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Sascha Lobos Tipp an die Buchbranche: „Ignoriert die E-Book-Piraterie“

21 Jun 2012 Ansgar Warner 1 Kommentar

Sascha Lobo hat nichts gegen Verlage. Gegen ihre Strategien allerdings schon. Kopierschutz bezeichnete der Alpha-Blogger schon mal als das „Senfgas des Internets“. Insofern war es spannend, dass der “Arbeitskreis Elektronisches Publizieren” (AKEP) ausgerechnet Lobo als Keynotespeaker für eine Jahrestagung zum Thema „ePiraten – Freibeuter, Wegelagerer, Innovatoren?“ eingeladen hatte. Was der geschickte Selbstvermarkter mit Irokesenschnitt der Branche für die „Zukunft des Buchstabenverkaufs“ mit auf dem Weg gab, hatte es dann auch tatsächlich in sich. “Es wird immer Leute geben, die Ihnen technisch überlegen sind, die irgendwo draufklicken, dann noch mal irgendwo draufklicken, dann irgendwas eintragen und dann ist der ganze Inhalt, den Sie ganz teuer zusammengestellt haben, bei jemand anderem, der sich kaputtlacht und es dann abschließend nicht liest“, argumentierte Lobo, und riet den Verlagen statt mehr Kontrolle ganz einfach zu mehr Service-Orientierung.

Flatrates, Social-Reading, Crowdfunding

Neben dem Aufbau und der Pflege von Autoren-Communities müsse man auch den Lesern neue Erfahrungen ermöglichen, etwa über Social-Reading und mehr Inszenierung von Inhalten statt bloßer PR. Außerdem sollte sich die Branche besser gleich an einen Produktpreis von Null Euro gewöhnen – denn in Zukunft würde man für den Zugang zur Literatur zahlen, nicht für ein einzelnes Buch. Tatsächlich gibt es ja etwa mit Skoobe ein erstes Flatrate-Angebote für deutsche Leser. Manche der Zukunfts-Modelle, die während der Keynote aus dem Hut gezaubert wurden, waren freilich gar nicht so neu: schließlich konnte Lobo etwa auf den guten alten Lesezirkel und das Subskriptionsmodell verweisen, letzteres ein historischer Vorläufer des Crowdfundings. Warum also nicht auch die Netzgemeinde zur Vorfinanzierung von Büchern nutzen? Am Ende wurde der prominente Referent dann noch einmal deutlich: “Piraterie: wenn Sie alle Thesen bis hierhin beherzigt haben, dann können Sie sich erlauben, das zu tun, was ich Ihnen zwingend empfehlen würde: ignorieren!”

“Sobooks”: Lobo will eigenen Verlag gründen

Wirklich zu Herzen genommen haben sich die Anwesenden die Ratschläge aber offenbar nicht. „Gemessen daran, dass das Auditorium dem Vortragenden geradezu andächtig gelauscht hatte, war die nachfolgende Podiums- und Publikumsdiskussion sehr zurückhaltend und auch: langweilig“, berichtete der Korrespondent von DRadio Kultur. Immerhin plädierte das AKEP-Sprecherteam aber in einer Pressemitteilung für die „Bereitstellung eines standardisierten ‘weichen’ Rechteschutzmechanismus“, also etwa den Einsatz von digitalen Wasserzeichen. Der nachhaltigste Impuls dürfte wohl von einer Ankündigung ausgehen, mit der Lobo am Ende das Publikum überraschte: zusammen mit dem Unternehmensberater Christoph Kappes möchte er einen eigenen Verlag namens „sobooks“ gründen. Kommen dort nur einige der Keynote-Vorschläge zum Einsatz, könnte tatsächlich gelingen, was Lobo androhte: „Ich will die Branche mit ihren eigenen Waffen schlagen.“

Abb.: re:publica 2012/Flickr

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