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Chick-Lit, von heiter bis explizit: Sara Belin, „Bad Guys küsst man nicht“ [Leseprobe]

8 Dez 2016 0 Kommentare

bad-guys-belin-introGirl meets Boy in Berlin, oder genauer: Berliner Göre trifft abgebrühten Rockstar. Das ist die Ausgangssituation von „Bad Guys küsst man nicht“, dem neuen Roman von Sara Belin. Das passt — schließlich ist die „Chick-Lit“-Autorin schon so etwas wie eine Marke für leidenschaftliche Rockstar-Romanzen und gefühlvolle Liebesgeschichten. „Ich bin ja selbst Musikerin gewesen, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe, und ich hatte viel mit Musikern zu tun. Musik ist für mich wie die Luft oder Nahrung – einfach notwendig“, so die Bestseller-Autorin im Interview. Vic und Kat , die Hauptfiguren von „Bad Guys“, kamen schon in Belins Roman „Liebe unplugged“ vor schon — allerdings nur im Hintergrund. Nun stoßen sie mitten im heißen Berliner Sommer unvermittelt aufeinander: passen der verruchte US-Rockstar Vic Taylor und das selbstbewusste Mitte-Girl Kathleen wirklich zusammen? Der Kontrast zwischen beiden wird durch den Aufbau der Story noch verstärkt: es gibt zwei Ich-Erzähler, die Perspektive wechselt ständig zwischen Vic und Kat hin- und her… Das und die Stimmung zwischen den Zeilen — von sommerlich heiter bis explizit — macht „Bad Guys küsst man nicht“ zu einer unterhaltsamen Lektüre für alle Romance-LiebhaberInnen, auch im Winter…


