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„Self-Publisher kennen die Fallstricke von DRM, und verzichten darauf“ – Interview mit Emily Bold

13 Mai 2013 0 Kommentare

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Zur wachsenden Schar von DRM-Gegnern gehören neben LeserInnen und VerlegerInnen auch viele Schreibende, insbesondere Self-Publisher. Doch warum ist das eigentlich so? Wir haben zum Abschluss der Blogparade „Lesen ohne Limit“ bei Emily Bold nachgefragt – sie gehört mit einer Romanserie rund um „Paranormal Romance“ („The Curse“) wie auch historischen Liebesromanen (z.B. der „Windham-Reihe“) zu Deutschlands erfolgreichsten Indie-Autorinnen. Übrigens nicht nur via E-Book: denn über Amazons POD-Service Createspace sind Emily Bolds Romane auch als Taschenbuch lieferbar. Zuletzt wurde sogar Amazon.com auf die in Mittelfranken lebende Self-Publisherin aufmerksam – die englische Fassung von „The Curse / Vanoras Fluch“ erschien jetzt neu übersetzt im Rahmen des unternehmenseigenen Imprints „Amazon Crossing“.

Ob Fantasy, Romance oder Horror – große Verlage setzen da immer noch auf Digitales Rechte Management. Du hast wie viele andere Self-Publisher auch von Anfang an darauf verzichtet – und bist trotzdem erfolgreich. Warum ist der Verzicht auf DRM für Self-Publisher eigentlich so selbstverständlich?

Emily Bold: Das stimmt so nicht ganz – ich habe Gefährliche Intrigen im Mai 2011 bei Amazon MIT DRM veröffentlicht – ich wollte natürlich mein Debüt-Werk mit allen Mitteln schützen &#x263A Erst als ich mit The Curse-Vanoras Fluch mein zweites Buch veröffentlichte und mich im Vorfeld intensiver mit dem Thema DRM befasst hatte, kamen mir Zweifel an der Sinnigkeit. Der Musikindustrie hätte dieser Schutz beinahe das Genick gebrochen, das wollte ich für mich – soweit möglich – vermeiden. Ab diesem Zeitpunkt verzichtete ich für meine eBooks überall dort, wo ich die Möglichkeit hatte, auf DRM. Ich denke, der Verzicht auf DRM liegt bei den meisten Self-Publishern darin begründet, dass diese sich mit der technischen Seite von eBooks und eReadern beschäftigen und daher auch um die Fallstricke der Technik wissen. Andererseits kenne ich viele Leser, die völlig unbedarft an das Thema DRM herangehen – Amazon z. B. verpackt seinen Schutz ja sehr smart, in den meisten Fällen merkt der Kunde überhaupt nicht, dass das eBook geschützt ist. Bei Readern mit Adobe DRM sieht das etwas anders aus, denn ohne Registrierung mittels einer Adobe-ID geht nichts. Ich selbst hatte massive Probleme beim Übertragen eines eBooks von einem Nook 1st Edition auf einen Kobo Reader – Adobes DRM hat, obwohl beide Reader dies unterstützen, die Zusammenarbeit verweigert. Spätestens dann, wenn man an so einen Punkt kommt, hinterfragt man den Sinn, Nutzen und natürlich auch die zusätzlichen Kosten von DRM.

Wie reagieren deine LeserInnen darauf, dass deine E-Books einfacher zu handhaben sind als Verlagsversionen?

E.B.: Wie schon eben erwähnt, merken die meisten Leser nichts davon, ob ein Buch geschützt ist, oder nicht. Mit der Entscheidung für einen Reader wählt man fast immer auch einen daran angeschlossenen Shop sowie automatisch die entsprechende DRM-Lösung (solange man sich im dazu passenden Ökosystem bewegt). Die Grundstimmung sowohl von Lesern als auch von Seite der meisten Autoren geht aber ganz klar gegen DRM. Übrigens soll Mitte des Jahres mein eigener Shop online gehen – in dem alle meine eBooks ohne DRM erhältlich sein werden.

Auch beim Pricing deiner E-Books spielst du ja einen Vorteil gegenüber Verlagen aus – deine Romane liegen zwischen 99 Cent und 5 Euro. Welche Rolle spielt deiner Meinung nach die Kombination aus richtigem Pricing und DRM-Verzicht?

E.B.: Ich glaube, der Verzicht auf DRM wird aktuell noch nicht direkt vom Leser honoriert – sehr wohl aber ein angemessener Preis. Und obwohl ein eBook in der Produktion sicherlich keine großen Kosten verursacht, kostet die Lösung mit DRM natürlich einen Aufpreis, den der Kunde zahlen muss. Je weiter sich aber das digitale Lesen entwickelt (mittlerweile gibt es erste Arztpraxen, die statt Zeitungen eReader in den Wartezimmern liegen haben), umso mehr werden sich die Kunden / Leser damit auseinandersetzen. Und spätestens wenn den Kunden klar wird, dass beim Kauf eines eBooks nur ein Nutzungsrecht erworben wird, welches von DRM reglementiert wird, kommt es zu Unmut. Im Übrigen bin ich mir sicher, dass kein Verlag die teilweise derart hohen eBook-Preise erklären könnte, wenn er müsste: Dan Browns Inferno für 19,99 Euro – der Preisvorteil zum Festeinband beträgt nur 6,01 Euro… an den hohen Produktionskosten für die digitale Ausgabe liegt das sicher nicht &#x263A

Deine Romane sind auch gedruckt über Amazons POD-Service Createspace erhältlich. Wirkt sich der Erfolg im E-Book-Bereich eigentlich auf die Taschenbuch-Versionen aus, d.h. inwieweit lohnt es sich also, den Zugang zu den E-Books möglichst niedrigschwellig zu machen, was Preis und sonstige Barrieren betrifft?

E.B.: Das ist schwer zu sagen, denn sicher interessiert es nur die wenigsten Printbuch-Leser, was ein eBook kostet. Zwar mag sich der zufriedene eBook-Leser manchmal noch das Taschenbuch kaufen, aber in der Regel treffen diese beiden Welten nicht aufeinander. Natürlich ist es immer gut, wenn im ersten Schritt viele dein E-Book kaufen, aber besser wäre es, sie würden dann auch darüber reden. Der Erfolg eines Printbuchs geht bestimmt nicht vom günstigen Preis des E-Books aus. Dann müssten ja alle Autoren Bestseller schreiben, denn – trotz DRM – sind nahezu alle Bücher kostenlos illegal erhältlich!

Abb.: Guido Karp für www.p41d.com

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