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Self-Publishing mit Create Space – ein Erfahrungsbericht

26 Jun 2012 3 Kommentare

Ja, es gibt sie noch, die Leser von Papierbüchern. Und es sind so viele, dass Amazon jetzt eine Möglichkeit geschaffen hat, Bücher von verlagsunabhängigen Autoren neben der Ausgabe als E-Book auch drucken zu lassen. Das realisiert Amazon über seine Tochterfirma CreateSpace. In den USA gab es das schon länger, und seit einigen Wochen nun auch bei uns. Diese Möglichkeit musste ich natürlich sofort ausprobieren. Mein Roman „Krieg um den Mond“ bot sich ideal dafür an. Er stand als E-Book von Januar bis Mai in den Amazon-Bestsellerlisten, und ich habe immer wieder Anfragen nach einer Print-Ausgabe bekommen. Also, eine spannende Story war da und Interesse der Leser ebenfalls.

Bevor ich angefangen habe, spielte ich auf einer der CreateSpace-Seiten mit möglichen Preisen herum, ob sich der Aufwand auch rechnet, denn bei zahlreichen PoD-Anbietern geht zwar vieles, aber am Ende steht ein utopischer Preis. Ergebnis: Mein Buch lässt sich tatsächlich zu einem für Leser guten Preis realisieren und es lohnt sich sogar für den Autor. Also los! Ein Account bei CreateSpace ist schnell eingerichtet. Die Menüführung ist in Englisch, ich konnte ihr aber leicht folgen. Hier spürt man, dass Amazon viel Erfahrung mit Autoren hat. Am besten wählt man „Guided Tour“, bei der man in Einzelschritten durch den gesamten Prozess geführt wird und an grünen Punkten sehr schön ablesen kann, was man schon erfolgreich bewältigt hat.

Am Anfang steht die Qual der Wahl. Welches Format ist das richtige und welches Papier nehme ich? Beim Format habe ich mich an den Büchern orientiert, die ich im Regal stehen habe und die gut in der Hand liegen. Weil „Krieg um den Mond“ auf fast 500 Normseiten kommt, entschied ich mich für ein großformatiges Taschenbuch, 5,25×8 Inches (Amazon gibt die Zentimeter in Klammern an). Das drückt die Seitenzahl auf 390 und damit auch den Endpreis. Die ISBN bekommt man bei CreateSpace gratis, wofür man in Deutschland ca. 80 Euro hinblättern müsste.

Bei Inhalt und Cover gibt es eine Menge Freiheiten – auf die ich alle verzichtet habe. Amazon bietet gute Vorlagen, bei denen ich mich auf der sicheren Seite wusste. Ich hatte keine Lust auf Formatierungsprobleme, die es dann auch nicht gab. Wer etwas Besonderes will, kann es gerne gestalten. Ich wollte nur ein ganz „normales“ Buch. Das Cover und die Rückseite habe ich mit einem gewöhnlichen Web-Design-Programm gestaltet und jeweils als Foto (.jpg) hochgeladen. Beim Text bietet Amazon eine Word-Vorlage, die ich per Copy and Paste gefüllt und als PDF hochgeladen habe. Da kann ziemlich wenig schiefgehen. Trotzdem baut Amazon jede Menge Prüfungen ein, was ich sehr gut finde. Schließlich möchte ich meinen Lesern gute Qualität liefern. Teils erfolgen die Prüfungen automatisch (z. B. ob das Cover eine ausreichende Auflösung für den Druck hat), teils erfolgt sie durch richtige Menschen. Sowas gibt es tatsächlich auch bei Amazon. Die sehen sich in einem Review das Endprodukt an, bevor es mir zu einer letzten Prüfung freigegeben wird. Das ist tatsächlich auch kostenlos.

Ein paar Hürden will ich nicht verschweigen. Wer ein Buch selbst herausbringt, sollte mal einen Blick in das Pressegesetz des Bundeslandes, in dem er lebt, werfen. Auch ein Buch braucht ein Impressum, und das sollte alles nötige enthalten. Und dann braucht man noch eine US-Steuernummer. (Oh Schreck!) Zum Glück bietet Amazon ein ausgefülltes Beispielformular, bei dem ich im Prinzip nur Name und Adresse ändern musste. (Erleichterung!) Das kann man per Post schicken, faxen oder einfach anrufen. Ich habe es gefaxt und dann doch angerufen, weil ich zu ungeduldig war. Vor der endültigen Freigabe für den Verkauf darf man nochmals alles prüfen. Das geht online, per downloadbarem PDF oder indem man sich ein Prüfexemplar schicken lässt. Habe ich alles drei gemacht, weil ich einfach wissen wollte, ob’s geht.

