Self-Publishing-Day 2014: „Kontakte sind die Grundlage für erfolgreiche Veröffentlichungen“

Selfpublishing in Deutschland boomt – und die Indie-Szene beginnt sich zu organisieren & zu professionalisieren: mit dem „Selfpublishing Day 2014“ findet am Samstag, 12. April nun zum ersten Mal eine Tagung statt, die sich speziell an unabhängige AutorInnen richtet. Im Würzburger Congress Centrum wird eine Mischung aus Vorträgen und Workshops serviert – mit Best-Practice-Beispielen, aber auch Tipps und Tricks für den Autorenalltag. Mit dabei als Speaker bzw. Workshop-Leiter sind Marketing-Experten wie Johannes zum Winkel (XTME), Erfolgsautorin Hanni Münzer oder der Verleger und Schreibcoach Thomas Oberbichler. Zu den vor Ort präsenten Ausstellern gehören für Self-Publisher wichtige Dienstleister wie etwa Neobooks, Books on Demand oder epubli. Insgesamt werden zwischen 80 und 100 Indie-AutorInnen anwesend sein.

Organisiert wird der „Self-Publishing Day 2014“ von digiload24-Gründer Andreas Hollender. Sein Leitspruch: „Mit der Fertigstellung des Buches ist die Arbeit des Autors erst zu 20 % erledigt“. Selbst entdeckte der in der Nähe von Regensburg lebende Unternehmer das Thema Self-Publishing, als er sich vor zwei Jahren mit der Rolle von E-Books als Werbemedium beschäftigte. Die Möglichkeit, jedes Manuskript im Internet zu veröffentlichen und dazu noch Millionen von Menschen zu erreichen, habe ihn von Anfang an fasziniert, so Hollender.

Letztlich führte das zur Gründung der Mediengruppe DigiLoad24, die in den Bereichen Verlagswesen, Marketing und Seminare/Workshops tätig ist. Die Verlagssparte setzt insbesondere Projekte mit Selbständigen, Unternehmen und Experten um. E-Book-News sprach mit Andreas Hollender über die beruflichen Herausforderungen, denen sich Indie-Autoren stellen müssen, und über das Konzept des von ihm organisierten Selfpublisher-Events. E-Book-News ist Medienpartner des Selfpublishing Days – über den Bannerlink in der Sidebar gibt’s einen 50-Prozent-Rabatt beim Kauf von zwei Tickets. Für die Anreise per Bahn sind in Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg zudem vergünstigte Tickets erhältlich, siehe die spezielle Bestell-Info.

E-Book-News: „Mit der Fertigstellung des Buches ist die Arbeit des Autors erst zu 20 % erledigt“, fassen Sie den Workload von Autoren sehr treffend zusammen. Woraus bestehen denn die anderen 80 %?

Andreas Hollender: Aus Verlagssicht sind die 80 % geteilt zwischen Autor und Verlag. Denn nicht überall kann ich als Verleger die Zielgruppe des Buches so ansprechen, wie dies der Autor kann. In einer Besprechung mit dem Autor setzen wir die verschiedenen Punkte, die diese 80 % füllen, fest. Im Grunde sind dies der Vertrieb, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung.
Im Vertrieb schauen wir zuerst, ob es sich lohnen wird, auch eine gedruckte Form des Buches anzubieten. Dann wählen wir die Vertriebspartner, Druckereien und Absatzwege aus. Beim Marketing wählen wir passende online oder/und offline Maßnahmen aus. Hier kann der Autor auch selbst bestimmen, welche Maßnahmen er selbst begleiten möchte.
Dann werden Pressemitteilungen verfasst und der Presseverteiler ausgewählt. Dazu erstellen wir die Geschichte des Autors, damit dieser auch für die Medien interessant wird. So sollte auch jeder Selfpublisher vorgehen, wenn er die Presse begeistern möchte. Zum Ende schauen wir noch, wo es sinnvoll ist, auch Bezahlwerbung einzusetzen, und über welche Kanäle die Zielgruppe erreicht werden kann.

Self-Publisher müssen also sehr viele Dinge können & wissen – wie kann ihnen der Self-Publishing-Day dabei helfen?

