Home » Pro & Kontra

„Schwerwiegender Markteingriff“: Monopolkommission nimmt Buchpreisbindung unter Feuer, Preisbindungs-Lobby schießt zurück

30 Mai 2018

monopolkommission-kontra-buchpreisbindungWar’s am Ende nur eine (Vor)-Sommerloch-Geschichte, längst wieder vergessen, wenn die Tage wieder kürzer werden? Kaum hatte die unabhängigen „Experten“ der Monopolkommission am Dienstag in einem Sondergutachten die Buchpreisbindung in Bausch und Bogen verdammt („schwerwiegender Markteingriff“, „nicht klar definiertes kulturelles Schutzziel“, etc.), gab die Preisbindungs-Lobby kräftig kontra, und gab sich zugleich gelassen: schließlich wisse man die Politik auf seiner Seite.

Die habe ja erst 2016 mit der Ausdehnung der Preisbindung auf E-Books ein klares Signal für eine vielfältige Buchhandels- und Verlagslandschaft auf dem weltweit zweitgrößten Buchmarkt gesetzt. Prompt kam auch die Kavallerie direkt aus dem Zentrum der Macht zu Hilfe: „Die Empfehlung der Monopolkommission macht micht fassungslos“, verlautbarte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die deutsche Literaturlandschaft sei ein „Grundpfeiler unserer Kulturnation“, und dabei komme der „Buchpreisbindung eine geradezu entscheidende Rolle zu“.

Grütters schrieb den Juristen, Ökonomen und Wirtschaftspraktikern von Kali & Salz bis Telekom in der Kommission ins Stammbuch, sie degradierten „mit ihrer Betonung des wirtschaftlichen Aspekts den Wert und die gesellschaftliche Funktion des Kulturguts Buch zur bloßen Handelsware“. Gerade angesichts der Marktmacht einiger weniger global agierender Internetkonzerne sei ein Eingriff in den Markt in diesem Fall angebracht.

Tatsächlich scheint für die Kommissionsmitglieder die Literatur ein Buch mit sieben Siegeln zu sein, anders kann man es sich nicht erklären, dass sie die Buchpreisbindung mit der Arzneimittel-Preisbindung vergleichen. Letzlich war das Sondergutachten wohl nur so etwas wie eine lästige Pflichtübung, eine wiederholte dazu, im doppelten Sinne, denn nicht nur viele Argumente, auch die viele Daten, auf die sich das Gutachten stützt, sind genauso alt wie die letzte Empfehlung kontra Preisbindung vor knapp 20 Jahren.

Über jeden Zweifel erhaben ist die Buchpreisbindung allerdings nicht — für E-Books macht sie keinen Sinn, genauso wenig wie für Hörbücher, für die sie auch tatsächlich nicht gilt. Auch die Ausdehnung der Preisbindung von Verlagstiteln auf professionell vertriebene Self-Publishing-Titel — eine Preisbindung, die es de jure gar nicht gibt, de facto aber doch praktiziert wird — lässt sich mit kulturstaatlichen Schutzzielen nur schwer begründen. Denn E-Books allgemein wie auch Self-Publishing-Printtitel werden hauptsächlich online vertrieben.

(via boersenblatt.net)