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“Rent this book”: Amazon.com testet kostenpflichtigen E-Book-Verleih – gestaffelt nach Lesedauer

21 Jan 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Warum soll man im Kindle-Store ein relativ teures E-Book kaufen, wenn schon nächste Woche die Zombie-Apokalypse losbrechen könnte? Natürlich gibt’s auch jede Menge andere Gründe, beim E-Book-Kauf auf’s Geld zu schauen. Doch ausgerechnet Lesern von Daniel W. Drezners Sachbuch “Theories of International Politics and Zombies” bietet Amazon.com eine Alternative nach dem Motto Carpe Diem: “Kindle Rental”, eine Ausleihfunktion, deren Gebühren nach der Ausleihdauer gestaffelt sind. Statt 8 Dollar für die Vollversion bezahlt man zwischen 3 Dollar (30 Tage) und 5 Dollar (120 Tage) – wer sich einigermaßen rasch durch die (in der Paperback-Version) knapp 130 Seiten frisst, kann in diesem Fall also mehr als 50 Prozent sparen. Die jeweils gewählte Ausleihdauer ist verlängerbar, verspäten sich die Untoten über Gebühr, lässt sich das E-Book am Ende auch kaufen, die aufgelaufenen Ausleihkosten werden dann verrechnet.

“Kindle Rental” bisher nur für Uni-Lektüre verfügbar

Bisher ist das bereits 2011 gestartete “Rent-this-book”-Feature nur für ausgewählte Sachbuch-Titel aus dem akademischen Umfeld verfügbar. Nur zur Beruhigung: Die meisten haben gar nichts mit nahenden Zombie-Apokalypsen zu tun, Amazon scheint also durchaus noch etwas langfristiger zu planen. Bei den Belletristik-Bestsellern im Kindle-Store tauchen Verleih-Buttons dagegen noch nicht auf, es sei denn, man ist Premium-Kunde. Mitglieder des Amazon-Prime-Programms können nämlich jeden Monat kostenlos einen Titel aus der mittlerweile recht gut bestückten “Kindle Owners’ Lending Library” ausleihen. Der Gratis-Zugang zu E-Books wie auch Streaming Videos (“Prime Instant Video”) soll den Verkauf von Kindle-Readern & Tablets befeuern – hinter dem gebührenpflichtigen “Kindle Rental”-Modell dagegen steckt ein ganz anderes Kalkül.

Kampf um den niedrigsten Einstiegspreis

Neben dem konventionellen Verkauf von Hardcover, Taschenbuch und E-Book könnte sich in Zukunft generell die zeitlich befristete Nutzung von digitalem Content etablieren – nicht nur in Form von Flatrates, sondern auch en detail. Völlig neu wäre das nicht, kommerzielle Leihbüchereien gab’s schließlich schon mal in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Prinzip eBook-als-Dienstleistung passt aber auch sehr gut ins 21. Jahrhundert: Im Kampf um den niedrigsten Einstiegspreis lohnt es sich gerade bei besonders teuren Fachbüchern für Schule und Universität, noch eine Option in petto zu haben. Nicht ganz zufällig stammen die zur Zeit verfügbaren Titel im “Kindle Rental” von Universitätsverlagen – der Theorie-Klassiker zur Zombie-Apokalpyse z.B. von Princeton University Press. In Kombination mit dem Verkauf von günstiger Second-Hand-Lektüre aus Papier (via Abebooks) hat Amazon so für jeden Geldbeutel das passende Angebot parat.

Abb.: Screenshots

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