Für Selfpublisher ist es extrem wichtig, sich ständig weiter zu entwickeln. Dazu gehört auch Weiterbildung. Da es verschiedene Arten der Weiterentwicklung gibt, wollte ich mit dem Self-Publishing-Day eine Plattform schaffen, bei der sich alle Autoren einmal persönlich austauschen können. Man kennt sich sehr gut in der Szene, aber meist noch nicht persönlich und erst recht nicht im realen Leben. Es ist sehr schwer neue Kontakte zu knüpfen, ohne dass man den Gegenüber im richtigen Leben kennenlernen durfte. Und Kontakte sind die Grundlage für erfolgreiche Veröffentlichungen. Außerdem steht am Self-Publishing-Day besonders der Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Darum sind auch die Vorträge am Vormittag so gewählt. Nachmittags ist dann Praxisteil und hier werden Werkzeuge für die tägliche Arbeit als Autor erlernt.

Self-Publisher stellt man sich gerne als Ein-Mann- oder Eine-Frau-Unternehmen vor. Stimmt das eigentlich so?

Es sind viele Einzelkämpfer unterwegs, und das ist auch ein gewisses Problem. Ich habe als Unternehmer viele positive Stärken aber auch Bereiche, wo ich nicht so fit bin. Also arbeite ich hier mit anderen Leuten oder Unternehmern zusammen, die meine Schwächen ausgleichen können.
Bei den Autoren habe ich festgestellt, dass eben natürlich das Schreiben und die Kreativität genial sind. Die Kreativität reicht dann meist auch noch für das Cover aus. Doch spätestens bei der technischen Umsetzung kommen dann die ersten großen Probleme. Formatierungsfehler, leere Seiten und andere Fehler mindern dann das Ergebnis gewaltig. Selbst der beste Inhalt ist dann nur noch die Hälfte oder gar nichts mehr wert. Ich halte auch nichts von den automatischen Umwandlungen in die eBook Formate der Distributoren.
Autoren sollte sich auf ihre Stärken besinnen und zum Beispiel die technische Umsetzung abgegeben. Klar kostet dies Geld und jeder Autor, der hier nur auf Mittelmaß setzt, wird spätestens bei den Rezensionen die Quittung dafür bekommen.

Gibt’s denn auch schon Zusammenarbeit zwischen Autoren? Inwieweit kann der Selfpublisher-Day das erleichtern?

Am Self-Publishing-Day werden wir Punkte auf der Tagesordnung haben, die den Aufbau eines Netzwerkes ermöglichen. Für die Schwächen jedes einzelnen Autors wird es Autoren geben, die die passenden Stärken haben. Mit so einem Netzwerk lässt sich dann gemeinsam arbeiten, Geld sparen und viele neue Ideen generieren. Und jeder Autor ist nicht auf Anbieter eines Netzwerkes angewiesen, sondern kann sich sein eigenes Netzwerk aufbauen und die Leute persönlich kennenlernen und in gewisser Weise auch testen.

Wie wird der Selfpublishing-Day insgesamt ablaufen – was erwartet die Teilnehmer?

Vormittags warten Erfahrungsberichte erfahrener Autoren, Verleger und bekannte Typen der Szene auf die Teilnehmer. Johannes zum Winkel, Hanni Münzer, Thomas Hoffmann und Lutz Kreutzer werden aus dem tatsächlichen Leben berichten und haben viele Tipps für die Teilnehmer parat. Mittagstisch ist zugleich Networking. Beim Essen gibt es Visitenkartentausch und Kontaktaufnahme der Teilnehmer. Am Nachmittag werden in Workshops verschiedene Themen aus dem Autorenalltag behandelt und praktische Lösungen erarbeitet, die jeder daheim auch anwenden kann. Da immer zwei Workshops gleichzeitig stattfinden, zeichnen wir die Workshops auf und jeder Teilnehmer hat dann auch zu Hause die Möglichkeit die Workshops und die Vorträge am Vormittag stetig anzuschauen. Nach den Workshops findet dann noch eine offene Podiumsdiskussion statt. Hier werden auch unsere Aussteller dabei sein. Die Aussteller sind auch den ganzen Tag im Foyer der Veranstaltung für die Teilnehmer zu greifen. Es sind alle Großen der Branche da und stehen persönlich für Fragen, Anregungen, Kritik zur Verfügung.

Für Fragen zum Self-Publishing-Day steht Andreas Hollender unter support@self-publishing-day.de zur Verfügung.

Abb.: flickr/-closed- look 4 /MyVisualPoetry (cc-by-2.0)

[Aktualisierte Fassung des ursprünglich am 23.01.2014 erschienenen Artikels]

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Self-Publishing-Day 2014: „Kontakte sind die Grundlage für erfolgreiche Veröffentlichungen““

  1. Es gibt keinen legitimen Grund, nichts von der automatischen Umwandlung in E-Book-Formate zu halten, was übrigens auch gleich Print miterledigt, automatisch Formatierungsfehler und leere Seiten vermeidend.

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