Print & E-Book als Bundle – dank Google Editions bald auch in Deutschland

Google Edition Bundling E-Book Print_Bild_flickr_tigerpixel.gifGoogle Edition kommt nach Deutschland: der Suchmaschinen-Riese wird im E-Book-Bereich auch hierzulande bald zum Content-Lieferanten. Verhandlungen mit deutschen Verlagen laufen bereits, bestätigte Google-Buchsuche-Managerin Annabella Weisl gegenüber dem Börsenblatt. Den Lesern bringt die neue Allianz neben der Online-Lektüre zukünftig auch das Bundling von Print-Version und E-Book.

Partner, nicht Gegner: In Europa sind schon 9000 Verlage bei Google Books im Boot


Google ist für viele Verlage nicht nur Gegner, sondern auch Partner: während die einen das Einscannen ihrer Bücher auf dem Rechtsweg verhindern – wie zuletzt der französische Verlag La Matinière – ist für die Mehrheit offenbar Google Buchsuche in Verbindung mit der geplanten Google Edition ein interessanter neuer Distributionsweg. „In Europa haben wir 9.000 teilnehmende Verlage mit 600.000 Titeln“, so Google-Buchsuche-Managerin Weisl im Börsenblatt-Interview. Google wird damit zum E-Book-Store – für die Nutzer der Google Buchsuche wäre das natürlich sehr bequem: sie könnte dann einen Titel gegen Bezahlung frei schalten lassen. Auch für die Verlage ist die Beteiligung einfach. Wenn ihre Bücher bereits bei Google lesbar sind, müssen sie lediglich noch einen Zusatz zum laufenden „Partner-Programm“ unterzeichnen. Die deutsche Version dieses „Ergänzungsvertrages“ soll in Kürze vorliegen.

Die Lektüre der Zukunft: E-Books online auf dem Surf-Tablet?


Google Buchsuche Edition E-Book Bundling Bild_flickr_Jim Barter.gifElektronische Lektüre würde damit in Zukunft vor allem via Browser stattfinden – „Der Nutzer kann mit jedem onlinefähigen Endgerät auf das E-Book zugreifen, egal, ob im Büro am Rechner oder unterwegs auf dem Reader oder Handy“, so Weisl. Google werde dafür mit Autoren, Verlagen wie auch Online-Buchhandlungen zusammenarbeiten. Die Online-Lektüre dürfte gerade auch für die Besitzer von Smartphones und den kommenden Surf-Tablets von Vorteil sein – sie könnten neben Farb-Displays und Touch-Screens vor allem den drahtlosen Zugang ins Netz bieten. Die deutschen Kunden dürfen allerdings mehr erwarten als nur die Lizenz zum Lesen eines virtuellen Buches. Denn neben der Offline-Lektüre via Browser-Cache soll es auch eine Sicherheitskopie im PDF-Format geben, die man auf einem lokalen Rechner speichern kann. Sicherheit könnte diese Lösung auch in punkto Privacy bieten: bei der Lektüre des PDFs würden keine Daten über Nutzungsdauer oder die gelesenen Seiten an Google weitergeleitet. Das ist wohl auch gut so: denn erst kürzlich gaben US-Datenschützer beim Test verschiedener Varianten elektronischer Lektüre Google Books besonders schlechte Noten.

Preis-Dumping wird es in Deutschland nicht geben


Für Google ist die neue Vertriebsschiene ein gutes Geschäft: bei E-Books, die direkt via Buchsuche verkauft werden, kann das Unternehmen 37 Prozent Provision einstreichen. Etwas schlechter ist der Schnitt, wenn die Google Edition eines E-Books von einem anderen Online-Händler angeboten wird – dann gehen 45 Prozent an den Verlag, während sich Google und der Buchhändler den Rest teilen. Für die Leser dürfte sich in Sachen E-Book-Pricing allerdings wenig ändern – denn anders als in Ländern ohne Buchpreisbindung wird Google den Verlagen keine Maximalwerte diktieren können: „Wir werden uns an die deutsche Gesetzgebung halten“, beteuerte Weisl gegenüber dem Börsenblatt. Eine Möglichkeit zur Neugestaltung der Verkaufspreise dürfte es aber trotz Buchpreisbindung geben – denn die Verlage haben die Chance, via Google auch „Bundling“ von E-Books & Print zu praktizieren. Die Kombination Hardcover bzw. Paperback plus E-Book könnte also zu einem vergleichsweise niedrigeren Gesamtpreis angeboten werden. So kämen die deutschen Kunden am Ende doch noch in den Genuss von günstigen E-Books – das Hardcover kann man ja zur Not bei Booklooker wieder loswerden.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".