Home » E-Book-Reader, Testberichte

Schneller shoppen, schöner lesen: Kobo eReader Touch Edition im Test

9 Aug 2011 Ansgar Warner 10 Kommentare


Touch-Screen plus WiFi wird zum neuen Standard für E-Reader. Kobos kompaktes neues 6-Zoll-Gerät bringt aber noch eine Reihe weiterer Features mit: neben der Syncing-Fähigkeit zwischen Kobo-App und Kobo-Reader gehört dazu die „Reading Life“-App, mit der sich die persönliche Leseleitung visuell auswerten lässt. Optisch kommt der Kobo Touch wie ein Tablet daher – bis auf den Home-Button sind alle Bedienelemente auf das Display gewandert. Wie bei Kobo üblich ist nicht nur das Gehäuse sorgfältig designt, sondern auch die grafische Menüführung wirklich was für’s Auge. Für 129 Euro ist Kobos neues Lesegerät seit Mitte November in Deutschland lieferbar -- zur Zeit ausschließlich über den Elektronik-Discounter Redcoon. [Update: Seit Mai 2012 wird der Kobo Touch für 99 Euro angeboten]

Viel Lese-Komfort, aber keine Audio-Funktionen

Kobo-Store und Kobo-App sind bereits in Deutschland angekommen, demnächst folgt mit dem Kobo Touch auch der passende E-Reader dazu. Höchste Zeit also, sich das Gerät mal näher anzusehen. E-Book-News hat die englischsprachige Version des neuen Lesegerätes made in Kanada getestet -- eine “lokalisierte” Firmware gibt’s nämlich offiziell noch nicht. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat Kobo den Reader deutlich verschlankt – von den Maßen her ähnelt der neue Kobo Touch der Reader Touch Edition von Sony, ist mit nur 185 Gramm Gewicht aber deutlich leichter. Auf mediale Extras wie das Abspielen von MP3s muss man allerdings verzichten, der neue Kobo Touch ist ein reines Lesegerät. Erster Eindruck: Die Kombination von kontraststarkem Pearl-E-Ink, Infrarot-Touch-Technologie und schnellem Prozessor macht die Lektüre besonders komfortabel. Das Display reagiert angenehm schnell, per Fingerwisch oder Fingertipp gelingen rasante Seitenwechsel. Und Shoppen im integrierten E-Store macht via Touch-Screen wirklich mal Spaß.

Am Desktop-Manager kommt niemand vorbei

Lieferbar ist der Kobo Touch in den Gehäusefarben weiß und schwarz, beim gemusterten Griffprofil auf der Rückseite hat man jeweils die Wahl zwischen lila, blau, silber und schwarz. Neben dem Home-Button und Einschaltknopf hat das Gerät einen Einschub für SD-Karten sowie einen Mikro-USB-Port. Zum Lieferumfang gehört neben dem Reader selbst ein Schnellstart-Guide sowie ein USB-Ladekabel. Ganz so schnell geht der Start allerding nicht vonstatten: Um den Kobo Touch normal nutzen zu können, muss man zunächst den Kobo-Desktop-Manager auf PC oder Mac installieren, den Reader via USB verbinden und online registrieren. Wer noch kein Kobo-Account hat, kann sich während dieser Prozedur mit Namen und E-Mail-Adresse neu anmelden. Wurde zuvor bereits die Kobo-App auf iPhone oder iPad installiert, synchronisiert der Desktop-Manager automatisch die E-Bibliothek und überträgt bereits gekaufte E-Books auf den Reader. Außerdem wird die neueste Firmware (Version 1.9.9) aufgespielt, die u.a. erweiterte Menüfunktionen für die Leseansicht und zusätzliche Fonts bereitstellt.

Zu Gast auf dem Home-Screen

Ausgangspunkt für alle Streifzüge durch das Kobo Touch-Menü ist der Home Screen. Im Zentrum blickt man auf ein Cover-Mosaik der gerade gelesenen E-Books. Mit „Library“, „Store“ und „Reading Life“ hat man per Fingertipp direkten Zugang zur E-Bibliothek, zum E-Store sowie zu den Reading-Life-Funktionen. Drei kleine Symbole führten zu den Geräte-Einstellungen (etwa: W-LAN-Konfiguration), der Bedienungsanleitung sowie zur drahtlosen Synchronisierung zwischen Reader & Kobo-Account. Die E-Bibliothek bietet nicht nur verschiedene Ansichten von der Liste bis zum einzelnen Cover-Bild, sondern auch die Sortierung nach Autor, Titel oder letztem Lesedatum. Die Lieblings-Titel kann man zudem einer separaten „Shortlist“ zuordnen. In einer Extra-Liste sind die Leseproben versammelt. Ein paar Dutzend befinden sich bereits im Lieferzustand auf dem Reader, weitere kann man sich im E-Store kostenlos herunterladen.

