Schluss mit 70/30? Apple möchte den Abo-Kuchen neu aufteilen

apple-teilt-kuchen-neu-aufWie sieht der ideale Verteilungsplan zwischen Content-Lieferant und Plattform-Betreiber aus? Bisher läuft es meistens auf siebzig zu dreißig hinaus. Genauer gesagt, seitdem Steve Jobs im Jahr 2003 Jahren iTunes auf die Beine stellte. Apples Musik- und Medienkiosk wurde zum Schrittmacher einer ganzen Branche, auch was die Tantiemen betrifft. Wer bei Amazon, Google und Co. Inhalte verkaufen möchte , zahlt dem jeweiligen Unternehmen für jedes abgesetzte Music-File, Video oder E-Book ebenfalls eine Provision von dreißig Prozent, also genau in der Höhe der historischen „Apple Tax“.

Sinkt die „Apple tax“ auf 15 Prozent?

Doch das goldene Zeitalter der großen Gatekeeper scheint zu Ende zu gehen – wie die Financial Times berichtet, diskutiert Apple mit verschiedenen großen Medienhäusern gerade eine „Steuersenkung“. Der neue Verteilungsplan bei ausgewählten Vertriebsschienen wie Apple TV oder dem virtuellen Zeitungkiosk „Newsstand“ könnte demnach eher in der Richtung von 85 zu 15 gehen. Schon seit einiger Zeit macht Apple die Android-Konkurrenz Kopfzerbrechen – manche schätzen, dass App-Entwickler mittlerweile via Google Play mehr Umsätze erzielen als im klassischen Apple App Store.

Ein Motiv: Apples Einstieg in das Flatrate-Geschäft

Noch wichtiger für Apples Kursänderung dürfte jedoch der Boom von Musik- und Videostreaming im Rahmen von Flatrate-Abos sein: hier sind die Margen besonders knapp. Und Apple plant bekanntlich eine eigene Flatrate, die wahrscheinlich in dieser Woche auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wird. Damit Apples später Einstieg in den Musikdienst-Sektor gelingt, muss ein überzeugendes Angebot her, nicht nur aus Sicht der Nutzer.

Von der Flatrate zur Null-Linie?

Denn auch für die Content-Lieferanten braucht es natürlich gute Argumente – eins ist sicherlich Apples große Kundenbasis, weltweit existieren mehr als 800 Millionen Nutzer-Accounts. Doch auch ein attraktive Tantiemenregelung dürfte hilfreich sein. Fragt sich nur: Wie könnte die im Flatrate-Business aussehen? Ein Brancheninsider schätzte gegenüber der Financial Times: um wirklich einen Vorteil zu bieten, müsste Apple sich hier mit fünf (!) Prozent der Einnahmen begnügen. Eine mögliche Übersetzung für Flatrate lautet ja übrigens auch: Null-Linie.

Abb.: Jonathan Powell/Flickr (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".