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Praxistipp: E-Book-Store einrichten mit WordPress plus E-Commerce-Plugin

25 Apr 2014 Ansgar Warner 5 Kommentare

Egal ob Self-Publisher oder Mini-Startup-Verlag, im Zentrum der Online-Vermarktungs-Aktivitäten sollte ein eigener E-Book-Store stehen, idealerweise kombiniert mit einem Blog. Auf diese Weise lassen sich nicht nur höhere Margen erzielen, man bleibt auch bei der inhaltlichen Gestaltung unabhängig von externen Verkaufsplattformen oder Social Media-Netzwerken. Ein guter Startpunkt für den Weg zum E-Store ist WordPress – denn die freie Blogging-Software lässt sich mit kostenlos erhältlichen Plugins wie WP-ecommerce oder WooCommerce im Handumdrehen zum Online-Shop erweitern.

Fruitful-Theme plus WooCommerce-Plugin

Für ebooknews press, das Verlagslabel von E-Book-News, haben wir das sehr schlanke, schön designte WordPress-Theme Fruitful verwendet und mit WooCommerce kombiniert, ergänzt durch ein deutsches Sprach-Plugin (WooCommerce German (de_DE)). Nicht nur eine weitgehend (s.u.) kostenlose, sondern auch sehr flexible Lösung – denn WooCommerce ermöglicht es zudem, parallel digitale und physische Waren zu verkaufen, in diesem Fall also E-Books und Taschenbücher. Die Einbindung von obligatorisch zu bestätigenden AGBs und Widerrufsbelehrungen in den Bestellvorgang ist ebenfalls möglich. Das bisherige Ergebnis kann man sich unter ebooknews-press.com anschauen.

Wichtigstes Element solcher E-Commerce-Plugins: neben Blog-Artikeln und Blog-Seiten lassen sich damit in WordPress auch einzelne Produkt-Seiten anlegen, die Produktfotos, Produktinformationen und Bestell-Links enthalten. Nach Kategorien geordnete Produktfotos und Kurzinfos werden auf separaten Shop/Katalog-Seiten präsentiert. Außerdem kümmert sich das Plugin um die Abwicklung der Bestellungen, also etwa die Aufnahme eines Produktes in den Warenkorb, die Abfrage von Kundendaten, die Weiterleitung zu einem Zahlungsdienstleister, und stellt (z.B bei E-Books) am Ende einen Download-Link zur Verfügung. Fehlen darf natürlich auch nicht die Verkaufsstatistik im Hintergrund.

Anpassung in Richtung E-Book-Store

Viele WordPress-Themes sind bereits für die Integration von E-Commerce-Plugins vorbereitet – das von uns gewählte Fruitful-Theme z.B. ist „WooCommerce – ready“, lässt sich also ohne Probleme als Grundlage für einen E-Store benutzen. Wichtige Layout-Optionen kann man sehr komfortabel direkt im Admin-Panel einstellen, etwa das Farbschema, Schriftarten oder den Aufbau des Navigationsmenüs. Zusätzlicher Vorteil bei diesem Theme: es wird dank „responsive design“ auch auf Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones gut dargestellt. Alles, was man zum Start sonst noch braucht, ist ein Logo – das wir in diesem Fall mit Gimp erstellt haben.

Allerdings ist „Fruitful“ kein spezielles Theme, um einen E-Book-Store zu betreiben – ein bisschen Anpassung ist nötig. Um z.B. auf der Startseite mehrere Buchcover nebeneinander zu präsentieren, haben wir noch das sehr flexibel konfigurierbare WordPress-Plugin „Meta Slider“ nachgerüstet (die entsprechende Einstellungs-Option lautet übrigens: “Karussell-Modus”). Alle weiteren Anpassungen erfolgten dann mit Bordmitteln: so muss man etwa via Admin-Panel das Format für Produktbilder von viereckig in Richtung rechteckig ändern, um Buchcover vernünftig anzeigen zu können. Zusatzinformationen zu einem Produkt (hier etwa ISBN-Nummer, Seitenzahlen, Links zu Leseproben o.ä.) lassen sich bei WooCommerce in einem extra Dialogfeld eingeben und werden dann zwischen Preisangabe und Artikelbeschreibung angezeigt.

Tricky: Digital plus physisch parallel verkaufen

Sehr flexibel handhabt WooCommerce den parallelen Verkauf von digitalen und physischen Gütern – die bei physischen Waren sinnvolle Möglichkeit, mehrere Exemplare zu kaufen, lässt sich bei digitalen Waren ganz einfach abschalten. Ein im Produktseiten-Dialog hinterlegter Download-Link wird nach dem Bestellen und Bezahlen automatisch per E-Mail an den Käufer verschickt. Standardmäßig verläuft die Eingabe von Kundendaten bei virtuellen und physischen Gütern identisch, durch ein bisschen Herumbasteln am Code oder dem Einfügen eines speziellen (allerdings kostenpflichtigen) Plugins “Digital Goods Checkout for WooCommerce” lässt sich das jedoch für knapp 5 Euro ändern – dann werden beim Kauf von E-Books nur noch Name und E-Mail-Adresse abgefragt.

Letzlich lassen sich mit der Kombination von Fruitful und WooCommerce auf Produktseiten sogar drei verschiedene Bestellmöglichkeiten anbieten – der direkte Download, die Direktbestellung eines Taschenbuchs, oder die Weiterleitung zu einem Drittanbieter. Ein kleiner Verlag kann sich also entscheiden, verkaufsstarke Bücher zwecks besserer Marge in größerer Stückzahl vorzuproduzieren und selbst zu verschicken, seltener verlangte Backlisttitel dagegen über Createspace/Amazon zu verkaufen.

