Home » Pro & Kontra

Schmutziger Hauptstadt-Deal: Hugendubel kontrolliert Buchbeschaffung der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

4 Sep 2017 0 Kommentare

zlb-berlin-wird-hugendubelisiertMal ehrlich: wenn’s darum geht, welche Bücher in den Regalen der öffentlichen Bibliotheken in Ihrer Stadt stehen sollen — würden Sie die dafür notwendigen Einkaufs-Entscheidungen einem Unternehmen wie Amazon überlassen? Nein? Nun, in Berlin ist etwas vergleichbares gerade passiert. Im Zentrum des Skandals steht lediglich ein anderer prominenter Großbuchhändler — nämlich Hugendubel (zum Unternehmen gehört übrigens auch ebook.de).

Profite im Blick: Es geht um 2,2 Mio. Euro pro Jahr

Wie letzte Woche bekannt wurde, sollen in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nicht mehr Fach-Lektoren die endgültigen Ankaufsentscheidungen treffen, sondern Mitarbeiter der dafür eigens mit mehr Personal aufgestockten Firmentochter „Hugendubel Fachtinformation“. Geliefert werden die jährlich mehr als 30.000 Bücher und 2.400 DVDs und CDs natürlich auch von Hugendubel, es geht um ein Volumen von 2,2 Mio. Euro.

Hintergrund: Bibliothek hat Personalmangel

Berlin hat ja schon eine Amerika-Gedenkbibliothek (für Nicht-Berliner: sie bildet zusammen mit der Berliner Stadtbibliothek seit 1995 die ZLB). Braucht die Stadt nun statt dessen nur noch eine große Hugendubel-Gedenkbibliothek? Hintergrund des aktuellen Skandals sind anstrebte Personaleinsparungen — die bisher als Lektoren eingesetzen Bibliothekare sollen sich in Zukunft auch und vor allem um die Beratung und Betreuung der Besucher kümmern sollen.

Frei zugängliches Wissen für alle bedroht

Damit steht ein bewährtes Modell vor dem Aus: „herausragendes Merkmal der ZLB war bisher immer ein von fachlich spezialisierten Lektoren ausgewählter und gepflegter Buch- und Medienbestand, der alle Wissensgebiete auf allen Niveaus umfasste, vom einführenden Ratgeber bis zum wissenschaftlichen Werk für die Laienspezialisten“, heißt es in einer ver.di-Pressemitteilung. Ziel sei es gewesen, „eine Sammlung aufzubauen, zu erweitern und zu aktualisieren, die alle Aspekte des publizierten Wissens allen Bürgerinnen und Bürgern in einer Universalbibliothek frei zugänglich macht“.

„Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft“

Die Auswahl der Bücher werde nun aber „nahezu komplett an die Privatwirtschaft übergeben“, kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft — während die ZLB versucht, zu dementieren: immerhin würden ja „Einkaufsprofile“ noch von den bisherigen Lektoren erstellt. Der ZLB-Personalrat legt den Finger aber gleich wieder zurück auf die Wunde: wenn die endgültige Auswahl bei Hugendubel passiere, sei das nichts anderes als eine mit Steuergeldern finanzierte Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft.

(via Neues Deutschland & ver.di Berlin-Brandenburg)

Hier ist Platz für Kommentare!

Wir freuen uns auch über Trackbacks von anderen Seiten. Die Kommentare mitverfolgen kann man übrigens auch via RSS.

Ansonsten gilt: "Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam."

Folgende Meta-Tags sind bei Kommentaren erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Dieser Blog unterstützt Gravatare. Den persönlichen Gravatar für das gesamte Web gibt's auf der Gravatar-Website.

Newsletter abonnieren (1x pro Woche)