Home » E-Comics

Schön bunt & schön groß: Apples iPad könnte für E-Comic-Branche zum “Game Changer” werden

3 Feb 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

E-Comic Comixology iPad.gifBelletristik auf dem iPad – schön und gut. Aber was sind Buchstaben gegen Superman!? Tatsächlich könnte Apples neues Tablet dem E-Comic zum Durchbruch verhelfen – alles, was dem mobilen Comic-Erlebnis auf iPhone oder iPod Touch noch fehlt, ist ein größeres Display. Beim E-Comic-Spezialisten wie IDW oder ComiXology wird schon fleißig an Apps für den iPad gearbeitet.

Wenn es um Comics geht, ist das iPad auf jeden Fall ein Kindle-Killer


Wenn es um die bunten Bildergeschichten geht, ist Apples iPad auf jeden Fall ein Kindle-Killer. Farbe ist bei Comics ein Muss – so lange E-Ink-Displays zwar gestochen scharfe, aber eben nur monochrome Bilder liefern, sind sie für bunte Strips eher ungeeignet. Nicht umsonst sind E-Comics selbst auf den vergleichsweise winzigen Farb-Displays von Smartphones bereits äußerst erfolgreich – vorausgesetzt, sie wurden für die mobile Lektüre entsprechend aufbereitet. Spezielle E-Comic-Apps von Anbietern wie Ave!, IDW oder ComiXology ermöglichen schon seit einiger Zeit auf iPhone oder iPod Touch hohen Lesekomfort. Die Geschichten lassen sich Panel für Panel verfolgen, das Touch-Screen kann oft nicht nur zum Umblättern genutzt, sondern auch zum Zoomen. Der “Wrist-Flip” bei IDW nutzt sogar den G-Sensor: der Panel-Wechsel wird mit einer leichten Handbewegung ausgelöst.

Mit dem 9-Zoll-Display lassen sich Comics im amerikanischen Format fast in Originalgröße lesen


Die Übertragung eines Comics oder einer Graphic Novel auf das 9,7-Zoll-Display des Apple Tablet würde im Vergleich zum iPhone ganz anders aussehen – denn man könnte mehrere Panels gleichzeitig darstellen. Amerikanische Comics haben meist ein kleineres Seitenformat (6.625 mal 10.25 Zoll) als in Europa, das heißt viele Print-Serien ließen sich sogar direkt für das iPad formatieren. In der Comic-Branche hat Apples iPad-Premiere in San Francisco dementsprechend auch einige Euphorie ausgelöst. “Langfristig dürfte das einen deutlichen Effekt haben, denn viele Sachen die wir herausgeben können dann in einem Format gelesen werden, welches der Originalgröße sehr nahe kommt”, bestätigte etwa Chris Staros von Top Shelf, einem Underground- und Graphic-Novel-Verlag, gegenüber Publishers Weekly. Tatsächlich arbeitet Top Shelf zur Zeit an Apps für iPod wie iPad. Zuversichtlich äußerte auch Jeff Webber von IDW: “Das ist ein wunderbares Gerät für durchgehend farbige Comics. Ich würde zwar keinem Gadget zutrauen, die gesamte Branche komplett umzukrempeln, aber das iPad könnte schon eine entscheidende Rolle spielen.”

Marvel plant den nächsten Schritt: Vom E-Comic zum Motion Comic


Der besondere Vorteil für alle Verlage, die bereits jetzt iPhone-Leser mit Lesestoff versorgen: Mit iBooks hätte man zudem sofort eine passende Verkaufsplattform und könnte auf viele Kunden zählen, die bereits regelmäßig E-Comic-Apps via iTunes geshoppt haben. Bei IDW ist man deswegen vorbereitet: “Sobald das iPad auf dem Markt ist, wird IDW alle seine Apps in einer angepassten Version anbieten”, so Webber gegenüber Publisher’s Weekly. Grundsätzlich ist die Strategie von IDW jedoch auf alle mobilen Geräte ausgerichtet, inklusive Reader mit E-Ink-Display. Ähnlich denkt man bei ComiXology, deren iPhone-App bereits jetzt zu den beliebtesten E-Comic-Anwendungen bei iTunes gehört. “Wir arbeiten gerade an einer Demo-Version für das iPad”, so ComiXology-Chef David Steinberger. Ein interessantes Preview gibt es bereits jetzt im Web. Content von ComiXology soll nicht nur auf iPhone, iPod Touch und iPad lesbar sein: “Wir werden viele verschieden Plattformen bedienen, ob iPad, Android-Geräte oder das Web. Wer bei uns Comics kauft, braucht nur ein einziges Passwort, und kann sie auf allen Geräten lesen”. Die Rolle des iPads könnte jedoch nicht allein auf die Übertragung bisheriger Konzepte beschränken. Als Marvel-Chef Joe Quesada das Apple Tablet bei einer Podiumsdiskussion als einen “Game Changer” für die gesamte Branche bezeichnete, meinte er damit nicht nur “normale” Text-Bild-Geschichten, sondern vor allem auch das neue Genre Motion Comics.

3 Kommentare »