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Requiem für DRM: iBooks-Kopierschutz “FairPlay” erstmals gehackt

27 Feb 2012 Ansgar Warner 4 Kommentare

Eigentlich könnte alles so schön sein: Apples iBook-Store unterstützt den Branchen-Standard epub. Doch davon hat der Endanwender nicht viel. Denn Apples DRM-Technologie „FairPlay“ hält gerade nicht, was der Name verspricht – die E-Books lassen sich im Lieferzustand nur auf iPhone, iPod Touch oder iPad lesen. Doch ein Hacker namens „Brahms“ hat das nun geändert. Mit der neuesten Version seines DRM-Entferners „Requiem“ kann man nicht nur bei iTunes heruntergeladene Musik- und Videodateien befreien, sondern auch E-Books aus dem iBook-Store. Forenberichten zufolge funktioniert Requiem 3.3 nicht nur unter Mac OS X, sondern auch auf Windows-Oberflächen, die eine iTunes-Installation enthalten.

iBooks-Kopierschutz hat keine zwei Jahre überlebt

Anders als bei Kindle-Books hat der DRM-Schutz für das 2010 gestartete iBooks immerhin fast zwei überlebt. Den ersten Hack für Amazons kopiergeschütztes mobipocket-Format gab es bereits wenige Monate nach dem Launch des Kindle 1. Doch letztlich ist Digital Rights Management eben immer nur ein Wettlauf mit der Zeit. Ganz so bequem wie Kindle-Besitzer haben es iPhone- oder iPad-Leser allerdings noch nicht – entsprechende Plugins für Calibre dürften noch etwas auf sich warten lassen. Immerhin kann man nun aber die iBooks-Bibliothek nach der Installation von Requiem extern sichern und vor allen Dingen auch auf E-Ink-Readern lesen. Wobei man auf jeden Fall wissen muss: Justiziabel ist das Cracken auf dem heimischen Rechner zwar nicht, trotzdem handelt es sich um einen Verstoß gegen die iTunes-AGBs.

Das digitale Wettrüsten geht weiter

Fraglich ist natürlich, wie lange der aktuelle Requiem-Hack für iBooks-Titel noch funktioniert. Denn auch bisher schon hat Apple auf DRM-Entfernungsprogramme prompt reagiert und iTunes-Updates herausgebracht, die den Kopierschutz wieder wirksam machten. Mittelfristig ist das aber kein Grund für einen Abgesang auf Requiem & Co. – eher dürfte Digital Rights Management irgendwann einmal das Stündchen schlagen. Denn auch die Hacker-Szene reagiert natürlich auf solche taktischen Spielchen, und bringt alsbald die nächste Cracker-Version heraus. Ein Grund mehr für die Unterhaltungsindustrie, auf hartes DRM zu verzichten – denn mit dem digitalem Wasserzeichen etwa könnte man sich solch ein Wettrüsten komplett ersparen.

(via Digital Reader & cydiablog)

4 Kommentare »

  • madlin schrieb:

    Irgendwann muss doch auch Apple erkennen, dass ein Kopierschutz eher schadet. Der normale Nutzer sieht in die Röhre und der Profi-Hacker lacht über entsprechende Mechanismen.

  • MaWoSch schrieb:

    Warum hat sich Apple überhaupt zu sowas hinreisen lassen? Bei Musik gab es doch auch schon länger keine DRM-Hürden mehr. Als Kunde möchte ich die gekaufte Lizenz auf allen meinen Geräten, egal ob mit oder ohne Apfel, nutzen können. Ich begrüße solche Hacks, da sie den Konzernen ihre Kurzsichtigkeit aufzeigen.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Also ein (wenn nicht sogar das zentrale) Argument wird natürlich lauten: “Die Verlage wollen es so”

  • phate schrieb:

    Die Aussage “Justiziabel ist das Cracken auf dem heimischen Rechner zwar nicht” ist so nicht korrekt. Gemäß §95a UrhG (siehe http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__95a.html) ist das Umgehen eines DRM-Schutzes durchaus verboten. Auch eine Umgehung zur Anfertigung einer Privatkopie, die durch §95b Abs 1 Alternative 6 erlaubt ist, ist nach §95b Abs. 4 verboten. Fraglich ist nun die Rechtsfolge, die sich daraus ergibt.
    Nach §108b ist die Umgehung von Schutzvorrichtungen “ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch des Täters oder mit dem Täter persönlich verbundener Personen” zwar nicht strafrechtlich relevant (siehe http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__108b.html), kann aber sehr wohl zivilrechtliche verfolgt werden (siehe http://www.dr-bahr.com/infos/rechts-faq/fragen-zum-neuen-urheberrecht.html, “Was für rechtliche Konsequenzen treten ein, wenn technische Schutzmaßnahmen umgangen werden ?”).

    Die Frage ist hier somit, was mit dem Begriff “justiziabel” gemeint ist. Gemäß http://www.rechtslexikon24.net/d/justiziabel/justiziabel.htm ist dieser Begriff ein Synonym für “gerichtlich entscheidbar”. Hier ist keine Beschränkung auf den strafrechtlichen Bereich ersichtlich. “Nicht justiziabel” würde folglich bedeuten “nicht gerichtlich entscheidbar”, was so faktisch falsch ist, da Zivilgerichte sehr wohl darüber entscheiden können und zwar auch gegen eine Privatperson.