Sara Belin, Bad Guys küsst man nicht


Vic ist pünktlich um acht bei mir. Als bei seinem Anruf sein Foto auf dem Display erscheint, werde ich plötzlich doch noch nervös. Ganz ehrlich – wie oft hat man schon ein Date mit einem Mann vor, der tausenden von Mädchen jede Nacht feuchte Träume beschert und der neulich beim Rock am Ring fast hunderttausend Menschen gerockt hat? Also muss ich nicht so tun, als ob ich völlig gleichgültig und unbeeindruckt wäre. Natürlich darf ich ihm meine Aufregung nicht zeigen, eingebildet, wie er sowieso schon ist.
Als ich unten am Parkplatz vor dem Haus ankomme, stockt mir doch kurz der Atem. Vic steht mit über der Brust gekreuzten Armen lässig an ein anthrazitfarbenes Monster von Auto gelehnt. Groß, bullig, einfach geil. Das Auto, meine ich. Vic aber auch. Ganz in schwarz, mit schwarzer Brille, die er sofort ablegt, als er mich erblickt. Auch privat sieht er einfach wie ein Rockstar aus, das scheint einfach seine natürliche Ausstrahlung zu sein. Bewusst langsam schreite ich zu ihm hin und es entgeht mir nicht, wie aufmerksam er mich mustert. Geblendet von der Abendsonne kneift er seine hellen Augen zusammen und ein freches Lächeln um den Mundwinkel begrüßt mich.
„Ich sagte, keine Limo, aber auch keine andere auffällige Rockstar-Requisite“, zeige ich kopfschüttelnd auf das riesige Cabrio.
„Och … das ist bloß ein Mustang und nichts Besonderes“, erklärt er fast entschuldigend. „Bin immer noch ein Amerikaner und fühle mich am wohlsten in einem richtigen Auto mit viel Blech und Innenraum sowohl vorne als auch hinten“, grinst er.
„Ein Ford Mustang also!? Mein Bruder hat neulich erzählt, dass er so einen zu seinem achtzehnten Geburtstag haben will, jetzt, wo sie in Europa erhältlich sind“, erwidere ich sachlich und schiele mal zu dem Auto, mal zu ihm. Autos sind für mich nur nützliche Gebrauchsgegenstände, aber bei diesem Prachtstück muss ich zugeben, dass er mich doch begeistert. Die protzige, maskuline Form, viele kleine, doch spacige Details und dunkelrote Ledersitze sind schon mal was anderes als ein VW oder Japaner, die meistens von jungen Männern in Vics Alter gefahren werden.
„Hi erst mal“, raunt er plötzlich und greift nach mir, als ich nähertrete und mir das Auto gründlicher anschaue. Er haucht mir ein Küsschen auf die Wange und wie erwartet riecht er wieder lecker.
„Hi“, entgegne ich und hoffe, ich bin nicht allzu sehr errötet. Die Berührung seiner Hand, mit der er über meinen Oberarm streift, löst eine wohlige Gänsehaut auf meinem Körper aus.
„Bitte, steig ein“, führt er mich auf die andere Seite des ungewöhnlich großen Autos und öffnet mir zuvorkommend die Tür. Er scheint sich richtig zu bemühen, Manieren zu zeigen, die man bei ihm als Frau nicht erwarten würde.
Ich versinke in dem megabequemen Sitz und atme tief den Geruch nach Neuem, nach Leder und nach Abenteuer ein. Vic schnallt sich an und startet den Motor. Mein Bruder würde jetzt rote Ohren vor Aufregung kriegen, wenn er hier an meiner Stelle sitzen würde. Er wird ausflippen, wenn ich ihm erzähle, in was für einem Auto ich mitgefahren bin!
„Er scheint noch ganz neu zu sein, oder?“, frage ich Vic, der wieder seine dunkle Brille aufgesetzt hat.
„Yep, er gehört mir erst seit einer guten Woche. Viel Gelegenheit zum Fahren werde ich nicht haben, doch der musste einfach her. Man darf sich doch mal einen Traum erfüllen, oder?“, schaut er mich an und um seinen Mund zeichnet sich ein kleines Lächeln ab.
„Na klar, wenn schon nicht eine Harley oder ein Porsche, dann halt ein Mustang. Du bist ein Rockstar und kannst nicht einfach einen Golf oder Skoda fahren“, zucke ich mit den Schultern. „Und so wahnsinnig teuer ist ein Mustang auch wieder nicht. Was sind schon schlappe 60.000 Euro für einen Vic Taylor“, sage ich noch ganz emotionslos. Er zuckt mit dem Mund und ich wette, er ist sich nicht sicher, ob ich das nicht etwa sarkastisch und als Seitenhieb gemeint habe.
„Du musst nicht denken, ich wurde mit einem goldenen Löffel im Mund geboren“, sagt er nach einer Weile etwas gedämpft. „Mir wurde nichts im Leben geschenkt. Ich habe mir ordentlich den Arsch aufgerissen, ehe ich soweit war, mir meine Wohnung und dieses Auto leisten zu können.“
„Vic, du musst dich nicht entschuldigen“, drehe ich mich sofort zu ihm und bedaure meine Sticheleien. Er soll sich nicht ungemütlich mit mir fühlen und ich weiß sehr wohl, dass ich mit meiner großen Klappe Männer verunsichern oder gar verscheuchen kann. „Ich kann mir gut vorstellen, dass es für dich nicht einfach war, so weit zu kommen, und dass du dir jeden Cent hart erarbeitet hast“, füge ich noch beschwichtigend hinzu.
„Du hast ja keine Ahnung, wie es für mich wirklich war“, erwidert er mit einem harten Ton in der Stimme und seine Hände umklammern das Lenkrad so fest, dass seine Fingerknöchel weiß werden. Man, in was für ein Fettnäpfchen bin ich jetzt bloß getreten, dass er so verstimmt reagiert? Warum kann ich nicht einfach nett lächeln und nicht so viel reden, wie meine Mutter es mir immer ans Herz legt?

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Autor & Copyright: Sara Belin

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