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Pro App ein PaperTab: Flexible, vernetzte E-Ink-Tablets als Zukunft des Desktops?

10 Jan 2013 Ansgar Warner 0 Kommentare

Wie wird die Zukunft des Desktops aussehen? Die Forscher vom Human Media Lab der kanadischen Queen’s University haben da eine ganz spezielle These: vom virtuellen Schreibtisch werden die Anwendungs-Fenster wieder auf den realen Schreibtisch wandern, und zwar in Form von flexiblen E-Ink-Tablets. Die jetzt auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellten „Paper Tab“-Gadgets sind etwa so groß wie ein normales Blatt Papier und sollen sich auch so anfühlen. Unter der Haube schlummert dank moderner Dünnschicht-Technologie ein flexibler 10,7-Zoll-Touchscreen von Plastic Logic, die Rechenleistung liefert Intels bewährter Core-i5-Prozessor. Genutzt werden die biegsamen Helfer nach dem Motto: Pro App ein PaperTab. „Statt mehreren Anwendungen in einzelnen Fenstern auf einem einzigen Display hat der User zehn oder mehr interaktive PaperTabs vor sich“, so Ryan Brotmann, Intel-Forscher.

Flexibler Tablet-Schwarm ersetzt Büro-PC

Der Dektop-PC würde sich damit in einen Rechnerschwarm auflösen, der auch in Sachen Funktionalität äußerst flexibel ist. Denn je nach der Position auf dem Schreibtisch können die cleveren PaperTabs gemeinsam einen großen Bildschirm simulieren, jeweils ein einzelnes Dokument anzeigen oder, wenn sie am Rande platziert sind, auch nur eine Thumbnail-Übersicht präsentieren. Maßgeblich ist dabei neben der Display-Anordnung auch die elektromagnetisch gemessene Entfernung zum Nutzer – der Schreibtisch wird in eine „heiße“, „warme“ und „kalte“ (d.h. außerhalb der Reichweite des Armes) Zone aufgeteilt. Symbolische Desktop-Gesten wandern zurück in den realen Raum: Um eine E-Mail abzuschicken, kann man etwa mit dem betreffenden PaperTab auf das als Postausgangskorb dienende Tab berühren. Es reicht jedoch auch aus, einfach eine Ecke umzuknicken. Seitliches Biegen wiederum simuliert das Blättern durch einen Papierstapel.

Realistische Vision oder Vaporware?

“Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre werden die meisten Computer sich so anfühlen wie Blätter mit farbig bedrucktem Papier, egal ob es nun um Notebooks geht oder um Tablets“, prognostiziert Roel Vertegaal, Leiter des Human Media Lab. Gelangt die neue Technologie tatsächlich zur Serienreife, würde sich wohl die Utopie vom papierfreien Büro in einer ganz neuen Variante realisieren: der Schreibtisch würde im Alltag zwar noch immer etwas chaotisch aussehen, könnte dank einer begrenzten Zahl von PaperTabs aber zumindest nicht mehr überquellen. Allerdings hat PlasticLogic mittlerweile einen gewissen Ruf, Vaporware zu produzieren: mit dem 11-Zoll-Touchscreen-Reader QUE wollte das Dresdner Unternehmen vor zwei, drei Jahren schon mal das ultimative Bürogerät auf den Markt bringen. Doch nach dem iPad-Schock im Sommer 2010 wurde das HighEnd-Gadget dann sang- und klanglos beerdigt.

Abb.: humanmedialab.org

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