Shoppen und lesen

Via W-Lan-Verbindung gelangt man direkt in den deutschen Kobo-Store, der bereits mit mehr als 80.000 Titeln gefüllt ist. Neben kommerziellen E-Books (Fiction/Non-Fiction) gibt es auch eine Rubrik mit kostenloser Lektüre. Standard-Format im Kobo-Store ist epub mit Adobe DRM, diese Dateien werden in der E-Bibliothek dann auch entsprechend angezeigt („Kobo epub“). Nur bei solchen Titeln lassen sich -- abgesehen vom Wörterbuch -- erweiterte Textfunktionen nutzen, also das Markieren von Passagen oder das Teilen von Zitaten via Facebook. Die Leseansicht kann bei allen epub-Titeln komfortabel angepasst werden – von der Auswahl verschiedener Schrifttypen über Fontgröße, Zeilenabstand, Seitenrand bis hin zum Block- oder Flattersatz. PDF-Dokumente können in mehreren Stufen gezoomt werden, mit dem Finger auf dem Display scrollt man dann auf der jeweiligen Seite hin- und her. Wer sich genauer über die eigene Leseleistung informieren will, kann dazu die Reading-Life-App nutzen. Unter „Reading Stats“ wird etwa angezeigt, wieviele Stunden man bereits im aktuellen E-Book gelesen hat, und wieviele E-Books insgesamt schon konsumiert worden sind. Als besonderes Incentive gibt’s bei bestimmten Leistungen spezielle „Awards“, etwa, wenn man besonders oft das Wörterbuch benutzt („Word up!-Award“), Textpassagen via Facebook teilt („Facebook-Award“) oder zur Geisterstunde liest („Witching Hour-Award“).

Versteckte Extras

Einige zusätzliche Funktionen des neuen Kobo-Touch sind leider etwas versteckt: so etwa der integrierte Web-Browser. Man aktiviert ihn über Settings/Wireless Connection. Wie alle E-Ink-Surfumgebungen ist auch diese nur bedingt zu gebrauchen. Doch es gibt weitere “Nice to have”-Elemente: Unter Settings/Extras verbirgt sich ein kleines Zeichenprogramm, mit dem sich Ad-Hoc-Fingerskizzen auf dem Touch-Screen erstellen lassen. Gut zu wissen ist außerdem, dass man in der Leseansicht unter “Advanced Settings” auch die Page-Refresh-Rate verändern kann. Voreingestellt ist ein kompletter Page-Refresh bei jedem sechsten Umblättern, um den Seitenwechsel zu beschleunigen. Wird die Seite jedoch nicht jedesmal komplett gelöscht, bleiben ein paar Spuren erhalten, es stellt sich ein störender „Ghosting-Effekt“ ein. Stellt man einen niedrigeren Wert ein, bessert sich das. Insgesamt liefert Kobo mit der kompakten Touch-Version ein ebenso solide wie liebevoll designtes Lesegerät, das durch seinen Komfort gerade Viellesern entgegenkommen dürfte. Die Gretchenfrage im E-Ink-Bereich dürfte ab jetzt lauten: Kindle oder Kobo?

Kobo Reader Touch Edition


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen,
600x800 Pixel (16 Graustufen)

Masse & Gewicht

114mm X 165mmx10mm; 200 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Prozessor

Freescale 508 Processor

Interner Speicher

1 GB, erweiterbar durch Mikro-SD-Karte (max. 32 GB)

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF

Zus. Features

Reading-Life-App, E-Store

Preis

99 Euro (Redcoon)

10 Kommentare »

  • Don_Julez schrieb:

    Soweit ich weiß wurden mit dem Software Update die erweiterten Textfunktionen wie Wörter nachschlagen, Passagen markieren, etc., für nicht Kobo Ebooks freigegeben? Oder ist das in der deutschen Version noch nicht der Fall?
    Danke, Julian

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Danke für den Hinweis. Hab’s jetzt noch mal ausprobiert: Die Wörterbuchfunktion funktioniert bei Nicht-Kobo-epubs, Highlighting und Facebooken aber nicht. Natürlich ist das Wörterbuch aber auch nur das Merriam-Webster, nützt also bei deutschen Texten nicht. Aber das kann sich ja bei der lokalisierten Kobo-Version dann noch ändern…

  • Micha schrieb:

    Hm, kann es sein dass der Kindle einen besseren Kontrast hat als Kobo Touch?
    Oder liegt das nur an den Fonts? (so habe ich das jedenfalls in dem folgenden Video verstanden)
    http://www.youtube.com/watch?v=SN7V6O9Aw0s&feature=related

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Also zumindest im Vergleich zu meinem Testgerät schneidet das Kindle im direkten Vergleich vom Kontrast her besser ab, der Hintergrund ist heller, der Text dunkler.

  • h_f schrieb:

    Lassen sich eigenen Bücher raufspielen?
    Lassen sich die Seitenzahlen rechts bei ePub’s ausblenden?

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    epubs, mobipockets & PDFs ohne DRM lassen sich problemos via USB übertragen. Um epubs mit Adobe DRM zu lesen, muss man den Reader vorher via Adobe Digital Editions registrieren. Man braucht also ADE auf dem Desktop und eine gültige Adobe ID.

    Die Seitenzahlen lassen sich zum Glück ausblenden, das geht in der Leseansicht über “Advanced Settings” (also im selben Menü, wo auch der Pagerefresh reguliert wird).

  • h_f schrieb:

    klingt nach einer Kaufempfehlung – mein Pocketbook 360° wird wohl auf ebay landen …

  • bxx schrieb:

    Keine Bookmarks?!? (sagt das o.g. Youtube-Video)

    Speichert angeblich nur die zuletzt gelesene Seite :-[

  • Rob schrieb:

    Mir ist aufgefallen, dass englische Bücher im Kobo store teilweise deutlich teurer sind als bei Amazon. Habe es aber auch nur stichpunktartig verglichen.