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See you later, Aggregator: Rivva ist tot, es lebe die Blogosphäre

8 Feb 2011 0 Kommentare

rivva-ist-totRivva ist down, Rivva ist tot, R.I.P. Rivva: Wieder gilt es Abschied nehmen von einem Aggregator-Service. Diesmal ist es noch trauriger als beim Commentarist – denn die von Frank Westphal bereits 2007 gestartete Website war so etwas wie der heilige Gral der deutschen Blogosphere. Oder besser gesagt: ein Live-Monitor, an dem sich das tägliche Weben und Streben von Alpha, Beta und Gammelbloggern quasi in Echtzeit verfolgen ließ. Ausgeklügelte Algorithmen hoben die aktuellsten und am meisten verlinkten – also populärsten – Stories auf den Schild, sprich auf die Startseite. Schnell bildete sich ein Rattenschwanz an Erwähnungen, Kommentaren und Social-Media-Reaktionen im freien Web. Thematisch verwandte Postings wurden auf Rubriken-Seiten gruppiert. Wer sich orientieren wollte, was gerade angesagt war, schaute bei Rivva vorbei, und manche konnten gar nicht mehr wegschauen. Nicht umsonst warnte Westphal: „Rivva macht süchtig“. Rivva war eine digitale Designerdroge, aber zugleich nicht nur kalte Technik. Aggregatoren programmieren können viele – aber mit seiner speziellen Kombination aus „Maschinenintelligenz plus menschlichem Bauchgefühl“ eroberte Westphal die Herzen der Blogosphere im Sturm.

Monetarisieren liess sich das Projekt leider nicht

Zum menschlichen Faktor gehörte im Kern auch die handverlesene Auswahl der Referenzblogs, die wiederum für die Nominierung von weiteren Mitgliedern des „Zitierkartells“ verantwortlich zeichneten. 

Rivva war in aller Munde, Rivva war eine Autorität, aber mit Rivva reich werden, das fiel aus. Monetarisieren ließ sich das Projekt nämlich nicht, zumindest nicht in ausreichendem Maße. Und auch die Blogosphere veränderte sich, Westphal registrierte eine sinkende gegenseitige Verlinkung, und auch eine thematische Verflachung. Ein Problem, mit dem auch viele Social Bookmarking-Dienste zu kämpfen haben: irgenwann besteht fast alles aus Links auf SPOL & Co. Denn Aggregatoren sind die großen Nachrichtenportale auch – sie aggregieren die Aufmerksamkeit der großen Mehrheit. 2009 dachte Westphal dann schon mal daran den Stecker zu ziehen, feilte dann aber schließlich lieber weiter an den Algorithmen.

„War schön dich zu programmieren – mach’s gut, alter Freund“

Doch nun ist endgültig Schluss. Die Startseite sieht aus wie ein Grabstein: Rivva 2007-2011 steht da. Und als erster Kommentar vom Meister selbst:
 „War schön dich zu programmieren, Rivva, auch wenn du blöder Bot häufiger eine Schraube locker hattest. Machs gut, alter Freund.“ Die Seite war aber so gut, dass man eigentlich nicht sagen möchte: Ruhe in Frieden. Sondern eher: Stehe auf und wandle! Vielleicht überzeugen den Rivva-Macher die zahlreichen Kommentare, die zum Weitermachen aufrufen. Viele Rivva-Freunde sind offenbar auch bereit zu spenden. Rivva plus Crowdfunding? Wäre wohl eine Idee, die in die Zeit passte. Einen Trost gibt es aber: in den nächsten Tagen geht „Newsgrape“ online. Vielleicht schaffen es ja die Erfinder des „Youtubes für Texte“, mit ihrer Plattform den Traum von Westphal zu verwirklichen – die „lernende Zeitung, eine Frank-Schirrmacher-Maschine, die umso besser wird, je länger man sie benutzt.“

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