bei der Buchbeschreibung fügt man neben Autornamen und Titel eine Inhaltsangabe sowie ein Coverbild für den Kobo-Store hinzu, wählt die Buchkategorie sowie Sprache aus und gibt bei Bedarf eine eISBN-Nummer ein. Im nächsten Schritt lädt man die E-Book-Datei hoch – akzeptiert werden neben fertigen epub oder mobi-Dateien auch Textfiles im Word-Format (doc, .docx) sowie OpenOffice/LibreOffice-Format (.odt).

Tipps für die Datei-Konversion

Entsprechende Vorlagen lassen sich relativ einfach erstellen. Dazu weist man in der Textverarbeitung einzelnen Kapitel-Überschriften einfach das Standard-Format „Überschrift 1“ (bzw. „Heading 1“) zu. Aus den Kapitelüberschriften wird dann bei der Konvertierung nach dem Hochladen automatisch ein Inhaltsverzeichnis erstellt. Für den Fließtext empfiehlt sich die Einstellung “Blocksatz”, wo Absätze vorgesehen sind, fügt man eine Leerzeile ein. Baut man am Anfang des Dokuments kein Coverbild ein, wird von Kobo automatisch eine Default-Bild eingefügt. War die Konvertierung erfolgreich, bietet Writing Life einen Download-Link für die fertige epub-Datei an. Mit einem epub-Editor wie Sigil kann man dann ggf. Korrekturen machen, und anschließend die überarbeitete epub-Datei hochladen. Weitere Tipps zur einfachen Vorlagenerstellung gibt’s in Kobos „Conversion Guidelines“.

Rechtemanagement & Pricing

Die restliche Arbeit am E-Book ist schnell getan. Im Bereich Rechtemanagement („Choose Content Rights“) gibt es zwei Schalter, einmal für DRM an/aus sowie für weltweite Rechte. Deaktiviert man „Worldwide Rights“, kann man detailliert einzelne Länder auswählen. Bei den weltweiten Rechten sind Deutschland, Österreich und die Schweiz automatisch mit dabei, insgesamt ist der Kobo-Store bisher in knapp zwei Dutzend Ländern präsent. Jetzt fehlt nur noch der Verkaufspreis – der richtet sich in Europa nach dem Euro-Betrag. Gibt man eine entsprechende Summe ein, wird nicht nur automatisch die Tantieme angezeigt, sondern auch ein entsprechender Preis in Pfund, US-Dollar und weiteren Währungen kalkuliert. Auf Wunsch kann man die zumeist krummen Summen dann noch nachbessern.

Fazit: schnelle & komfortable Amazon-Alternative

Sind alle vier Schritte vollständig absolviert worden, wird auf der E-Book-Übersichtsseite ein fünftes Feld angezeigt: “Publish”. Klickt man diese Schaltfläche an, öffnet sich das finale Menü vor der Veröffentlichung des E-Books. Zur Auswahl steht hier die Angabe eines bestimmten Kalendertages, an dem das Buch im Kobo-Store angeboten werden soll, sowie die Sofort-Option. Lässt man nämlich das aktuelle Datum stehen und klickt direkt auf „Publish eBook“, erscheint der Titel Kobo zufolge “nach 24 bis 72 Stunden” im E-Store. Bei unserem Test mit von „Vom Buch zum Byte“ klappte es bereits nach etwa 120 Minuten. Fazit: Gerade wenn man bereits eine fertig formatierte epub-Version zur Hand hat, ist Kobo Writing Life eine ebenso komfortable wie schnelle Alternative zu Amazons KDP. Erhöht wird der Nutzwert durch das Dashboard – hier sieht man nicht nur auf einen Blick aktuelle Verkaufszahlen und Tantiemen, die Zahlen werden zusätzlich noch grafisch nach Regionen aufgeschlüsselt.

Autor&Copyright: Ansgar Warner
Abb.: Screenshots Kobo Writing Life

8 Kommentare »

  • #Rezension: Google Nexus 7 mit Kobo Reader App vs. Kindle Fire und Kindle Reader App : Posted Planet schrieb:

    [...] nächsten Tagen regelmäßig darüber berichten. Heute habe ich mir, angeregt von Ansgar Warners Bericht über die Kobo Publishing Platform Writing Live, das Lesen von eBooks über die Kobo Reader App ausführlich [...]

