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Projekt “People’s E-Book”: Mit Massenspenden zum kostenlosen Volks-Editor

22 Feb 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

“Ich liebe Künstlerbücher”, gesteht Greg Albers im Pitch-Video für das “People’s E-Book”-Projekt. Genau diese Leidenschaft für Konzeptkunst in Buchform – egal ob gedruckt oder elektronisch – hat den Gründer von “Hol Art Books” zu Kickstarter geführt: auf der Crowdfunding-Plattform sammelt er Spenden für ein Do-it-Yourself-Tool, mit dem man kreative E-Book-Ideen im Handumdrehen umsetzen kann. “Was der Fotokopierer für Manifeste, Pamphlete und Fanzines bedeutet hat, wollen wir mit dem ‘People’s E-Book’ für das digitale Buch ermöglichen”.

“Volks-Editor” auf Javascript-Basis

Denn während Dadaisten und Surrealisten noch auf Siebdruck, die Fluxus-Bewegung auf Offset und eben Fotokopierer setzten, liebäugeln die Buchkünstler des 21. Jahrhunderts eher mit dem iPad. Der webbasierte “Volks-Editor” basiert auf Javascript und HTML-5 und wird kostenlos nutzbar sein. Auch die Software selbst soll unter Open-Source-Lizenz gestellt werden. Erste Screenshots erinnern entfernt an eine extrem verschlankte Version von iBooksAuthor – was wohl auch Absicht ist: der in Tucson/Arizona lebende Albers hat ein Faible für “das Kleine, für Quick and Dirty, für das Einfache und Experimentelle”. In nur wenigen Minuten soll man mit dem Online-Tool ein epub erstellen können.

Spendenziel ist bereits erreicht

Für die technische Umsetzung sollen Eleanor Hansen und Oliver Wise von “The Present Group” sorgen, ein künstlerischer Think-Tank und Kreativstudio aus dem kalifornischen Oakland. 10.000 Dollar werden gebraucht, um nicht nur die Programmier-Arbeit zu leisten, sondern auch Hosting- und Weiterentwicklung zu finanzieren. Das Spendenziel ist mittlerweile schon zu 100% übererfüllt, was den Einbau zusätzlicher Features ermöglicht, u.a. den Export in das Kindle- und PDF-Format, sowie gerätespezifische Previews.

Die Kickstarter-Kampagne läuft bis 1. März. “The People’s E-Book” kommt natürlich auf jeden Fall. Doch Spenden lohnt sich immer noch – wer mindestens zehn Dollar gibt, erhält nicht nur ein digitales Künstlerbuch von E-Book-Artist David Horvitz, sondern auch wahlweise einen Aufkleber “My Other Book is a Paperback”, passend zum E-Reader, oder ein Lesezeichen “My Other Book is an E-Book”, passend zur gedruckten Lektüre. Außerdem wird man automatisch selbst zum Publisher – zumindest indirekt: “Ihr helft dabei mit, ein kostenloses Tool zu entwickeln, mit dem die Kreativität auf dem Gebiet des E-Publishings eine neue Blüte erleben wird. Es wird nicht nur ein Buch ermöglicht, sondern tausende.”

Abb.: Screenshot

2 Kommentare »

  • MarioR. schrieb:

    “Volks-Editor” ???

    In meinen Augen eine sehr sehr ungünstige Formulierung Oo.
    Ich glaube nicht das die Entwickler ihr Produkt gerne in Verbindung mit dem “Volksempfänger”, einem NS Propaganda Instrument, sehen.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Ach, ich weiß nicht, in den USA würde man da doch vor allem an “Volkswagen” denken, seit dem “VW Beetle” hat der Begriff da durchaus einen positiven Klang. Nicht zuletzt haben wir den Amerikanern umgekehrt auch eine Marketing-Kampagne für den “Volkscomputer” namens VC 20 zu verdanken. Und die direkte Übersetzung von People’s E-Book wäre ja auch irgendwas mit “Volks-”. Darf man eben nicht mit “völkisch” gleichsetzen…