Schreib mal wieder 2.0: Futuristischer Handschriften-Robot simuliert persönliche Briefe

Dank cleverer Algorithmen können Maschinen Buchstaben erkennen („OCR“) oder nach Diktat Texte verfassen („Speech Recognition“) – nun kommt eine weitere Fähigkeit dazu: mit Stift und Papier kritzeln, und zwar exakt im Stil unserer persönlichen Handschrift. Der flinke Roboter-Arm des New Yorker Startups Bond macht das bereits so schnell und so realistisch, dass sich ein völlig neues Geschäftsmodell eröffnet, nämlich offline sehr persönlich anmutende Karten oder Briefe zu verschicken, deren Text online via Tastatur eingegeben wurde. Einzige Voraussetzung: man muss zuvor eine Schriftprobe zu Papier bringen, einscannen und an Bond mailen.

Robo-Hände schreiben hunderte Briefe pro Tag

Im Unterschied zu älteren Print-Services wie Pilot Pens oder MyScriptFont geht es dem Startup-Unternehmer Sonny Caberwal aber nicht darum, einfach nur individuelle Fonts herzustellen. Caberwals Software analysiert zahlreiche Eckdaten wie Abstände, Neigungswinkel, Ligaturen, um daraus Bewegungsmuster zu gewinnen, die dann vom Roboterarm zur nahezu perfekten Simulation genutzt werden. Im New Yorker High-Tech-Skriptorium von Bond bringen ein Dutzend solcher Maschinen pro Tag derzeit bereits mehr als 500 – 700 „Manuskripte“ zu Papier, eine robohandgeschriebene Karte gibt’s schon ab 3 Dollar.

Massen-Mailings mit persönlicher Note

Absender der futuristischen Faksimiles sind aber in der Regel nicht schreibfaule Familienmitglieder, sondern gewiefte Marketing-Abteilungen großer Firmen – sie können auf diese Weise z.B. zu Weihnachten individuelle Grußkarten in hoher Auflage an ihre Kunden verschicken, und auf einen entsprechenden Aufmerksamkeits-Effekt hoffen (einen ähnlichen Service – aber „nur“ mit robohandschriftlichen Standardschriften – bietet hierzulande pensaki.com). Letztlich, so Caberwal gegenüber Fast Company, gehe es auch im digitalen Zeitalter um den menschlichen Faktor: „Wir möchten Komfort, wir wollen aber auch Gefühle mit den Dingen verbinden – der emotionale Kontext bleibt wichtig. Gute Kommunikation löst als Antwort immer auch Emotionen aus.“

Kritzeln wie Nikola Tesla

Wenn’s ganz schnell gehen soll (bzw. billiger, die individuelle Handschriften-Analyse kostet 199 Dollar), kann man auf der Bond-Website auch zwischen verschiedenen Muster-Handschriften wählen, die obige Preview einer Postkarte etwa wurde in der Handschrift des legendären Ingenieurs und Physikers Nikola Tesla aufs virtuelle Papier geworfen. Teslas kalligraphische Klaue kam bei den Nutzern übrigens so gut an, dass Bond in Kürze weitere Handschriften prominenter Zeitgenossen ins Programm aufnehmen wird.

(Via Fast Company)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".