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Print vor Digital: Zeitungen erreichen weltweit mehr Menschen als das World Wide Web

5 Sep 2012

Die „Zeitungskrise“ ist offenbar eine Frage der Perspektive – was für Europa oder Nordamerika stimmen mag, sieht global betrachtet ganz anders aus: weltweit liegt die tägliche Reichweite des gedruckten Blätterwaldes mit 2,3 Milliarden Menschen immer noch knapp 20 Prozent über der des World Wide Webs. Das zeigt die aktuelle Studie „World Press Trends“, vorgestellt vom Weltverband der Zeitungen und Nachrichtenmedien (WAN-IFRA). Doch auch wenn man im letzten Jahr vor allem in Asien mehr „Eyeballs“ erreicht hat – die Print-Auflagen gehen insgesamt leicht zurück. Regional unterscheiden sich die Trends jedoch stark: „Die Zeitungsauflagen sind wie die Sonne. Sie steigen weiterhin im Osten und sinken im Westen”, so Christoph Riess, CEO von WAN-IFRA. Weltweit konnten noch 519 Millionen Exemplare verkauft werden, ein Rückgang um „nur“ zwei Prozent.

Regelmäßige Leser werden seltener – auch online

Mehr als wettgemacht wurde der Rückgang dabei durch neu gewonnene Leser von Digitalausgaben – sie entsprechem bereits einem Drittel der Print-Konsumenten. Das Kaufverhalten verändert sich allerdings ebenfalls: „Wir haben weiterhin Leser, jedoch nicht mehr so regelmäßig“, so Riess. „Im digitalen Bereich stellen wir ebenfalls fest, dass das Problem nicht in der Zahl der Besucher besteht, sondern in der Häufigkeit und Intensität ihrer Besuche.“ Diese Erfahrung mussten auch stark frequentierte Medienmarken machen. So besuchten zwar 70 Prozent der Online-User in den USA die Websites von Zeitungen, nur 17 Prozent jedoch schauten täglich vorbei. Immerhin gibt’s auf dem Zeitungsmarkt offenbar keinen großen Kannibalisierungseffekt. Denn WAN-IFRA zufolge sind die Nationen mit den höchsten Zeitungsleserzahlen zugleich diejenigen mit dem besten Breitband-Zugang zum Netz.

Paid Content hilft nur bedingt weiter

Doch geringere Aufmerksamkeitsspannen sorgen natürlich auch für geringere Werbeeinnahmen. „Zeitungen haben, gemessen an den von ihnen erzielten Werbeeinnahmen, immer einen geringeren Zeitanteil der Mediennutzer eingenommen“, so Riess. Bisher ziehen sie 8 % der Mediennutzungszeit auf sich, generieren aber 20 % aller Werbeeinnahmen. Im Web wird das schwieriger. Obwohl der Online-Werbemarkt wächst, können die Online-Ausgaben der Zeitungen davon kaum profitieren. Das wird zunehmend zum Problem, denn der Anteil am Werbekuchen im Print-Bereich hat sich seit 2007 halbiert. Den Ausweg könnten Paid Content-Konzepte bieten, jedenfalls in den Regionen, die über genügend mobile Endgeräte verfügen. Doch auch hier gibt’s ein Problem – Gatekeeper wie Apple oder große Mobilfunkbetreiber halten die Hand auf. „Wenn wir in der Zeitungsindustrie nicht aufpassen, verlieren wir unser Geschäft an diese Anbieter“, so der WAN-IFRA CEO.

Abb.: badbrother/flickr