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„Self-Publisher sollten in die eigene Weiterbildung investieren“ – Interview mit Andreas Hollender (SPday 2015)

15 Jan 2015

Der Selfpublishing-Markt boomt – und beginnt sich auszudifferenzieren: vom E-Book oder Print On Demand im Direktverkauf bis hin zu plattformgestützem Bundling, Flatrates oder Crowdpublishing ist alles möglich, eine wachsende Zahl von Dienstleistern konkurriert um die Aufmerksamkeit der AutorInnen. Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten möchte der “Selfpublishing Day 2015″ bieten, der am 25. April in Münster stattfindet (E-Book-News ist SPDay-Medienpartner). Mit dabei als Speaker bzw. Workshop-Leiter sind Marketing-Experten wie Johannes zum Winkel (XTME), Erfolgsautorin Poppy J. Anderson oder Selfpublishing-Guru Matthias Matting, vor Ort präsent sind aber auch Service-Anbieter wie epubli, neobooks oder Xinxii. Organisiert wird der “Self-Publishing Day 2015″ von neuDENKEN Media-Gründer Andreas Hollender – den wir im folgenden Interview zu den aktuellen Herausforderungen für Self-Publisher befragt haben.

E-Book-News: Self-Publisher müssen viele Dinge beherrschen, die über das bloße Schreiben hinausgehen, denn schließlich steht kein Verlag hinter ihnen. Zugleich wächst die Konkurrenz auch im Indie-Bereich. Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die man im Jahr 2015 mitbringen sollte?

Andreas Hollender: Nicht still zu stehen. Wie ich es immer wieder betone, sind Self-Publisher Unternehmer und ohne Verlage im Hintergrund. Daher ist die Bereitschaft sich neuen Dingen anzunehmen, den Markt im Auge zu haben und sich immer weiter zu entwickeln das Wichtigste. Gerade im eBook-Bereich gibt es laufend Neuerungen. Die technischen Komponenten und die damit verbundenen Möglichkeiten dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Es sollten schon ein paar Stunden pro Woche sein, die man dafür aufwendet. Man sollte sich auch die wichtigsten Nachrichtenportale der Szene abonnieren und täglich auf den Seiten im Internet vorbeischauen. Dazu wichtige Gruppen in Facebook beitreten. Versuchen sich mit anderen Self-Publishern zu vernetzen und mit diesen auszutauschen. Geeignete Literatur sollte ebenfalls am Schreibtisch nicht fehlen. Der Besuch der Messen in Frankfurt und Leipzig ist ratsam. Auch Seminare und andere Angebote für Autoren sollten nicht außer Acht gelassen werden. Als Unternehmer muss man ständig in die eigene Weiterbildung investieren und zwar sein eigenes Kapital, das man dafür extra bei Seite legen sollte.

Self-Publisher machen ja letztlich gar nicht alles selbst, sie brauchen bei manchen Dingen externen Sachverstand und vertrauen auf bestimmte Dienstleister. Inwieweit kann der Self-Publishing Day dabei helfen, den individuellen Bedarf abzustecken und passende Angebote zu finden?

Wenn Sie mal hundert Self-Publisher zusammennehmen, werden Sie schnell erkennen, dass es hundert Projekte sind, die jeweils ganz auf ihre eigene Art und Weise einzigartig sind. Jeder bringt andere Voraussetzungen mit. Sei es beim Wissensstand, Talent, finanziellen Ressourcen, technischen Kenntnissen oder die Begeisterung für das Medium Buch. Daher gibt es keine Pauschalisierung, und somit ist für jeden Self-Publisher eine andere Dienstleistung notwendig. Jeder Einzelne muss für sich selbst entscheiden, welchen Anbieter er auswählt. Die Dienstleistungen für Self-Publisher steigen rasant an – es ist nicht immer einfach, dabei den Überblick nicht zu verlieren. Daher war es mir wichtig, die Anbieter an einem Ort zu vereinen und zu ermöglichen, dass jeder Self-Publisher in Ruhe seine individuellen Probleme und Wünsche in einem vier Augengespräch mit den Ausstellern klären kann. In Würzburg am SPDay14 hat man gesehen, dass dies für viele ein Hauptgrund für die Teilnahme war.