Wahl des Zahlungsdienstleisters

Bleibt noch die Frage nach dem lieben Geld. Um den Aufwand möglichst gering zu halten, haben wir als Zahlungsdienstleister erstmal nur Paypal aktiviert. Für den Käufer dürfte das trotzdem eine sehr komfortable Lösung darstellen, denn via Paypal kann man ja mittlerweile auch ohne Anlegen eines Accounts direkt per Lastschrift oder Kreditkarte bezahlen. Grundsätzlich stellt WooCommerce aber eine sehr breite Palette von Bestellvarianten zur Verfügung, u.a. auch traditionelle Formen wie die Lieferung auf Rechnung oder per Vorkasse, die ja beim Versand gedruckter Bücher durchaus Sinn machen.

Fazit: Um in wenigen Tagen ohne große Investitionkosten (abgesehen von Arbeitszeit natürlich) einen deutschsprachigen E-Store für Bücher & E-Books auf die Beine zu stellen, der alle wichtigen Funktionen anbietet, aber ohne viel Bling-Bling daherkommt und sich sehr flexibel gestalten lässt, ist die Kombination eines responsiven WordPress-Themes wie Fruitful mit dem E-Commerce-Plugin WooCommerce inklusive deutscher Sprach-Erweiterung eine sehr gute Idee.

PS: Um rechtlich als Shopbetreiber auf Nummer Sicher zu gehen, sollte man aber noch 100 Euro in das kommerzielle Plugin “Woo Commerce German Market” investieren – mit dieser Ergänzung erhält man nicht nur sehr gute Vorlagen für rechtlich relevante Hinweisseiten (Impressum, AGB, Widerruf, Rückgabe etc.), die man den individuellen Shop-Bedürfnissen anpassen kann, sondern erreicht vor allem auch eine korrekte Preisauszeichung inklusive Mehrwertsteuer-Angabe, Versandkosten und Lieferzeiten. Außerdem wird dem Shopping-Modul noch ein weiterer Schritt hinzugefügt – nach dem Aufruf des Warenkorbs und dem eigentlichen Bestelldialog inklusive AGB-Bestätigung kann der Kunde die Bestellung vor dem Abschicken so noch einmal überprüfen.

5 Kommentare »

  • Cornelie Müller-Gödecke schrieb:

    naja, an der Sprache sollte noch gefeilt werden, arge Grammatikpatzer:

    “Die Zahlung folgt via PayPal – auch ohne ein PayPal-Account ”

    folgt – erfolgt
    ohne ein – ohne einen

    Komisch, daß Technikverliebte oft jedes Semikolon im Code richtig setzen, aber beim Text so pfuschen, und das dann noch bei einer lese-affinen Seite ….

  • Silvia schrieb:

    Klasse Artikel! Kommt wie gerufen. Danke.

  • Kay schrieb:

    Das Problem bei allen Plugins aus dem US-Raum (genau wie bei US-Shopsystemen) ist immer gleich: Ohne Programmier- und Anpassungsarbeiten sind diese in Deutschland nicht rechtssicher zu betreiben. Das ist auch in diesem Fall so und sollte daher erwähnt werden. 2013 sind über 60% der Shopbetreiber in Deutschland kostenpflichtig und rechtens abgemahnt worden. Finde ich natürlich nicht toll, ist aber nunmal in der Praxis so und sollte entsprechend ernst genommen werden.
    Auch hier fehlt direkt am Preis der Hinweis, ob der angegeben Preis brutto oder netto ist. Die Angabe im Warenkorb ist zu spät und zudem fehlt dort der Steuersatz. Auch ein sprechender Link direkt am Preis zu den Versandkosten ist vorgeschrieben und die Anzeige erst im Warenkorb ist auch hier zu spät. Bei Ebooks ist das natürlich nicht sonderlich relevant; bei physischen Produkten jedoch schon.
    Noch problematischer wird es, wenn gemischt Waren mit 7 und 19% verkauft werden. Spätestens da versagen fast alle US-Plugins und Erweiterungen. Wer dann noch weitere Zahlungsanbieter und z.B. Versanddienstleister oder ein Warenwirtschaftssystem anbinden möchte, ist ganz schnell am Ende der Möglichkeiten.

    So toll WordPress in Kombination mit E-Commerce erscheinen mag, in der Praxis tauchen dann doch einige Probleme auf, die man auf den ersten Blick nicht erkennen mag. Für eine Hand voll digitaler Produkte mag es gut funktionieren.

    Viele Grüße,
    Kay Steeger

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Vielen Dank für diesen Hinweis, da müsste man wirklich noch ein bisschen rumbasteln, um das Plugin anzupassen. Man kann aber zum Glück auch ganz einfach 100 Euro in ein weiteres Plugin investieren (WooCommerce German Market), das genau diese Probleme löst, also individuelle Ausweisung der MwSt., Lieferzeit und Versandkosten. Habe ich jetzt noch nachgerüstet, und funktioniert prima…

  • Jürgen schrieb:

    Das ist aber eine MENGE know how, das ihr hier zur Verfügung stellt.
    Ich werde jetzt erstmal meinen Klon Nr. 234-AX aktivieren, damit er sich mit meiner Frau unterhalten kann, während ich die nächsten 48 Std. vor meinem Rechner abtauchen kann, um das hier mal auszuprobieren.
    Achja, schönen Dank
    Jürgen