Piraten vom Amazonas: Browser-Erweiterungen hacken Kindle-Store

Kaum hatte Amazon.com mit „Kindle Unlimited“ Kurs auf die E-Book-Flatrate gesetzt, landeten E-Book-Piraten einen ganz eigenen Flatrate-Coup. Sie launchten mit „LibGen“ ein spezielles Add-On für Chrome, das den Kindle-Store in ein Piratennest verwandelt. Die inzwischen wieder aus dem Chrome-Web-Store entfernte Erweiterung für Googles Browser zeigte nämlich direkt unter der Kopfleiste für jeden Kindle-Titel automatisch passende Download-Links bzw. Bit-Torrents aus illegalen Quellen an.

Daten liefert „Library Genesis“

Natürlich müssen die Daten auch irgendwo herkommen. In diesem Fall bedient sich die Software ganz einfach der russischen Plattform Library Genesis (libgen.org), in deren Datenbank genau solche Daten aus aller Welt gesammelt werden. Dem US-Techblog Venturebeat zufolge wurde die Erweiterung in den letzten Tagen von mindestens 800 Nutzern heruntergeladen, bevor sie aus naheliegenden Gründen schließlich wieder aus dem Chrome-Web-Store verschwand. Ähnliche Extensions wie etwa „Torrent this“ sind aber auch weiterhin verfügbar.

„Pirates of the Amazon“ gibt’s schon lange

Ganz neu sind solche Hacks ohnehin nicht, bereits Ende der Nuller Jahre machten die berüchtigten „Pirates of the Amazon“ von sich reden, als sie ein Plugin für den OpenSource-Browser Firefox in Umlauf brachten, das Amazon.com um Torrent-Links von Pirate Bay bereicherte. Dabei wurde auch auf Filme und Musik verlinkt. Die anonymen Hacker sprachen damals übrigens von einem „Kunst-Projekt“: „This artistic project addresses the topic of current media distribution models vs. current culture and technical possibilities“.

BN.com für Piraten uninteressant

Einen Lerneffekt hat letztlich auch die aktuelle „LibGen“-Erweiterung: denn zum einen wird Kindle Unlimited, sobald genügend große Verlage mit im Boot sind, rein technisch die Grenzen zwischen legalen und illegalen Download-Plattformen, die oft ohnehin schon mit Flatrates arbeiten, endgültig verwischen. Zudem ist „LibGen“ ein dezenter Hinweis darauf, welches Unternehmen (auch) in der Welt der Flatrates zukünftig den Ton angeben dürfte. Kein Pirat würde auf die Idee kommen, eine Browser-Plugin für BN.com zu entwickeln, viele populäre Self-Publishing-Titel sind ohnehin exklusiv bei Amazon erhältlich.

(via Torrentfreak & Venturebeat)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".