Falls mal etwas schiefgeht, gibt es noch einen Support. Ich hatte unerfahrenerweise weißes Papier gewählt, was ich online nicht mehr ändern konnte. Eine Mail an den Support. und sie haben die Änderung in „Cream“ sogar für mich gemacht.

Jetzt halte ich das fertige Buch in der Hand. Ich bin erstaunt über die Qualität, die einem Verlagsbuch in nichts nachsteht. Ich habe schon schlechtere Verlagsbücher in Händen gehalten. Erstaunt bin ich auch, wie schnell man das Buch bekommt, schließlich wird es für jeden Leser extra gedruckt. Am Samstag bei Amazon bestellt, am Montag hatte ich’s schon zu Hause. Und Staunen zum Dritten: Diese ganze Sache kostet erstmal NICHTS. Als Autor brauche ich kein Kapital, nur meine Zeit und Kreativität. Und dann kommt noch ein Endpreis heraus, der für jeden Leser ganz normal ist. Meine 390 Seiten kosten als hochwertiges, großes Taschenbuch (manche würden sagen „broschiert“) 12,80 Euro. Und verdienen tue ich auch noch etwas dran. Natürlich keine 70%, wie bei E-Books, aber es ist immer noch besser, als mein Anteil an meinem Verlagsbuch. Hier werden viele andere Anbieter ihr Geschäftsmodell überdenken müssen, zumal Amazon auch noch einen attraktiven Vertriebsweg bietet. In den USA kann man für 25$ die Option wählen, dass das Buch auch in allen Buchhandlungen erhältlich ist. Das geht in Deutschland noch (!) nicht. Aber Amazon ist ja nicht unattraktiv, zumal wenn das Buch neben einem E-Book daherkommt.

Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass der Verkauf gut anläuft. Wie üblich hält einen Amazon stündlich aktualisiert auf dem Laufenden – und setzt auch damit Maßstäbe an Transparenz, wie sie der Rest des Buchhandels bei Weitem nicht bietet.

Fazit: Mit einer neuen Materie muss man sich natürlich vertraut machen, aber Amazon hilft mit seinem durchdachten Konzept, guten Vorlagen und zur Not mit einem schnellen, freundlichen Support. Hier hat jeder Autor die Chance zu einem eigenen Buch, ohne dabei arm zu werden (weil er viele Leistungen im Voraus zahlen muss) oder alt zu werden (weil die Verlage doch sehr zögerlich mit Zusagen sind). Ob der Autor dabei reich wird, ist eine andere Frage, die nichts mehr mit Amazon zu tun hat ;-) Mich hat dieses Konzept jedenfalls überzeugt. „Krieg um den Mond“ wird nicht mein letztes Buch mit CreateSpace bleiben.

Autor & Copyright: Klaus Seibel
Mehr Infos zu Klaus Seibels Romanen gibt’s auf der Autoren-Hompage.

3 Kommentare »

  • Das könnte Sie interessieren … (XIII) | Lesen und gelesen werden – der Bücherblog schrieb:

    […] Mit “create space” können Autoren Bücher auf Bestellung herstellen und verschicken lassen. Und das kostenlos. Hier die Erfahrungsberichte zweier Autoren. http://www.e-book-news.de/self-publishing-mit-create-space-ein-erfahrungsbericht/ und http://emilybold.de/create-space-ein-quick-guide […]

  • Elisabet Mardorf schrieb:

    Danke für diesen unkomplizierten motivierenden Bericht. Da müssen sich andere Print-on-Demand- Anbieter aber in Zukunft warm anziehen.Ich wünsche Dir viel Erfolg mit beidem, Print und Ebook!

  • Ingken schrieb:

    Hallo Herr Seibel, danke für diesen informativen Bericht. Das ist ein spannendes Thema, und ich habe mich auch schon mit dieser neuen Möglichkeit der Buchveröffentlichung beschäftigt!