Home » E-Book-Handel

Self-Publishing mit iBooks author: Apples neues Tool für multimediale E-Books

20 Jan 2012 Ansgar Warner 5 Kommentare

Apple attackiert Amazon: mit der kostenlosen “iBooks Author”-App gibt es jetzt ein komfortables Self-Publishing-Tool, mit dem multimediale E-Books erstellt und direkt im iBookstore angeboten werden können. Gleichzeitig wird Apples E-Reader App iBooks ein Update verpasst – iBooks Version 2 eignet sich nun auch für interaktive 3-D-Objekte, großformatige Bilderstrecken und Video-Animationen. Vorgestellt wurden die Neuerungen bei einem großen Apple-Event im New Yorker Guggenheim-Museum. Hauptziel der Offensive ist der Schulbuch-Sektor. Bereits Steve Jobs hatte sich gegenüber seinem Biografen Walter Isaacson geäußert, dies sei “ein 8-Milliarden-Dollar-Markt reif für die digitale Zerstörung”. Auf dem Apple-Event verkündete nun der stellvertretende Marketing-Chef Philip Schiller: “Der Bildungsbereich ist tief in Apples DNA verankert”. Produziert wird die interaktive Lektüre am Mac, gelesen wird in Zukunft vor allem auf dem Tablet. Denn während Apples intuitiv zu bedienendes Autoren-Werkzeug “iBooks Author” nur auf dem Desktop oder Laptop läuft, will das Unternehmen nun offenbar das iPad zum wichtigsten Lern- und Lesemedium machen. “Das iPad ist unser bisher aufregendstes Bildungs-Produkt”, so Schiller. Weltweit würden bereits mehr als 1,5 Millionen Geräte an Schulen genutzt.

Preise für Schulbücher sinken auf unter 15 Dollar

Schon alleine Apples Schulbuch-Coup könnte die Branche kräftig durcheinander wirbeln. Denn Bildungsverlage wie McGraw-Hill, Pearson oder Houghton Mifflin Harcourt wollen ihre Unterrichtslektüre jetzt via iBooks für 15 Dollar und weniger pro Exemplar anbieten. Die Papierversionen kosten oft das fünffache. Dafür konnten die gebrauchten Schmöker allerdings auch nach dem Ende des Schuljahrs weiterverkauft werden, oft bis zu fünfmal. Einen Second-Hand-E-Book-Markt wird es dagegen dank DRM nicht geben. Somit dürfte sich der neue Vertriebsweg trotz niedrigerer Preise lohnen. Für die Verlage, und natürlich auch für Apple – die “Fruit Company” hat via iBooks 2 nun ebenfalls einen Logenplatz in der Oase der Bildung. Voraussetzung ist natürlich, dass genügend iPads im Umlauf sind. Deswegen hagelte es parallel zum New Yorker “Education Event” harsche Kritik. Denn wie sollen sich Schüler in ärmeren Stadtbezirken ein Luxus-Tablet für (mindestens) 500 Dollar leisten? Sie sind eigentlich eher Zielgruppe für das “One Laptop per Child”-Programm, das kürzlich mit dem X0-3 ein 100-Dollar-Tablet vorgestellt hat.

iBooks Author als neuer Standard im Self-Publishing

Weitaus größere Beachtung dürften normale Publikumsverlage wie auch Autoren aber wohl Apples Offensive im Bereich des Self-Publishing schenken. “Building a book is as easy as dragging and dropping”, verspricht das Unternehmen. Und tatsächlich könnte iBook Author im “enhanced”-Bereich das Zeug zum neuen Standard im E-Book-Publishing haben. Texte aus der Word-Anwendung, Bilder und Videos, ja sogar Elemente aus Präsentationen lassen sich mit Apple-üblichem Komfort zu einem neuen Dokument zusammenstellen. Widgets, Multi-Touch-Felder und Animationen können einfach konfiguriert werden. Inhaltsverzeichnisse und Glossare werden automatisch angelegt. Geschickt spielt Apple hier den strategischen Vorteil der eigenen Geräteplattform aus: zwar mögen bereits Millionen Menschen Kindle-Geräte für die Lektüre nutzen. Doch die meisten Autoren schreiben ihre Texte immer noch auf dem Mac. In Zukunft reichen ihnen ein paar Mausklicks, um den Content in den iBookStore zu bringen. Verkauft werden darf die multimediale Version nur dort, möglich ist zudem der Export von PDFs. Um überhaupt in den Genuss des neuen Tools zu kommen, werden einige der Skribenten wohl auch erstmal aufrüsten müssen. Denn wer iBooks Author zum Laufen bringen möchte, muss mindestens Mac OS X 10.7 (Lion) installiert haben.

5 Kommentare »

  • Peter Hellinger schrieb:

    Nicht unerwähnt lassen sollte man dabei aber, dass die mit diesem Tool produzierten Bücher egal in welcher Form _ausschließlich_ über den iBookstore von Apple verkauft werden dürfen. Von einem Standard-Tool ist sowas weit entfernt.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Tja, sieht ganz so aus. Wenn es wirklich ein Standard wird, dann ein sehr exklusiver. Für “normale” E-Books ohne viel Bling-Bling gibt’s ja zum Glück andere, nicht ganz so alternativlose Standards.

  • MaWoSch schrieb:

    Technisch schaut das schon ganz gut aus. Leider wird Lion vorausgesetzt. Jetzt sollte Apple aber schleunigst nachziehen und den Verkauf auch in Deutschland ermöglichen. Um iBooks zu verkaufen benötigt man eine US-Steuernummer, was zwar möglich ist, aber einen riesen Aufwand bedeutet. Deshalb hinkt der Apple Laden dem von Amazon in Deutschland auch noch weit hinterher.

  • Lizenzbestimmungen zu iBooks Author: Autoren an die Kette gelegt schrieb:

    [...] bezweifelt werden, das sich iBooks Author zum Standardwerkzeug für Autoren etabliert, so wie es Ansgar Warner auf eBook-News schreibt. Die Software ist technisch toll umgesetzt und sicher ein Werkzeug, wie man [...]

  • meinbrennpunkt schrieb:

    Mir missfällt mittlerweile ziemlich, wie Apple vorgeht. Na ja, ich habe da mal ein paar Gedanken zu aufgeschrieben: http://meinbrennpunkt.wordpress.com/2012/01/26/kein-monopol-fur-apple-im-e-learning-bereich-eine-bodenstandige-kritik-an-apple/