Schnappschuss-Lösung: BitLit bündelt Print plus Digital via Smartphone-App

Buch plus E-Book gleich Bundling. Doch solche Bündel werden bisher kaum geschnürt, während die Kombination CD plus MP3 vielerorts schon gut funktioniert – siehe etwa Amazons AutoRip-Feature. Das kanadische Startup BitLit will den Bann jetzt brechen – und bietet eine ebenso einfache wie geniale Lösung. Via Smartphone & BitLit-App macht man ein „Beweisfoto“ des Buchcovers, schlägt die Seite mit Impressum & ISBN-Nummer auf, schreibt mit einem Stift seinen Namen darüber, und macht auch davon ein Foto. Motto: „Das Buch gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“. Einmal als offizieller Buchbesitzer registriert, kann man nun ein sogenanntes „Companion E-Book“ herunterladen – also die entsprechende Digitalversion. Entweder kostenlos, oder zu einem reduzierten Preis.

Bundling mit 70% Preisnachlass am besten

BitLit selbst empfiehlt Verlagen einen kräftigen Discount: „Marktstudien zeigen, dass Leser bei solchen Bundling-Modellen einen um 70% reduzierten Preis für das fairste Angebot halten“. Was natürlich damit zusammenhängt, dass sie für die Printversion bereits Geld ausgegeben haben. Als Rechenbeispiel gibt BitLit eine Ausgabe von Yann Martels „Life of Pi“ an. Paperback-Preis 21 Dollar, normaler E-Book-Preis 13,99 Dollar. Bei einem 70%-Nachlass liegt der ideale Preis für ein „Companion E-Book“ in diesem Fall demnach bei 4,20 Dollar.

„Win-Win-Situation für Leser und Verlage“

Im Gegensatz zu Onlinehändlern wie Amazon oder Apple, die E-Books als reinen Ersatz für physische Bücher anbieten, will BitLit mit dem Bundling-Angebot eine Win-Win-Situation für Verlage und Leser herstellen: „Leser können ihre Lieblingsbücher in all den Formaten lesen, die sie bevorzugen, und Verlage haben die Chance, mit jedem verkauften Printtitel zusätzliche Umsätze zu erzielen.“ Marktforschern zufolge sollen sogar bis zu 65 Prozent aller E-Reader-Besitzer bereit sein, für eine E-Book-Version zu bezahlen, obwohl sie die Printversion bereits besitzen.

Gratis-E-Book verdreifacht Print-Absatz

Werden kostenlose E-Book-Versionen via Bundling angeboten, kann das sogar Vorteile für Verlage UND Buchhandel haben – das zeigt ein Pilotprojekt von „Angry Robot“. Das britische Imprint bot den Käufern von Printversionen kostenlose „Clonefiles“ an – was den Absatz der gedruckten Bücher verdreifachte. E-Book-Verkauf im stationären Handel funktioniert bisher nirgendwo so richtig, über den Umweg des Bundling scheint es aber durchaus möglich zu sein, indirekt auch einen Mehrwert für den Buchhändler vor Ort zu produzieren.

Abb.: BitLit (c)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".