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Schluss mit Depublikation: Siebentage-Löschfrist für Mediatheken von ARD & ZDF soll wegfallen

24 Okt 2017

depublikation-no-moreDepublikation ist die kleine Schwester der Desinformation, könnte man zugespitzt formulieren: was nicht mehr zur Verfügung steht, kann man auch nicht mehr nutzen, um sich zu informieren. Meister der Depublikation sind in Deutschland ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten — nach sieben Tagen werden Video- und Audioinhalte der Mediatheken in der Regel gelöscht. Das betrifft summa summarum rund 85 Prozent der Beiträge.

Schuld ist eine Festlegung im Rundfunkstaatsvertrag von 2009 — doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer in Sachen Öffi-Open-Access. Offenbar haben sich die Ministerpräsidenten letzte Woche auf eine Vertragsänderung geeinigt, mit der im kommenden Jahr „die Verweildauer über die bisher geltende Sieben-Tage-Regelung hinaus“ ausgedehnt werden könnte. Man wolle das „auflockern und verändern“, so Malu Dreyer, Regierungschefin von Rheinland-Pfalz und turnusgemäß die Leiterin der Rundfunkkommission der Länder.

Erst kürzlich hatten ARD, ZDF und Deutschlandfunk sich noch einmal lauthals darüber beklagt, die bisherigen Vorgaben würden „in keiner Weise der Publikumserwartung entsprechen“ — geprägt von Nutzungsmustern auf privaten Video-On-Demand-Portalen fänden es die Zuschauer heutzutage wichtig, jederzeit auf gewünschte Inhalte zugreifen zu können. Genau hier liegt natürlich auch der Hase im Pfeffer: die private Konkurrenz befürchtet Umsatzeinbußen, wenn die „Backlist“ der öffentlich-rechtlichen Mediatheken plötzlich anschwillt.

Dass die Befristung ganz wegfällt, ist angesichts des Widerstandes der Privaten deswegen eher fraglich, wahrscheinlich wird sie wohl eher auf mehrere Wochen oder Monate ausgedehnt. Wobei selbst sieben Tage bei manchen Inhalten schon jetzt eine Verbesserung bedeuten würde — die Aufzeichnung großer Sportevents à la Fußball-Länderspiele verschwindet derzeit schließlich bereits nach 24 Stunden aus dem Netz, angekaufte Serien und Spielfilme tauchen erst gar nicht auf.

(via golem.de und chip.de)