Oft ist von erfolgreichen Indie-Autoren die Rede, die populäre Genres bedienen, etwa Fantasy, Horror, Herzschmerz. Aber Belletristik ist ja nur ein Teil des Marktes. Welche Chancen bietet Self-Publishing eigentlich Sachbuch-Autoren – gerade auch Profis wie etwa Journalisten, Wissenschaftlern oder Unternehmern, die sich selbst stärker zur Marke machen möchten?

Eine sehr große. Der Status, ein Buchautor zu sein, ist nach wie vor eine Einladungskarte für viele Bereiche in der Wirtschaft, die sonst verwehrt geblieben wäre. Die eigenen Erfahrungen, sein Wissen in einem Buch niederzuschreiben, kann oft der Anfang etwas ganz Großen sein. Ich kenne viele Speaker und Trainer, die zuerst ihr Buch geschrieben haben und dann richtig durchgestartet sind. Die eigene Marke mit einem Buch zu stärken, ist eine einfache Möglichkeit, die eigene Bekanntheit zu steigern.

Der Self-Publishing-Trend ist schon ein paar Jahre alt, und auch viele deutsche Autoren haben schon längere Zeit Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können. Was für einen Eindruck von der „Branche“ haben Sie auf dem letzten SPDay gewinnen können – auf welchem Level bewegen sich die deutschen Indie-Autoren?

Ich konnte eine klare Professionalisierung erkennen. Was aber zugleich auch bedeutet hat, dass einige Federn lassen mussten. Nur wer es wirklich ernsthaft betreibt, ist im Self-Publishing erfolgreich. Auch in Würzburg konnte man dies erkennen. Ebenso im Vorfeld. Die Leute, die meist negativ darüber gesprochen haben, kann ich heute kaum mehr wahrnehmen. Die Ewiggestrigen sind wieder zurück auf ihrer Couch und legen die Beine hoch. Die Macher sind erfolgreich und können großartige Erfolge vorzeigen. Und die, die wirklich wollen, haben auch den Erfolg. Denn diese sind sich nicht zu schade, um sich bei Regen in die Fußgängerzone zu stellen und 50 Flyer zu verteilen. Was mit einem persönlichen Gespräch für fünf Verkäufe gut ist. Diese Macher sind es eben, die noch auf meinem Bildschirm sind und ich staune immer wieder, wenn ich sie dann auf VOX oder im ZDF sitzen sehe. Und das als „kleiner“ Self-Publisher im großen Haifischbecken der Buchbranche.

Wie wird der Selfpublishing-Day 2015 ablaufen – was erwartet die Teilnehmer?

Wir haben uns stark am Self-Publishing-Day 2014 orientiert, da dieser sehr gut von den Teilnehmern bewertet worden ist. Nach der Anmeldung und Begrüßung finden sofort die ersten Vorträge statt, nach einer kleinen Kaffeepause mit Frühstück dann parallel die vier Workshops. Damit in den Workshops auch gearbeitet werden kann, sind diese auf 30 Teilnehmer begrenzt. Am Morgen bei der Anmeldung können die Workshops gebucht werden. Das Mittagessen kann direkt am Veranstaltungsort eingenommen werden. Somit kann auch die Mittagspause effektiv für Kontaktaufbau oder für ein Gespräch mit den Ausstellern genützt werden. Nach weiteren Vorträgen finden nochmals jeweils vier Workshops statt. Die Workshop-Themen werden im Februar veröffentlicht, so können wir auch auf neue Trends wie Kindle Unlimited eingehen. Die Referenten steigen in die Tiefe der Materie ein, damit wir dort ansetzen können, wo viele noch Wissenslücken haben. Mein Anspruch ist es, den Teilnehmern zu zeigen – trotz der Konkurrenz unter den Self-Publishern – wie jeder sein Talent nutzen und für sich umsetzen kann.

Abb.: Christian Gonzalez/Flickr (cc-by-2.0)