Schädigt E-Lesen die Netzhaut? Britische Optiker warnen vor längerer Lektüre auf LCD-Displays

Das papierähnliche E-Ink schont die Augen – die meisten E-Books werden mittlerweile allerdings auf den bunten Touch-Screens von Tablets und Smartphones gelesen. Verbesserter Kontrast und höhere Auflösung haben diese Form der Lektüre on the Go angenehmer gemacht, doch wirklich gut für das Sehorgan scheinen hintergrundbeleuchtete LCD-Displays nicht zu sein, gerade bei häufiger Nutzung. Einer aktuellen Umfrage unabhängiger Optiker zufolge sollen britische Teens & Twens bis 25 ihr Smartphone mindestens 32 mal pro Tag checken. Erwachsene würden im Durchschnitt sieben Stunden pro Tag auf Bildschirme starren. Deswegen warnen die Experten jetzt: Heavy-User könnten durch übermäßigen Smartphone-Gebrauch langfristig ihr Augenlicht gefährden.

Große Nähe zum Display als große Gefahr

„Schaut man auf ein Smartphone, bekommt man besonders viel Licht aus dem blau-violetten Spektrum ab“, zitiert die BBC-Website den Optiker Andy Hepworth. Genau diese Wellenlänge vergrößere das Risiko von Makula-Degeneration, also einer Erkrankung jenes Bereichs der Netzhaut, der am meisten Sehzellen enthält und für das scharfe Sehen unverzichtbar ist. Anders als bei UV-Licht entstehen die Schädigungen offenbar eher indirekt: „Es ist die Kombination mit anderen Verhaltensformen, etwa mangelndem Zwinkern und einer zu großen Nähe des Gerätes im Vergleich zu anderen Objekten, die man betrachtet – das überanstrengt die Augen“, schätzt Hepworth. Es gebe auf jeden Fall deutliche Hinweise auf das schädigende Potential von übermäßiger Display-Nutzung.

Umstieg auf E-Ink-Display empfehlenswert

Tatsächlich geben auch viele der Befragten an, die Nutzung von Bildschirmen würde ihren Augen nicht gut tun oder zu Kopfschmerzen führen. Was tun? Die beste Lösung besteht natürlich darin, bei längere Lektüre grundsätzlich auf E-Ink-Geräte umzusteigen – genau dafür sind sie ja auch entwickelt worden. Die häufige Nutzung von Smartphones und Tablets für Tätigkeiten wie Social Media, Video oder Gaming könnte dem klassischen E-Reader so zu einer dauerhaften Nische verhelfen – alleine aus gesundheitlichen Gründen. Sinnvoll ist zugleich die „Eye Strain“-Prophylaxe auf Smartphone & Co durch angepasstes Nutzerverhalten.

Statt Tablet lieber PC zum Arbeiten nutzen

Der Linsenhersteller Essilor etwa rät wohl zu recht zur „20/20/20“-Regel: alle 20 Minuten solle man eine mindestens 20-sekündige Pause machen, die Augen vom Display abwenden und auf etwas schauen, das mindestens 20 Fuss (also etwa 6 Meter) entfernt ist. Gerade wer produktiv tätig ist, solle bei der Arbeit zudem so oft wie möglich vom Tablet auf einen PC-Bildschirm umsteigen, denn bei der klassischen Desktop-Konfiguration ist der Abstand der Augen zum Bildschirm deutlich größer. Wer diese Ratschläge dauerhaft nicht befolgt, muss am Ende zur Strafe eine digitale HD-Leselupe nutzen – mit LCD-Bildschirm.

Abb.: Flickr/Walt Stoneburner (cc-by-2.0)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Schädigt E-Lesen die Netzhaut? Britische Optiker warnen vor längerer Lektüre auf LCD-Displays“

  1. Hallo!
    Da wird hier wohl jeder Strohhalm ergriffen.
    Richtig ist wohl, dass man das Display dimmen sollte, bzw. die inverse Darstellung, nightview wählen sollte.
    Also papierne Bücher mit groben Unweltpapier oder hochglänzende Magazine sind bei meist schlechter Beleuchtung sicher auch kein Augenschmaus.
    Die Lese-Apps der deutschen Anbieter bleiben weit hinter Apples IBook oder Amazon’s Kindle App zurück, noch viel weiter hinter der dream voice App, die besonders auch für Sehbehinderte und Legastheniker geeignet ist.
    Also, wo bleibt der Beitrag der deutschen Buchbranche zur „digital inclusion“?
    Irgendwie scheint man nicht zu erkennen, dass davon ein nennenswerter Marktanteil von mehr als 10 vH betroffen ist.

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