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Samsung beantragt Patent für das Umblättern von E-Books

3 Mai 2013 Ansgar Warner 0 Kommentare

Fünfhundert Jahre lang waren Bücher einfach Bücher, dann erfand Steve Jobs das E-Book (behauptete jedenfalls Steve Jobs). Bei bloßen digitalen Letternwüsten blieb es nicht – denn Apple erfand dann für das Display von iPad & Co. noch den digitalen “Page Turn”, vulgo: das Umblättern. Für den grafisch animierten Seitenwechsel bei E-Books bekam das Unternehmen Ende 2012 sogar ein Patent zugesprochen. Das muss der Moment gewesen sein, an dem beim Konkurrenten Samsung die Alarmglocken läuteten – kaum fünf Monate später hat der südkoreanische Konzern jetzt beim “US Patent and Trademark Office” einen eigenen Patentantrag zum selben Thema eingereicht. Wieder geht es um’s Umblättern, nur deutlich ausführlicher als im Apple-Patent.

Der Physik des Seitenblätterns auf der Spur

Samsung geht es offenbar darum, die Physik des Seitenblätterns möglichst naturgetreu und interaktiv auf die Touchscreens von Smartphones und Tablets zu übertragen. Dabei werden auch die Verformungs- und Verzerrungsmuster von Papier ganz genau beschrieben, ebenso ihre Simulation im digitalen Medium. Möglichst viele Gesten sollen dabei erlaubt sein, etwa das Umschlagen der oberen oder unteren Ecke, um nur einen schnellen Blick auf die dahinterliegenden Seite zu erhalten. Viele dieser Elemente werden von gängigen E-Lese-Apps schon jetzt angeboten, nur hat bisher noch niemand Interesse daran gehabt, sich so etwas Banales wie das Umblättern patentieren zu lassen.

“Drei, zwei, eins, Mainz”

Abgesehen von Apple. Schon bisher haben sich Apple und Samsung eine jahrelange Patentschlacht geliefert, um auf dem hart umkämpften Markt für Mobilgeräte Vorteile zu erlangen. Dabei wurden nicht nur Milliardenbeträge verpulvert, auch die Konsumenten mussten leiden: denn immer wieder wurde der Verkauf etwa von bestimmten Smartphone-Modellen in bestimmten Regionen gerichtlich untersagt. Statt um Design-Plagiate im Hightech-Bereich geht’s beim Umblättern bedruckter Textseiten aber absurderweise um die digitale Kopie einer Kulturtechnik, die so alt wie die Gutenberg-Galaxis ist. Was für ein Glück für Apple und Samsung, dass es vor 500 Jahren weder Patentämter noch multinationalen Shareholder-Kapitalimus gab – sonst wären sie längst von der Johannes Gutenberg AG aus Mainz verklagt worden.

(via The Digital Reader)

Abb.: US Patent & Trademark Office / Wikipedia (Artikelübersicht)

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