Self-Publishing ist Profi-Publishing: Jeder zweite Indie bereits Experten- oder Berufsautor

self-publishing-studie-bod-2016Dass Self-Publishing mehr ist als ein randständiges, obskures Hobby — wissen wir natürlich schon längst. Nicht umsonst ist das Business rund um Print-On-Demand und E-Book-Direktpublishing inzwischen ein Millionengeschäft, an dem die Großen der Branche von KDP/Createspace über epubli bis zu BoD gut verdienen. Professionalisiert haben sich im Zuge der wachsenden Möglichkeiten aber auch die unabhängigen Content-Produzenten selbst, zeigt die aktuelle „Europäische Self-Publishing-Studie 2016“ von Books on Demand (BoD): schon jeder zweite ist mittlerweile entweder ein Expertenautor, der neben seiner Arbeit als Berater, Journalist o.ä. publiziert, oder tatsächlich ein hauptberuflicher Schriftsteller bzw. Sachbuchautor.

Berufsautoren setzen auf externe Dienstleister

Letztere machen zwar nur 12 Prozent der Indie-Autoren insgesamt aus, arbeiten aber dafür auch am meisten am Text: 15 Stunden pro Woche investieren sie alleine in den Schreibprozess. Anders als Hobby-Autoren sind die Profis auch viel stärker bereit, bei Erstellung, Gestaltung und Vermarktung mit externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten, um die bestmögliche Qualität zu erzielen. Nicht selten werden dabei 1.000 Euro und mehr ausgegeben, um einen Titel fit für den Buchmarkt zu machen. Für jeden zweiten Berufsautor ist das der Normalfall (insgesamt nur für knapp jeden dritten Self-Publisher) — und sogar drei Viertel von ihnen nutzen auf jeden Fall auch ein Lektorat.

Kombination Print On Demand plus E-Book ist die Regel

Das selbst verlegte Buch ist in der Mehrzahl der Fälle ein Print-Buch, und zugleich ein E-Book: 69 Prozent der Self-Publisher in Europa fährt in punkto Medium nämlich zweigleisig. Was theoretisch auch klassische Vertriebswege öffnet. Allerdings bleibt bis auf weiteres der Online-Buchhandel der wichtigste Absatzmarkt, der direkte Weg in die Regale des Buchladens an der nächsten Ecke bleibt für selbst verlegte Titel allerdings noch ein Ausnahmefall.

Kunden fragen Buchhändler vermehrt nach Indie-Titeln

Doch das ändert sich gerade: fast schon jeder zweite der im Rahmen der Studie ebenfalls befragten Buchhändler erhält mehrmals wöchentlich Kundenanfragen zu Self-Publishing-Titeln, die meisten von ihnen geben an, bei entsprechender Nachfrage die Indie-Veröffentlichungen auch ins Programm zu übernehmen. Das dürfte auch deswegen Zukunft haben, weil immer mehr Publisher nicht in die Entweder-Oder-Kategorie einzuordnen sind, sondern als „Hybrid-Autoren“ sowohl für Verlage wie auch auf eigene Rechnung schreiben.

BoD-Self-Publishing-Studie-Europa-2016

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".