  • Klaus schrieb:

    Hallo Ansgar, wieder einmal vielen Dank für deinen Beitrag. Ich habe mir wegen deiner Ausführungen Kobo heute wieder einmal angesehen und war total positiv überrascht. Wie du sagst, ist die Publishing-Seite sehr einfach und benutzerfreundlich gehalten aber auch der Kobo Shop hat sich wirklich schön weiterentwickelt. Ich habe mir daraufhin gleich die Kobo Reader App am Google Nexus angesehen, mit der Kindle Reader App verglichen und bin sehr angetan von Kobo. Du bist wie immer ein echter Trend-Scout mit diesem Bericht.

  • Rezension: Kobo Reader App am Google Nexus 7 : MexxBooks schrieb:

    [...] nächsten Tagen regelmäßig darüber berichten. Heute habe ich mir, angeregt von Ansgar Warners Bericht über die Kobo Publishing Platform Writing Live, das Lesen von eBooks über die Kobo Reader App ausführlich [...]

  • Ruprecht Frieling schrieb:

    Warum sprichst Du von “Alternative” zu Amazons KDP? Lässt sich nicht beides nebeneinander betreiben – gleiches Pricing vorausgesetzt? Oder gibt einen Exklusivitätsanspruch seitens Kobo?

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Nein, der Exklusivitätsanspruch besteht genau umgekehrt, zumindest beim Gratis-Marketing, und das meinte ich auch mit der Alternative – denn Null Euro Preise sind im Kindle Store eben nur via KDP Select möglich, d.h. dein E-Book darf dann nirgendwo sonst auftauchen.

  • Markus Stolpmann schrieb:

    Ansgar, das Problem ist aber doch, dass ich Gratis-Aktionen faktisch immer nur machen kann, wenn ich ein E-Book bei einem Anbieter exklusiv habe: In fast jedem Shop gibt es eine verklausulierte “Most favoured nations”-Regel, nach der du dich verpflichtest, das E-Book parallel nirgends anders günstiger oder gratis anzubieten. Wenn du bei Kobo eine Gratis-Aktion machst und gleichzeitig bei KDP bist, wird Amazon den Preis anpassen und bei Wiederholung eine Entfernung aus dem KDP-Store erwägen. Bei anderen Stores sind die Regelungen ähnlich (nur Amazons Bots sind besser im Aufspüren, wobei es auch “false positives” gibt). Abgesehen davon würde bei Gelten der Buchpreisbindung für E-Books (was ja nie final geklärt wurde) der Preis bei einer Gratisaktion eh bei allen Anbietern reduziert werden müssen, was aber bei vielen gar nicht möglich ist, schon gar nicht zuverlässig zum gleichen Zeitpunkt. Bleibt aus meiner Sicht nur der Vorteil, dass man sich bei Kobo nicht 90 Tage binden muss – aber ohne Exklusivität ist eine Kobo-Gratisaktion zumindest heikel.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ja, stimmt, sowas funktioniert tatsächlich nur, wenn man Plattformen ohne solche zusätzlichen Klauseln nutzt. Und wahrscheinlich ist es wohl am besten, wenn man dazu noch gleich in die Schweiz umzieht oder in ein anderes Land ohne Buchpreisbindung ;-)

  • Das könnte Sie interessieren … (XV) | Lesen und gelesen werden – der Bücherblog schrieb:

    [...] Neben der Amazon-Plattform zum eigenen Publizieren gab es lange keine ernst zu nehmenden Alternativen, sofern man sich nicht in die Hände von epubli, bookrix und Co. begeben wollte. Nun hat auch Kobo eine solche Plattform gestartet. Wie das in einem ganz praktischen Fall funktioniert, finden Sie hier … http://www.e-book-news.de/self-publishing-mit-kobo-writing-life-%E2%80%93-ein-quick-guide/ [...]