„Removed from sale“: taz stoppt Einzelverkauf im iBook-Store

keine taz auf dem ipad.jpgNach nur drei Wochen stellt die taz den Einzelverkauf im iBook-Store wieder ein. Grund sind technische Probleme mit der täglichen Aktualisierung der iPad-Ausgabe – und die Weigerung von Apple, bei der Lösung behilflich zu sein. Um die taz als E-Paper auf Apple-Geräten zu lesen, braucht man nun wieder ein reguläres Digi-Abo, das ab zehn Euro pro Monat zu haben ist. Davon profitieren übrigens auch Kindle- und Blackberry-Nutzer: denn die taz gibt’s jetzt zusätzlich im mobi-Format.

Mit der taz verliert iBooks den Bestseller Nummer eins

„Die taz ist nicht für jeden“, hieß es mal in einem viralen Marketing-Clip – in diesem Fall waren Bildzeitungs-Leser gemeint. Doch nicht nur für Männer in Feinripp scheint das in der Berliner Rudi-Dutschke-Strasse produzierte Blatt ein rotes Tuch zu sein. Auch iPad-Buchhändler Steve Jobs passt die alternative Tageszeitung nicht ins Programm. Das Unternehmen Apple verweigerte der taz von Anfang an die Unterstützung bei der Lösung technischer Probleme. Schließlich zog das Blatt die Notbremse – der Einzelverkauf wurde gestoppt. Mit dem Aus für die epub-Ausgabe im iBook-Store ist der Versuch, das digitale Bücherregal mit journalistischem Content zu bereichern, nach nur drei Wochen gescheitert. Vom 7. Juni an konnten deutsche Leser die Zeitung mit der Tatze auf dem Titelblatt für 99 Cent auf das iPad laden. Die Nachfrage war groß. Innerhalb kürzerster Zeit avancierte die taz zur Nummer Eins in den iBook-Charts. Gerade dort, wo die taz nur schwer am Kiosk zu bekommen ist oder die Postzustellung lange auf sich warten lässt, stieß die epub-Version für das iPad auf großes Interesse. In der letzten Woche wurden mehr als 800 Exemplare verkauft.

iBooks ist kein Online-Kiosk: die tägliche Aktualisierung von epubs macht Probleme

Die technische Anpassung des iBook-Stores an den Verkauf einer täglich erscheinenden Publikation bereitete allerdings von Anfang Probleme. „Es dauerte stets mehrere Tage, bis eine hochgeladene Ausgabe in den virtuellen Bücherregalen gelandet war“, so Matthias Bröckers im taz-Hausblog. „Da wir von Apple keine Hilfesstellung für dieses Problem bekamen griffen wir zur Selbsthilfe: wir aktualisierten einfach den Inhalt der schon im Verkauf befindlichen Ausgabe, denn dieses Update ließ sich ohne Zeitverzögerung durchführen.“ Damit handelte man sich allerdings neues Ungemach ein. Tag für Tag firmierte die jeweils neueste Ausgabe unter dem Datum 7. Juni – was viele potentielle Käufer verwirrte. Dieses Problem konnten die tazzler mit einem Wasserzeichen auf dem Cover umgehen, dass das aktuelle Datum anzeigte. Für ein weiteres Problem gab es leider kein Workaround: „Man konnte die taz fortan nur einmal für 99 Cent kaufen, danach war ein Laden nicht mehr möglich da das System davon ausging, dass man dieses ‚Buch‘ schon hat“, so Matthias Bröckers.“

Das E-Paper im Einzelverkauf kommt wieder – auf der taz-Homepage und anderen Plattformen

Den direktesten Weg auf auf iPhone und iPad ist die taz bisher nicht gegangen, denn es gibt keine taz-App. Andere deutsche Zeitungen, insbesondere die Springer-Blätter wie Welt oder BILD, sind dagegen schon seit letzem Jahr im App Store präsent. Auch Qualitätsblätter wie etwa die Süddeutsche Zeitung haben sich bereits vor einiger Zeit auf die Touch-Screens von Apple-Gadgets vorgewagt. Um den Einzelverkauf geht es dabei jedoch nicht – im „In-App-Shopping“ werden jeweils nur Monatsabos angeboten. Die taz dagegen scheint den virtuellen Sponti-Kiosk auf Tablets und Smartphones noch längst nicht aufgegeben zu haben: „Noch in diesem Sommer wird auch der Kauf digitaler Einzelausgaben wieder möglich werden – auf der Website der taz und auf allen anderen möglichen Plattformen“, verspricht nämlich der taz-Hausblog. Zu diesen möglichen Plattformen könnte das WeTab von Neofonie gehören – dessen Marktstart ist zumindest bis zum kalendarischen Sommerende im September zu erwarten. Nicht umsonst setzen vor allem Zeitungen und Zeitschriften ihre Hoffnungen auf die neue Generation Android-basierter Geräte – denn eine Presse-Zensur durch Gatekeeper wie Steve Jobs findet dort nicht statt.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".