POD auf die harte Tour: Druckt Amazon Backlist-Titel bald selbst?

Für Self-Publisher ist es längst selbstverständlich, für manche kleinere Verlage auch: Print-On-Demand macht ihre Bücher dauerhaft lieferbar. Zum Beispiel via Amazon – auch in dessen europäischen Logistikzentren rattern bereits die Digitaldruckmaschinen, und verschlanken damit die Lagerlogistik. Was der Online-Händler nun gerade in Großbritannien versucht, hat aber eine ganz neue Qualität: wie „The Bookseller“ berichtet, sollen Verlage Amazon das Recht einräumen, nicht mehr lieferbare Titel via P-O-D selbst herzustellen und auszuliefern.

Gerade in punkto Backlist würde das Unternehmen damit also die Disintermediation auf eine neue Stufe heben – denn die Konditionen dieser „Dienstleistung“ bestimmt natürlich Amazon, die Verlage wären nur noch digitale Content-Lieferanten, die E-Book-Dateien und Druckdateien zur Verfügung stellen. Grundsätzlich ist das natürlich nichts neues, denn auch dezentrale P-O-D-Konzepte wie etwa die Espresso Book Machine funktionieren nach dieser Logik. Alle Bücher mutieren zu E-Books, die weltweit in Datennetzen unterwegs sind und bei Bedarf lokal ausgedruckt werden.

Fragt sich nur: wer übt die Kontrolle aus? Viele Branchenbeobachter haben schon seit längerem erwartet, dass Amazon irgendwann mehr Druck als bisher schon ausüben wird, um an die Layout-Daten der Verlage zu kommen. Denn im Vergleich zu elektronischen Büchern ist die bisherige Logistik in Sachen Print-Buch trotz fortschreitender Automatisierung natürlich deutlich schwerfälliger, so lange noch externe Druckereien und Zwischen(buch-)händler in der Wertschöpfungskette vertreten sind.

Amazons Marktmacht hat allerdings schon jetzt eine bedrohliche Größe erreicht, nicht nur in Großbritannien, wo der Markt inzwischen geteilt ist in Amazon und den Rest. In den USA erzielten die Verlage 2013 online (Print & E-Book kombiniert) erstmals mehr Umsätze als über den stationären Buchhandel. Und „online“, das ist natürlich überwiegend gleich Amazon. Für die Verhandlungsposition der traditionellen Verlage bedeutet das nichts Gutes…

Abb.: Flickr/Baltimore City Paper (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".